Pferdefleisch-Skandal: Schnell Klarheit mit Gentests

Pferdefleisch-Skandal: Schnell Klarheit mit Gentests

Bild vergrößern

Pferd oder Kuh, was ist wirklich in der Wurst? Gentests sollen nun Klarheit bringen

von Susanne Kutter

Warum die seit fast 20 Jahren verfügbaren genetischen Testmethoden in der Lebensmittelindustrie kaum oder nur zögerlich zum Einsatz kommen, erläutert Dr. Sandra Luley im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Luley ist beim Biotech-Unternehmen Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf für die Vermarktung dieser Tests verantwortlich.

WirtschaftsWoche: Frau Luley, in der aktuellen Debatte über Pferdefleisch in Fertigprodukten stellen sich Lebensmittelhersteller gerne als Opfer dar, die kaum Möglichkeiten hätten, betrügerischen Umdeklarierungen auf die Spur zu kommen. Ein oft genanntes Argument: Schnelle und sichere Gentests seien erst seit kurzem verfügbar. Dass das nicht stimmt ist, können wir selbst mit einem Artikel aus der WirtschaftsWoche aus dem Jahr 1996 belegen, den wir hier noch einmal veröffentlichen ("Alles versaut"). Zu dieser Zeit machten exotische Tiere wie Pampashasen, Kängurus und Wasserbüffel Probleme, die als Reh oder Wildschwein verkauft wurden. Warum haben sich die damals schon etablierten Gentests nicht längst in der Lebensmittelindustrie durchgesetzt?

Sandra Luley: Die Antwort ist recht simpel. Die Tests auf Tierarten sind bisher gesetzlich nicht vorgeschrieben, wohl auch deshalb, weil der Verzehr falsch deklarierter Lebensmittel grundsätzlich erst einmal kein Gesundheitsrisiko darstellt. Hinzu kommt, dass die Lebensmittelindustrie sehr preissensitiv ist. Damit ist es keine Routine-Untersuchung.

Anzeige

Welche Tests werden denn routinemäßig gemacht?

Bakterielle Krankheitserreger wie Salmonellen und Listerien müssen in der fleischverarbeitenden Industrie streng kontrolliert werden, ganz unabhängig von der verwendeten Technologie.

Lebensmittelanalyse Alles versaut

In Lebensmitteln landen oft exotische Tiere. Jede zehnte Portion Rehfleisch stammt von Antilopen. Mit Gentests werden Betrüger bald schneller entlarvt.

Mit Hilfe von Gentests werden Lebensmittelbetrüger schneller entlarvt. Quelle: dpa

Wie unterscheiden sich die Methoden?

In der Mikrobiologie hat man lange Zeit klassischerweise auf Bakterienkulturen gesetzt. Dabei werden Proben des Fleisches auf einem Nährboden ausgestrichen und in einem Wärmeschrank bebrütet. Sind Bakterien im Fleisch, gedeihen diese auf dem Nährboden so gut, dass sie sich stark vermehren. Das ist dann als kleines Pünktchen in der Kulturschale zu sehen. Doch das dauert mehrere Tage. Für den Nachweis von Inhaltsstoffen hat man hingegen traditionell auf proteinbasierte Tests gesetzt, also tierische Eiweiße nachgewiesen. Allerdings werden diese Untersuchungen schnell ungenau, wenn die Lebensmittel bei der Verarbeitung erhitzt werden, denn Proteine verändern dann ihre Form oder werden völlig  zerstört. Deshalb kommen in beiden Bereichen zunehmend Verfahren zum Einsatz, die die sehr viel stabilere Erbsubstanz  DNA analysieren.

Gentests sind schneller und genauer?

Ja, um Längen. Wir haben die Technik inzwischen soweit automatisiert und vereinfacht, dass die Probenvorbereitung vom Fleisch bis zum Analyseroboter nur noch zweieinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Der eigentliche Gentest ist in 70 Minuten erledigt und funktioniert gleichermaßen bei Rohmaterialien wie verarbeiteten Lebensmitteln. Dann weist der Computer das Ergebnis aus – und der Hersteller weiß sofort, was im Fleisch drin war. Das war tatsächlich vor 15 oder 20 Jahren noch deutlich umständlicher und mit 50 bis 100 Euro pro Test viel teurer.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%