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Pfand-Betrug?: Radeberger zofft sich mit Umwelthilfe

Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe vor, Verbraucher mit "falschen Mehrwegflaschen" zu täuschen. Das Unternehmen soll sich Pfand-Vorteile erschlichen haben. Radeberger weist die Vorwürfe zurück.

Corona Radeberger Quelle: dapd
Radeberger hat wegen der Mehrwegflaschen seiner Marke Corona Extra Ärger mit der Deutschen Umwelthilfe. Quelle: dapd

Die Deutsche Umwelthilfe wirft der Radeberger-Gruppe einen massiven Etikettenschwindel mit Bierflaschen der Marke Corona Extra vor. Diese würden entgegen der Angaben von Radeberger nicht nach Mexiko zurückgeschickt und dort wiederbefüllt, teilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch in Berlin mit.

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„Damit erschleicht sich die größte deutsche Brauereigruppe zulasten ehrlicher Mehrweg-Brauereien einen Verkaufsvorteil von über 4 Euro pro Bierkasten“, kritisierte die DUH. Denn normalerweise dürften nicht die 8 Cent Pfand für Mehrwegflaschen erhoben werden, sondern es seien 25 Cent für Einwegflaschen fällig. Die Radeberger-Gruppe vertreibt die Marke Corona Extra in Deutschland.

„Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage und fußen auf einer Fehlinformation der Deutschen Umwelthilfe“, teilte das Unternehmen mit. Die Flaschen würden über Antwerpen nach Mexiko zurückgeschickt. Jedoch weisen die Corona-Flaschen in Deutschland laut Umwelthilfe niemals Mehrweg-typische Gebrauchsspuren auf. Ein Corona-Vertreter in Mexiko teilte in einer der dpa vorliegenden Mail mit, dass niemals leere Corona-Flaschen aus Deutschland zurückkämen, es gebe kein Mehrwegsystem.

Die deutschen Brauereien schaffen es weder in puncto Marktanteile noch bei den tatsächlich produzierten Mengen in die internationalen Top-Ten. Auch die Fußball-WM im Jahr 2010 konnte die Jahresbilanz nicht retten. Vor zwei Jahren setzten alle in Deutschland ansässigen Brauereien 98,3 Millionen Hektoliter Bier ab. Das waren nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes rund 1,7 Millionen Hektoliter oder 1,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch 2011 litten die Brauereikonzerne an der insgesamt schwierigen Marktlage. Dementsprechend wenige deutsche Brauer schaffen es überhaupt unter die globalen Branchengrößen: Immerhin unter die ersten Vierzig der weltgrößten Brauereien gelangte Bitburger. Das Unternehmen hatte 2010 einen Marktanteil von müden 0,4 Prozent am weltweiten Ausschank von 1.846 Millionen Hektoliter und landete damit auf Platz 37 der Branchenübersicht des Hopfenhändlers Barth-Haas Group. Bitburger verdeutlich, was für alle deutschen Brauereien gilt: Sie können international nicht mithalten. Den Anschluss an den Weltmarkt hätten die Unternehmen trotz des guten Rufs der deutschen Biere verpasst, meinen Branchenkenner.

Bild: obs

Radeberger wiederum legte eine Corona-Erklärung aus Madrid vor, wo es heißt, dass alle Flaschen zurück nach Mexiko gebracht würden. Allerdings wird dort nicht gesagt, dass diese auch wiederbefüllt würden. Nur dann dürften sie mit dem reduzierten Mehrwegpfand verkauft werden.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, forderte, den Verkauf von Corona Extra in Deutschland bis zu einer Klärung der Vorwürfe einzustellen. „Von allen bisher bekannt gewordenen Täuschungsversuchen in der Getränkeindustrie ist der Fall Radeberger der mit Abstand dreisteste.“ Radeberger verschaffe sich gesetzeswidrig gegenüber anderen Brauereien einen unlauteren Wettbewerbsvorteil und verstoße zudem gegen Umweltgesetze.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte die Bundesregierung zum Handel gegen Missbrauch im Mehrwegbereich auf. „Um die Mehrwegquote zu stärken, muss zuerst einmal die Kennzeichnungsverordnung novelliert werden", sagte Höhn. Die Verbraucher müssten auf einen Blick erkennen können, welche Flaschen wiederbefüllt werden und welche gleich im Müll landen. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) müsse eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung auf den Weg bringen.

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