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Pferdefleisch-Skandal: EU-Staaten entscheiden über Gentests

Die Affäre um falsch deklariertes Pferdefleisch zieht Kreise in ganz Europa. Heute wollen die EU-Staaten über Fleisch-Gentests entscheiden. In einem deutschen Institut werden derweil schon erste Proben analysiert.

50.000 Tonnen nicht-deklariertes Fleisch aus den Niederlanden sind offenbar in mehrere europäische Länder verkauft worden, darunter auch Deutschland. Das Fleisch könne mit unkontrolliertem Pferdefleisch vermischt worden sein, warnte die niederländische Kontrollbehörde für Nahrungsmittel. Die Kontrollbehörde hatte am 10. April 500 Betriebe, darunter auch deutsche, aufgefordert, die Ware bei ihren Kunden aufzuspüren und aus dem Handel zu nehmen. Die Herkunft des Fleisches sei unklar, erklärte die Behörde. Daher könne auch die Sicherheit nicht garantiert werden. Zurzeit gebe es aber keine Hinweise auf Gefahren für Menschen. Unter Betrugsverdacht steht ein Großhändler aus dem süd-niederländischen Oss. Seit über zwei Jahren soll er Fleisch verkauft haben, ohne die Herkunft zu registrieren. Er hatte bereits zuvor Pferdefleisch mit Rind vermengt und als reines Rindfleisch verkauft. Wahrscheinlich ist ein Teil des verdächtigen Fleisches bereits konsumiert worden, sagte der Sprecher der Aufsichtsbehörde. "Aber viel wurde auch in Tiefkühlmahlzeiten verarbeitet, und Frikadellen oder Hamburger sind sehr lange haltbar.“

Bild: dpa

Nach dem Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals wollen die EU-Staaten am heutigen Freitag in Brüssel über die Einführung von europaweiten Gentests für verarbeitetes Rindfleisch entscheiden. Mit den Tests sollen die Aufsichtsbehörden feststellen, ob es sich bei den Proben um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. Unterdessen geht auch die Suche deutscher Behörden nach falsch deklarierten Fleischprodukten weiter. In zahlreichen Bundesländern wurden bereits tausende Tiefkühlprodukte aus den Regalen genommen.

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Die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka haben bereits Fertiggerichten mit Pferdefleisch entdeckt, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. In dem Tiefkühl-Produkt „Gut & Günstig Lasagne Bolognese“ seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, sagte ein Edeka-Sprecher in Hamburg. Der Artikel sei am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht ausschließen konnte. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent.

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Auch Real hatte die Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. „Jeder Kunde, der den Artikel in den Markt zurückbringt, bekommt den Kaufpreis zurückerstattet“, sagte ein Unternehmenssprecher in Düsseldorf. Die Lasagne der Eigenmarke „Tip“ sei bundesweit in allen 316 Real-Märkten verkauft worden. Das Unternehmen sehe sich „als Opfer einer vorsätzlichen Täuschung“.

Das Handelsunternehmen Konsum Leipzig nahm am Freitag vorsorglich eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne aus den Regalen. Kaiser's Tengelmann wartet derweil auf Ergebnisse der eigenen Analysen für die aus dem Verkauf genommene A&P-Tiefkühllasagne.

Aigner fordert Ermittlungen wegen Verbrauchertäuschung

Nach Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals hat das zuständige Labor in Berlin mit der Analyse erster Proben begonnen. „Die Untersuchung läuft schon“, sagte Maren Fischer vom Landeslabor Berlin/Brandenburg am Freitag. Bis die Ergebnisse über die Herkunft des Fleisches vorliegen, dauere es zwei bis drei Tage. Bis zum 20. Februar sollen alle Bezirke je zwei Hackfleisch-Proben abliefern. Es kann aus Tiefkühlessen stammen, aber auch von Buletten, Nudelsoße oder Dönern.

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Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat derweil die Justizbehörden zu Ermittlungen aufgefordert. Wichtig sei auch, dass alle falsch gekennzeichneten Produkte schnell vom Markt genommen und Proben in den Labors gründlich untersucht werden, auch auf Arzneimittelrückstände, sagte Aigner der „Saarbrücker Zeitung“.

„Nur mit flächendeckenden Tests und einem europaweit einheitlichen Vorgehen werden wir das tatsächliche Ausmaß dieses Falls erfassen können“, so Aigner. Sie forderte die Justizbehörden in Deutschland zu Ermittlungen auf: „Wir haben es offenbar mit einem bislang einmaligen Fall von Verbrauchertäuschung zu tun.“

In London gab es erste Hinweise auf Rückstände von Medikamenten in Pferdefleisch. Im Zusammenhang mit dem Lebensmittelbetrug wurden in Großbritannien drei Männer festgenommen. Nach Erkenntnissen französischer Ermittler hat der Lebensmittelhändler Spanghero wissentlich tonnenweise als Rind gekennzeichnetes Pferdefleisch vertrieben.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.02.2013, 09:21 UhrJoselyn

    Normalerweise ist Pferdefleisch auch nicht gefährlich. Aber die Tiere, um die es hier geht, bekamen Phenylbutazon verabreicht und wurden höchstwahrscheinlich auch nicht dem Fleischbeschauer vorgeführt. Wer weiß, welche Krankheitserreger die in sich haben. Meiner Ansicht nach ist das vorsätzliche Körperverletzung.

    Phenylbutazon ist bei Weitem nicht so ungefährlich, wie das hier dargestellt wird.

    Phenylbutazon hat im Körper eine sehr lange Verweildauer. Wirksame Konzentrationen werden in den Gelenken noch bis zu drei Wochen nach Beendigung der Einnahme gefunden. Der Wirkstoff hat so einerseits zwar sehr starke entzündungshemmende Effekte, andererseits aber auch sehr schwere Nebenwirkungen. Es sollte daher nur wenige Tage eingenommen werden.

    An Nebenwirkungen werden unter anderem beobachtet: Magen-Darm-Störungen (Ulkusgefahr), Knochenmarksschäden (Agranulozytose), Natriumretention (Ödeme), vermehrte Harnsäure-Ausscheidung und dadurch Gefahr der Konkrementbildung.

    Phenylbutazon kam zunächst in weiter gefassten Anwendungsbereichen in den Markt. Nach dem Bekanntwerden schwerer Nebenwirkungen (gastrointestinale Schädigungen, Störungen der Blutbildung), zum Teil mit Todesfolge, wurden 1984 die Indikationen eingeschränkt und weitere Maßnahmen auferlegt, um die Anwendung von Phenylbutazon nur auf das absolut notwendige Maß zu beschränken. Weiterhin wurde Fixkombinationen von Phenylbutazon mit Corticosteroiden für die intramuskuläre Injektion bei starken Rückenschmerzen (Beispiel Tomanol B:[11] Phenylbutazon, Ramifenazon, Prednisolon, Vitamin B12, Cinchocain) in Deutschland 1985 die Zulassung entzogen, da auch bei kurzzeitiger Anwendung unvertretbar häufig Blutungen im Magendarmtrakt, Magenschleimhautgeschwüre und Magendurchbrüche auftraten.

    Die Unternehmen, die daran beteiligt waren, gehören meiner Ansicht nach auf jeden Fall bestraft und geschlossen.

  • 15.02.2013, 10:00 UhrPequod

    Totgeritten!
    ---------------
    So dürfte man in dieser ''EU'' zu der Einsicht gekommen sein,
    daß man das tote Pferd der Eurosion nicht mehr weiter reiten
    kann und es noch, in ökonomischer Hinsicht, dem biologischen
    Kreislauf zum Verzehr freigegeben hat!

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