Porsche und Merckle: Auf wildem Expansionskurs

Porsche und Merckle: Auf wildem Expansionskurs

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Wendelin Wiedeking, ehemaliges Vorstandsmitglied von Porsche.

von Martin Seiwert, Jürgen Salz, Cornelius Welp und Lothar Schnitzler

Eigentümerfamilien legen ihr Schicksal gerne in die Hände erfahrener Manager und Berater. Eine gute Idee, es sei denn der bodenständige Chef mutiert zum zockenden Investor.

Eine professionelle Kontrolle ist für Familienunternehmen die wohl größte Herausforderung. Sie verlange „keine Günstlingswirtschaft, keine Kaffeekränzchen mit Verwandten und Freunden, die dann Beirat heißen“, sagt Ex-Klöckner-Chef Ludwig. „Man ist ja nicht deshalb ein großer Ökonom, weil man in eine bestimmte Familie hineingeboren ist.“

Um die Gefahr zu mindern, gibt es seit 2004 einen von Intes entwickelten „Corporate Governance Kodex für Familienunternehmen“.

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Darin heißt es etwa, dass „familienunabhängiger Sachverstand im Aufsichtsgremium die Qualität seiner Arbeit verbessern kann“ und bei der Auswahl der Aufseher darauf geachtet werden soll, „dass sie vom Unternehmen und der Unternehmensführung unabhängig sind und Interessenkonflikte vermieden werden“.

Manager mit Mittelstands-Denke

Doch die Empfehlungen haben keinerlei bindende Wirkung und werden in der Praxis oft ignoriert. Erst recht, wenn es gut oder gar hervorragend läuft.

Als Porsche Anfang der Neunzigerjahre in Schieflage geriet, vertrauten die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch mit Wendelin Wiedeking einem Manager das Lenkrad an, der wie kaum ein Zweiter die Ideale des Familienunternehmens propagierte.

In bester Unternehmermanier steckte der Ingenieur erst einmal eigenes Geld in die marode Firma, bevor er sich das erste Chefgehalt überweisen ließ.

Wiedeking sanierte den Autobauer und pflegte das Image als mittelständisch denkender Unternehmer: Hartnäckig sträubte er sich gegen die von Börsen und Investoren verlangte Quartalsberichterstattung.

Gewagter Plan

Ausgerechnet dieser scheinbar bodenständige Firmenchef wandelte sich mit Billigung der Familien zum wild zockenden Investor. Im Frühjahr 2005 präsentierte er den Porsche-Erben einen gewagten Plan: Porsche solle mit gewagten Optionsgeschäften den 15-mal größeren VW-Konzern schlucken können.

Geschützt durch die Intransparenz bei Porsche foppten Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter den Kapitalmarkt, häuften Milliardengewinne auf und schraubten den Porsche-Anteil an VW auf über 50 Prozent.

Wirklich verstanden, so sagten später Familienmitglieder, hätten sie die Zockereien allerdings nicht.

Schade für sie: In der Finanzkrise brach das Kartenhaus zusammen. 2009 summierten sich die Schulden auf elf Milliarden Euro. Die Porsche-Eigentümer mussten schmerzlich erkennen, welchem Treiben sie wohlgefällig zugeschaut hatten.

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