Plagiate: "Fälscher werden immer schneller und besser"

Plagiate: "Fälscher werden immer schneller und besser"

von Claudia Tödtmann

Kosmetik-Plagiate wirken nicht, können sogar die Gesundheit gefährden - und trotzdem werden sie in rauen Mengen gekauft. Hauptsache billig - obwohl dadurch Arbeitsplätze zunichte gemacht werden.

Gefälschte Parfums stinken, statt gut zu duften. Schlimmer noch sind gefälschte Sonnencremes: Sie sorgen gleich für schwere Hautverbrennungen, weil sie gar nicht erst vor der gleißenden Sonne schützen - aber der Verwender sich in trügerischer Sicherheit wähnt. "Minderwertige Fakes mit Inhaltsstoffen zweifelhafter Herkunft und Qualität können zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen," bestätigt Martin Ruppmann, Geschäftsführer beim VKE Kosmetikverband. Und dann ist jeder einzelne Euro zu viel bezahlt für ein minderwertiges Produkt - auch wenn es viel weniger kostet, als das Original.

Hauptsache billig, egal wie schlecht

Der niedrige Preis lässt die Konsumenten jede Vorsicht vergessen. 18 Prozent der Verbraucher glauben sogar, dass es zwischen Fälschungen und Originalen keine Qualitätsunterschiede gibt. Die Freude über das vermeintliche Schnäppchen ist bei 65 Prozent der Käufer von Piraterieware das häufigste Motiv.

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Jeder Dritte ist schon auf Fälschungen hereingefallen (31 Prozent) und 28 Prozent waren Spontankäufer und erwarben die Plagiate "aus einer Laune heraus", zeigt eine Umfrage des VKE, die der Marktforscher TNS Infratest in seinem Auftrag unter 1000 Konsumenten zwischen 18 und 65 Jahren im vergangenen Monat über ein Online-Panel durchgeführt hat.

Produktpiraterie im Maschinen- und Anlagebau

  • Herkunft der Plagiate

    China: 72 %
    Deutschland: 23 %
    Türkei: 20 %
    Indien: 19 %
    Italien: 15 %
    Taiwan: 10 %

    Quelle: VDMA

  • Wirtschaftlicher Schaden

    2006: 5 Milliarden Euro
    2007: 7 Milliarden Euro
    2009: 6,4 Milliarden Euro
    2011: 7,9 Milliarden Euro
    2013: 7,9 Milliarden Euro

    Quelle: VDMA

  • Was wird plagiiert?

    Komponenten: 64 %
    Design: 56 %
    Komplette Maschinen: 51 %
    Ersatzteile: 44 %
    Kataloge, Broschüren: 35 %
    Bedienungsanleitungen: 16 %
    Verpackungen: 12 %

    Quelle: VDMA

Gesundheitsgefährdend und trotzdem ein Renner

Merkwürdig nur, dass 79 Prozent der Befragten angeben, um die gesundheitsgefährdenden Folgen der Plagiate zu wissen. 73 Prozent der Befragten ist zudem klar, dass sie nicht oder weniger wirksam sind. Und jeder Zweite weiß, dass er mit seinem Kauf die organisierte Kriminalität fördert (51 Prozent) – und es ist ihm gleichgültig. Political correctness ist beim Müll-Trennen offenbar wichtiger als beim Thema Markenfälschungen. Denn immerhin ist auch 58 Prozent der Konsumenten bewusst, dass damit Arbeitsplätze hierzulande vernichtet werden. „Kosmetik-Fälschen ist profitabler als Drogenhandel“, meint Ruppmann.

Herkunftsländer von Plagiaten in Europa

  • China

    Anteil 2014: 46,9 Prozent

    Anteil 2013: 59,2 Prozent

    Anteil 2012: 44,6 Prozent

  • Hongkong

    Anteil 2014: 28, 2 Prozent

    Anteil 2013: 18, 8 Prozent

    Anteil 2012: 22,1 Prozent

  • USA

    Anteil 2014: 8 Prozent

    Anteil 2013: 4,3 Prozent

    Anteil 2012: 5,4 Prozent

  • Vereinigtes Königreich

    Anteil 2014: 3,8 Prozent

    Anteil 2013: 3,0 Prozent

    Anteil 2012: 3,0 Prozent

  • Singapur

    Anteil 2014: 1,8 Prozent

    Anteil 2013: 2,7 Prozent

    Anteil 2012: 6,9 Prozent

In Kauflaune geraten die Käufer von Plagiaten offenbar insbesondere im Urlaub auf Märkten und Bazaren im Ausland (40 Prozent). Dabei sind gerade diese Spontankäufe gefährlich: Der Chef der Kosmetikmarke Clarins, Stephan Seidel, berichtet von Konsumenten, die in Frankreich 2000 Euro Strafe zahlen mussten, weil sie am Strand gefälschte Dior-Sonnenbrillen kauften.

Im Internet werden demgegenüber nur 19 Prozent aller Fälschungen bestellt. Innerhalb Deutschlands werden 17 Prozent der Plagiate-Käufer auf Märkten beziehungsweise neun Prozent in Geschäften fündig.

Amazon und Co. kommt eine Sonderrolle zu, die der Online-Händler gar nicht verdient: Insgesamt glauben 48 Prozent der Befragten, dass entweder der Plattform-Betreiber sicherstellt, dass bei ihm keine Plagiate gehandelt werden (17 Prozent) oder dass sogar der Hersteller darüber wacht (31 Prozent). Das sind insgesamt mehr Konsumenten als diejenigen, denen klar ist, dass Amazon und Co. sich gar nicht darum kümmern, ob auf der Plattform Markenfälschungen gehandelt werden - denn das unterstellen 41 Prozent.

Weitere Artikel

Begehrteste Plagiate: Kleidung

Am häufigsten gekauft wird gefälschte Kleidung gefolgt von Düften, Schuhen, Handtaschen, Filmen/CDs, Zigaretten, Schmuck, Elektronik, Medikamenten, Kosmetik und Gesichts- sowie Körpercreme.

VKE-Chef Ruppmann ist seit Jahren im Dauerkampf gegen die Fälscher: "Wir versuchen, alle Kanäle – und das ist massiv das Internet – frei von Fälschungen zu halten, aber die Fälscher sind in den letzten Jahren immer schneller und besser geworden. Wo die Rechteinhaber einen Online-Shop schließen, entstehen zeitgleich zwei neue."

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1 Kommentar zu Plagiate: "Fälscher werden immer schneller und besser"

  • Fra Tödtmann, ich würde meinen Namen NICHT unter solche Aussagen setzen.

    - Arbeitsplätze - die größte LÜGE

    - VIELE Sachen sind ECHT= Material und Produktionsstätte


    Was einige nicht wissen, dass einige super teuere Sachen im Landen
    als PLAGIATE für den Hersteller den dreifachen Gewinn bringen, denn von
    dem was XY im Laden verkauft, würde verhungern, statt LUXUSLEBEN führen.

    Krebserregende Stoffe u.a. bei (original) werden erst festgestellt, wenn die Produktion eingestellt wird - bei Auslaufmodellen.

    Aber in der globalisierten Welt - scheint die GIER der einzelner unbegrenzt
    zu sein. Womit wieder anderswo ARBEITSPLÄTZE vernichtet werden.

    Also was ist GUT - und was ist SCHLECHT ?????

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