Pharmahandel: Angriff auf Merckle und Haniel

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Pharmahandel: Angriff auf Merckle und Haniel

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Der deutsche Pharmagroßhandel bekommt Konkurrenz von AEP. Großaktionär dahinter: die österreichische Post.

Die österreichische Post will das Apothekengeschäft in Deutschland aufmischen, das bislang von einem halben Dutzend Anbietern beherrscht wird.  Doch der Zeitpunkt für eine Attacke ist denkbar schlecht.

Die Halle im Industriegebiet von Alzenau bei Frankfurt misst 10.000 Quadratmeter,  und eigentlich gibt es nicht viel zu sehen. Außer Metallregalen, Sortieranlagen, Fließbändern. In wenigen Wochen sollen von hier aus Apotheken in ganz Deutschland versorgt werden. Bislang liefern etwa ein halbes Dutzend Pharmagroßhändler wie Phoenix (gehört zur Merckle-Familie) und Celesio (Haniel) die Pillen an die Apotheker. In diese Phalanx will nun ein neues Unternehmen namens AEP einbrechen – dahinter steht als Großaktionär die österreichische Post.  

Noch fehlen die Medikamente, nur ein Pappkarton mit dem Logo des Schweizer Augenarznei-Spezialisten Alcon liegt in der Halle herum. Alles ist noch geheim, es gibt keine Hinweisschilder und kein weithin sichtbares Firmenlogo.  Eher missmutig und ganz, ganz vorsichtig, beantwortet Markus Eckermann, einer der beiden AEP-Geschäftsführer, die Fragen. Wie viel Medikamente hier einmal durchlaufen sollen, verrät er zum Beispiel nicht. Immerhin, so viel lassen Eckermann und sein Co-Geschäftsführer Jens Graefe durchblicken: Sie wollen die Apotheken mit einem kostengünstigen Angebot und einheitlichen Rabatten ködern.  Im Herbst, wahrscheinlich Oktober, soll es losgehen.

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Zufriedenheit der Apotheker ist deutlich gestiegen

Einen schlechteren Zeitpunkt hätten sich die beiden branchenerfahrenen Manager kaum aussuchen können: Weil Platzhirsche wie Phoenix, Noweda und Celesio derzeit mit Rabatten an die Apotheker nur so um sich schmeißen, ist die Wechselbereitschaft der Pharmazeuten gering ausgeprägt.  "Die Zufriedenheit der Apotheker mit den etablierten Großhändlern ist daher deutlich gestiegen", sagt Tobias Brodtkorb, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Sempora, die regelmäßig Apotheker befragt. "Celesio, Phoenix & Co. haben die Pharmazeuten schon sehr verwöhnt, das wird für AEP sehr schwer."

Zudem könnten Phoenix und Celesio bald neue Eigentümer erhalten könnten, die reichlich Finanzkraft mitbringen – was es dann für AEP noch schwerer machen dürfte, überhaupt einen Fuß in den Markt zu bekommen. "Die Branche verändert sich gerade radikal", sagt Berater Brodtkorb.

An Phoenix, dem Marktführer unter den Apotheken-Lieferanten in Deutschland, soll etwa der israelische Medikamentenkonzern Teva interessiert sein. "Wir haben schon seit längerem das Gefühl, dass sich Phoenix für eine Übernahme schön macht", argwöhnt ein Konkurrent, "die Israelis sind an einem Vertriebskanal in Deutschland interessiert." Vor einigen Jahren stand Phoenix, das Apotheken in fast zwei Dutzend europäischen Ländern beliefert und einen Umsatz von mehr als 21 Milliarden Euro erwirtschaftet, noch vor dem Aus. Der Eigentümer, die schwäbische Familie Merckle hatte sich finanziell übernommen, Patriarch Adolf Merckle nahm sich das Leben. Sohn Ludwig konnte das Imperium des Vaters dann jedoch retten. Vor allem, weil er den Billigpillen-Hersteller Ratiopharm verkaufte – an Teva.

Haniel verliert die Lust

Bei Celesio könnten es die AEP-Geschäftsführer Eckermann und Graefe künftig mit einem amerikanischen Eigentümer zu tun bekommen. Der Duisburger Haniel-Clan, Mehrheitsaktionär bei Celesio, hat bereits durchblicken lassen, sich von seinem 50,1-Prozent-Anteil zu trennen; die US-Bank J. P. Morgan soll bereits den Markt sondieren. Als Favoriten für eine Übernahme gelten die US-Medikamentenhändler CVS, Cardinal Health und McKesson.

Kein Wunder, dass Haniel nach all den Turbulenzen der vergangenen Jahre die Lust verliert: Denn die Stuttgarter Pharmahandelstochter leidet nicht nur unter den Kostensenkungen im Gesundheitswesen, sondern auch unter dem Missmanagement des früheren Vorstandschef Markus Pinger. Der ruppige Boss wusste nahezu alles besser und agierte zuletzt auch noch an Vorstand und Aufsichtsrat vorbei. Kritik war nicht erwünscht – so wurden Manager der deutschen Celesio-Tochter Gehe wurden etwa vor einer internen Tagung angewiesen, keine unbotmäßigen Fragen zu stellen. Etliche Führungskräfte suchten schließlich das Weite.

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