Bild: dapdSchlecker
Der Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette, Arndt Geiwitz, fordert von den verbliebenen 13.500 Schlecker-Mitarbeitern einen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens zu leisten. Sie sollen auf Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi fordert der Insolvenzverwalter außerdem einen Lohnverzicht von 15 Prozent. Arndt Geiwitz kommentierte das bislang nicht. Verdi lehnt den Lohnverzicht ab. Derzeit laufen die Verhandlungen über einen sogenannten Sanierungstarifvertrag. Nach bislang ergebnisloser Runde werden die Gespräche mit der Insolvenzverwaltung kommende Woche fortgeführt. Bis Ende April wolle man zu einer Einigung kommen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke.
Bild: dpaOpel
Weniger Geld für einen sicheren Arbeitsplatz – das war 2009 die Hoffnung vieler Opelaner in Bochum. Betriebsräte und Gewerkschaft setzten sich für die Lohnkürzungen ein, um Kosten zu sparen und für möglichst viele der rund 5.000 Männer und Frauen den Arbeitsplatz zu sichern. Dafür gab es vom US-amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM) eine Garantie: Keine Werksschließung bis 2014.
Nun heißt es in Bochum erneut bangen. Nachdem GM im März selbst gute und für Opel schlechte Zahlen vorlegte, droht das Unternehmen erneut damit, das nordrhein-westfälische Opel-Werk schließen zu wollen. Jetzt diskutiert der Aufsichtsrat neue Einbußen für Arbeitnehmer.
Bild: dpa/dpawebKarstadt
Urlaubs- und Weihnachtsgeld war den Mitarbeitern der Warenhauskette Karstadt weniger wichtig als der Arbeitsplatz. Im Sanierungstarifvertrag hatten sie für drei Jahre auf diese Sonderzahlungen verzichtet, um Karstadt zu retten. Für das Unternehmen bedeutete das Einsparungen in Höhe von 115 Millionen Euro. Es ist schon die dritte Sanierungsaktion bei Karstadt innerhalb der vergangenen vier Jahre.
Wenn das Sanierungspaket im Herbst ausläuft, muss Karstadt wieder bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr mehr an seine Mitarbeiter zahlen.
Bild: dpaPraktiker
Sparkurs auch bei Deutschlands bekanntestem Baumarkt: 2011 gab es ein Umsatzminus von 33,6 Millionen Euro. Geht es nach den Sanierern, sollen das die Mitarbeiter deutlich zu spüren bekommen. Über Kürzungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll Praktiker seine Kosten wieder in den Griff bekommen. Auch ein Verzicht auf Tariferhöhungen sei für eine begrenzte Zeit möglich.
"Ein Antrag dafür wurde bereits bei der Berliner Zentrale von Ver.di gestellt", sagte Gewerkschaftssekretär Björn Krings im Januar.
Bild: dpaTrumpf
Im Sommer 2010 ging es bei den Beschäftigten des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf um die berufliche Existenz. Am Ende gab es Beschäftigungssicherungsverträge für die Stammbelegschaft der Werke Ditzingen, Gerlingen und Hettingen, die ein Jahr gelten sollten.
Die Trumpf-Mitarbeiter mussten dafür mit weniger Geld auskommen: Das Unternehmen strich Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgelds und führte eine um 1,5 Stunden verkürzte Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ein. Darüber hinaus verzichteten die Mitarbeiter bis Ende 2011 auf ihren Lohn für 75 Stunden Arbeit. Trumpf wollte damit 20 Millionen Euro einsparen.
Bild: dpaSchaeffler
Mit harten Einschnitten erklärten sich 2010 auch Arbeiter und Angestellte des Schaeffler-Werks in Schweinfurt einverstanden. Im Gegenzug garantierte ihnen das Unternehmen, ein Jahr lang auf Kündigungen zu verzichteten.
Die Schweinfurter Mitarbeiter der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe nahmen Einsparungen bei den Personalkosten von rund 50 Millionen Euro in Kauf. Zu den Folgen gehörten neben Lohn- und Arbeitszeitkürzungen, freiwillige Aufhebungsverträge und die Altersteilzeit. Schaeffler-Gesamtbetriebsratschef Norbert Lenhard sagte: „Mit dieser Vereinbarung gewinnen wir Zeit für sozialverträgliche Lösungen.“ Auch die Schaeffler-Werke in Herzogenaurach, Ingolstadt, Eltmann, Homburg und Höchstadt sollten ähnliche Vereinbarungen treffen.
Bild: PRPromarkt
Die britische Elektronikmarktkette kämpfte 2003 mit roten Zahlen. Um die Kurve doch noch zu kriegen, wurde ein heftiges Sanierungspaket geschnürt: Stellenabbau und Gehaltseinschränkungen waren die Folgen. Die Angestellten verzichteten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, später gab es auch bedingten Lohnerhöhungsstopp.
Eine schöne Geste der Eigentümer und Geschäftsführer: als Zeichen der Solidarität verzichteten sie ganz auf ihren Lohn.
Bild: dpaSchlott
Sparen, sparen, sparen hieß es 2009 beim deutschen Druckereiunternehmen. Ein auferlegtes Sanierungsprogramm mit dem Abbau von 500 Stellen und neue Kredite sollten Schlott wieder nach vorne bringen. Das ursprüngliche Konzept reichte aber nicht aus.
Ein extrem hoher Preisverfall für Druckprodukte und steigende Rohstoffpreise verminderten die Gewinne des Unternehmens beträchtlich, sodass Ende des Jahres weitere Sanierungsschritte gemacht wurden. Um ihre Jobs zu behalten, verzichteten die Mitarbeiter daraufhin auch hier auf Teile ihres Weihnachts- und Urlaubsgeldes.
Schlecker
Der Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette, Arndt Geiwitz, fordert von den verbliebenen 13.500 Schlecker-Mitarbeitern einen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens zu leisten. Sie sollen auf Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi fordert der Insolvenzverwalter außerdem einen Lohnverzicht von 15 Prozent. Arndt Geiwitz kommentierte das bislang nicht. Verdi lehnt den Lohnverzicht ab. Derzeit laufen die Verhandlungen über einen sogenannten Sanierungstarifvertrag. Nach bislang ergebnisloser Runde werden die Gespräche mit der Insolvenzverwaltung kommende Woche fortgeführt. Bis Ende April wolle man zu einer Einigung kommen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke.
Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz setzt weiter auf eine Übernahme der insolventen Drogeriekette durch einen Investor und weist Gerüchte um windige Interessenten zurück. „An der Qualität der Angebote hat sich nichts geändert“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Man sei weiter mit seriösen Investoren im Gespräch. Die „Financial Times Deutschland“ hatte zuvor berichtet, in
Unternehmenskreisen würden die Interessenten kritisch gesehen, die von internationalen Finanzinvestoren bis zu einem arabischen Herrscherhaus reichten. Die Gebote seien niedrig und teilweise komplett kreditfinanziert. „Da sind nur noch Halunken im Spiel“, zitierte die Zeitung eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Fünf ernsthafte Interessenten
Neue Hoffnung ruhe nun auf einem bisher unbekannten Interessenten. Unternehmenskreisen zufolge gebe es Kontakte zum Londoner Investor Change Capital Partners, an dessen Spitze der frühere Carrefour- und Marks & Spencer-Chairman Luc Vandevelde steht. Er bringe aber nur 50 Millionen Euro Eigenkapital, hieß es. Der Sprecher der Insolventverwaltung betonte: „Es wird mit Hochdruck weiter an der Restrukturierung gearbeitet und auch Gespräche mit Investoren werden weiterhin geführt.“ Nach dem Absprung des Finanzinvestors Penta aus Osteuropa hatte es zuletzt geheißen, es seien noch fünf „ernsthafte“ Kandidaten im Rennen. Die Gewerkschaft Verdi ist angesichts mangelnder Informationen verunsichert. „Gegebenenfalls müssen Verhandlungsergebnisse mit Herrn Geiwitz unter Vorbehalt gestellt werden“, sagte Verhandlungsführer Bernhard Franke am Mittwoch der dpa. Dort fanden weitere Sondierungsgespräche zwischen Gewerkschaft und Insolvenzverwaltung über einen angestrebten Sanierungstarifvertrag statt. Knackpunkt ist die Forderung des Insolvenzverwalters nach einem Lohnverzicht der Mitarbeiter von 15 Prozent.
Tarifabschluss bis Ende April
Die Gewerkschaft beklagt schon länger mangelnde Transparenz bei der Insolvenzverwaltung. Im Fokus liegt dabei der von der Unternehmensberatung McKinsey erarbeitete Fortführungsplan für die insolvente Drogeriekette.
Am Mittwoch sollte das Konzept weiter gemeinsam geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Dabei geht es etwa um Punkte wie Tarifbindung. „Wir wollen eine solide Verhandlungsbasis“, sagte der Verdi-Handelsexperte Franke. Die wird eine Rolle spielen, wenn das Pokern um den Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter beginnt. Ein Abschluss sei weiter bis Ende April angestrebt. Denn Geiwitz will den Sanierungsplan den Gläubigern bis zum 5. Juni vorlegen - möglichst zusammen mit einem Schlecker-Käufer im Boot. Der Schlecker-Fortführungsplan wird noch mehr an Bedeutung gewinnen, wenn es nicht gelingt, einen Investor zu finden. Die Insolvenzverwaltung zeigt sich aber weiterhin zuversichtlich, einen Käufer bis Pfingsten präsentieren zu können.
























