
Eine professionelle Kontrolle ist für Familienunternehmen die wohl größte Herausforderung. Sie verlange „keine Günstlingswirtschaft, keine Kaffeekränzchen mit Verwandten und Freunden, die dann Beirat heißen“, sagt Ex-Klöckner-Chef Ludwig. „Man ist ja nicht deshalb ein großer Ökonom, weil man in eine bestimmte Familie hineingeboren ist.“
Um die Gefahr zu mindern, gibt es seit 2004 einen von Intes entwickelten „Corporate Governance Kodex für Familienunternehmen“.
Darin heißt es etwa, dass „familienunabhängiger Sachverstand im Aufsichtsgremium die Qualität seiner Arbeit verbessern kann“ und bei der Auswahl der Aufseher darauf geachtet werden soll, „dass sie vom Unternehmen und der Unternehmensführung unabhängig sind und Interessenkonflikte vermieden werden“.
Manager mit Mittelstands-Denke
Doch die Empfehlungen haben keinerlei bindende Wirkung und werden in der Praxis oft ignoriert. Erst recht, wenn es gut oder gar hervorragend läuft.
Als Porsche Anfang der Neunzigerjahre in Schieflage geriet, vertrauten die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch mit Wendelin Wiedeking einem Manager das Lenkrad an, der wie kaum ein Zweiter die Ideale des Familienunternehmens propagierte.
In bester Unternehmermanier steckte der Ingenieur erst einmal eigenes Geld in die marode Firma, bevor er sich das erste Chefgehalt überweisen ließ.
Wiedeking sanierte den Autobauer und pflegte das Image als mittelständisch denkender Unternehmer: Hartnäckig sträubte er sich gegen die von Börsen und Investoren verlangte Quartalsberichterstattung.
Quelle: APPlatz 16: Schlecker
Branche: Drogerie
Umsatz: 6,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 47.000
Quelle: APPlatz 15: Würth Gruppe
Branche: Befestigungs- und Montagetechnik
Umsatz: 8,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 65.000
Quelle: dpa/dpawebPlatz 14: Rethmann-Gruppe
Branche: Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Logistik, Bioindustrie
Umsatz: 9,1 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 42.000
Quelle: dpaPlatz 13: Oetker
Branche: Lebensmittel, Finanzwesen, Schifffahrt
Umsatz: 9,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 25.000
Quelle: APPlatz 12: INA-Schaeffler (Continental)
Branche: Autozulieferer
Umsatz: 9,5 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 68.000
Die Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten stürzte das Unternehmen aus Herzogenaurach 2009 in eine existenzielle Krise. Ein Kompromiss mit den kreditgebenden Banken sicherte das Überleben. Trotz des operativ gut laufenden Geschäfts bleiben Unsicherheiten wegen der nach wie vor hohen Verschuldung.
Quelle: dpa/dpawebPlatz 11: Maxingvest (Tchibo)
Branche: Konsumgüter
Umsatz: 9,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 32.000
Quelle: APPlatz 10: Tengelmann
Branche: Einzelhandel
Umsatz: 11,3 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 80.000
Quelle: dapdPlatz 9: Otto Gruppe
Branche: Handels- und Dienstleistungskonzern
Umsatz: 11,4 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 50.000
Quelle: PressebildPlatz 8: Marquard & Bahls
Branche: Mineralölhandel, Tanklagerung, Flugzeugbetankung, erneuerbare Energien
Umsatz: 12,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 4.000

Platz 7: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharmaunternehmen, Forschung
Umsatz: 12,7 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 42.000
Platz 16: Schlecker
Branche: Drogerie
Umsatz: 6,6 Mrd. Euro
Mitarbeiter: 47.000
Gewagter Plan
Ausgerechnet dieser scheinbar bodenständige Firmenchef wandelte sich mit Billigung der Familien zum wild zockenden Investor. Im Frühjahr 2005 präsentierte er den Porsche-Erben einen gewagten Plan: Porsche solle mit gewagten Optionsgeschäften den 15-mal größeren VW-Konzern schlucken können.
Geschützt durch die Intransparenz bei Porsche foppten Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter den Kapitalmarkt, häuften Milliardengewinne auf und schraubten den Porsche-Anteil an VW auf über 50 Prozent.
Wirklich verstanden, so sagten später Familienmitglieder, hätten sie die Zockereien allerdings nicht.
Schade für sie: In der Finanzkrise brach das Kartenhaus zusammen. 2009 summierten sich die Schulden auf elf Milliarden Euro. Die Porsche-Eigentümer mussten schmerzlich erkennen, welchem Treiben sie wohlgefällig zugeschaut hatten.













