Plastik adé: Modeketten wollen Gratistüten abschaffen

Plastik adé: Modeketten wollen Gratistüten abschaffen

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Für mehrere Hundert Euro shoppen und dann noch Geld für die Tüte berappen? Modeketten denken über die Abschaffung der Gratistüte nach.

Sie verschmutzen die Natur und sind eine Gefahr für Tiere: Plastiktüten. Deutschland muss den Verbrauch senken. Modeketten erwägen deshalb, Bezahlbeutel einzuführen. Nicht nur Umweltschützer zweifeln.

In den Supermarkt nehmen viele schon einen Korb oder eine Tragetasche mit. Zum Kleider-Shopping dagegen gehen die meisten mit leeren Händen und kommen mit zahlreichen Plastiktüten nach Hause. Jetzt sollen die Kunden auch in Schuhgeschäften, Kaufhäusern und Klamottenläden dazu bewegt werden, die Kunststoffbeutel wegzulassen.

Dafür bringt der Handelsverband Deutschland (HDE) Bezahltüten ins Gespräch, wie es sie in Supermärkten schon lange gibt. Dort müssen Kunden etwa 10 bis 20 Cent zahlen. Auch die anderen Einzelhändler sollen nun individuell einen „angemessenen Preis“ für die Tüten festlegen, sagt HDE-Sprecher Kai Falk. Einen entsprechenden Entwurf habe der Verband dem Bundesumweltministerium vorgelegt, die Gespräche liefen.

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Der Kampf gegen die Plastiktüten

  • Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

    Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Hunderte Jahre kann es dauern, bis die praktischen Tragetüten sich in der Natur zersetzen. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen.

  • Wie viele Tüten werden pro Jahr genutzt?

    Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jedes Jahr etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den grünen Punkt bereits weit verbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf, die EU-Kommission spricht mit Blick auf das Jahr 2010 von 64 Einwegtüten.

  • Mögliche Maßnahmen

    Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten. Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl - Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

  • Was halten Umweltschützer davon?

    „Das bedeutet für die Verbraucher und Verbraucherinnen und insbesondere den Einzelhandel eine Neuausrichtung zu bewussterem und ökologischerem Konsum“, meint Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Umweltschutzorganisation European Environmental Bureau (EEB) ist zwar grundsätzlich ebenfalls erfreut. Allerdings hätte sich die Organisation auch ein Verbot spezieller neuartiger Tüten gewünscht. Diese geben aus Sicht von Kritikern vor, biologisch abbaubar zu sein, obwohl sie es nicht sind. Dies soll nun aber die EU-Kommission erst einmal untersuchen.

  • Was sagt die Plastikindustrie?

    Der Branchenverband Plastics Europe argumentiert, man unterstütze zwar eine Gebühr für alle Taschen, egal aus welchem Material. Doch die Möglichkeit nationaler Verbote könne zu Handelshemmnissen in Europa führen. Das bemängelt übrigens auch die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner.

Mit seinem Vorschlag zum kostenpflichtigen Beutel meldet sich der Handelsverband zu Wort, bevor die Regierung den Einzelhandel per Gesetz zu einer möglicherweise höheren Abgabe zwingen könnte. Denn Deutschland muss seinen Tütenkonsum senken: Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass von 2025 an jährlich nur noch 40 der raschelnden Beutel pro Kopf benutzt werden dürfen. Die Deutschen verbrauchen bisher 71 davon. Europaweit liegt der Schnitt noch viel höher bei fast 200 Tüten.

Bei dem Plan des HDE seien „zahlreiche Großunternehmen schon dabei“, sagt Verbandssprecher Falk. Das schwedische Unternehmen H&M zum Beispiel denkt einer Sprecherin zufolge über die Einführung eines Abschlags in den gut 400 deutschen Filialen nach. Die Schuhkette Deichmann prüfe „verschiedene Varianten“, sagt ein Sprecher. Auch Galeria Kaufhof unterstützt den HDE. Weil die Tüten ein wichtiger Werbeträger seien, wolle man nicht gänzlich auf sie verzichten. Ein C&A-Sprecher sagt, es sei aber wichtig, den Kunden gut zu erklären, warum die Beutel künftig etwas kosten könnten.

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Für mehrere Hundert Euro shoppen und dann noch Geld für die Tüte berappen? Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels glaubt nicht, dass Kunden dafür viel Verständnis haben würden. Einigen seiner Mitgliedsunternehmen sei es daher lieber, wenn die Regierung eine Gebühr per Gesetz vorschriebe. „Dann könnten die Mitarbeiter sagen: „Beschweren Sie sich in Berlin, wir können nichts dafür.““ Außerdem bräuchten Schuhe, Leder und Schmuck Schutz gegen die Witterung. „Ich kann in einen noch so schönen Weidenkorb keinen Kaschmirpulli knuddeln“, sagt Dax.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fürchtet eher, dass ein Centbetrag keinen deutschen Kunden von Kunststofftüten fernhalten würde - und dass Geschäfte auf die Papiervariante umsteigen, sobald die Bezahlpflicht komme. „Es ist ein Trugschluss, dass die braune Papiertüte umweltfreundlich ist“, gibt Katharina Istel, Nabu-Expertin für nachhaltigen Konsum, zu bedenken. Papier habe sogar eine noch schlechtere Ökobilanz als ihre Kunststoff-Verwandte und sei nur vorzuziehen, wenn die Plastiktüte leicht im Meer oder in der Natur landen könnte.

Außerdem seien Verkäufer auf Wochenmärkten, in Imbissbuden und Kiosken nicht unbedingt im Handelsverband organisiert und könnten somit ihre Beutel weiter umsonst abgeben - das reiche nicht aus, um den Verbrauch zu senken.

Eine Steuer auf alle Tüten ist aber ohnehin nicht vom Tisch. Noch prüft das Bundesumweltministerium, ob die vorgeschlagene Lösung des HDE wirksam genug ist. Zum künftigen Preis für Plastikbeutel will sich das Ministerium bisher nicht äußern.

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