Preisunterschiede: Frauen bezahlen mehr für Produkte und Dienstleistungen

Preisunterschiede: Frauen bezahlen mehr für Produkte und Dienstleistungen

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Rosa ist teurer als Blau - sowohl bei Produkten als auch Dienstleistungen.

Frauen zahlen jedes Jahr rund 1300 Dollar mehr als Männer für die gleichen Produkte. Selbst bei Kinderspielzeug ist rosa teurer als blau. Vereinzelt wird gegen geschlechtsspezifischen Preisunterschiede vorgegangen.

Friseure tun es. Reinigungen tun es, ebenso Drogerien und Kaufhäuser. Die Frage ist nur: Warum? In Frankreich will der Staat nun klären, wieso Frauen offenbar mehr für einige Waren und Dienstleistungen bezahlen müssen als Männer. Auf Betreiben von Frauenrechtlerinnen hat das Wirtschaftsministerium des Landes eine Studie gestartet. Diese soll klären, ob diese Preisunterschiede tatsächlich existieren, was die möglichen Gründe dafür sind und welche Bereiche besonders betroffen sind.

Frauen zahlen beim Friseur 17 Euro mehr als Männer

Die Nachrichtenagentur AP hat sich in Geschäften in Paris umgesehen. Die nicht-repräsentativen Ergebnisse: Ein Haarschnitt für Frauen kostet 43 Euro, Männer bezahlen 26 Euro. Für einen Deo-Roller müssen Frauen 2,04 Euro zahlen, Männer 1,96 Euro. Rasierschaum in einer rosafarbenen Dose kostet 2,87 Euro, das blaue Pendant für Männer 2,39 Euro.

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„Ehrlich gesagt habe ich das so wie viele andere Frauen auch bemerkt, aber mich nicht weiter darum gekümmert“, räumte die französische Ministerin für Frauenfragen, Pascale Boistard, in einem AP-Interview ein. „Das ist eine Tatsache, die sich im Alltag wiederholt mit Produkten, die weit verbreitet sind. Am Ende des Jahres kommt über die Ungleichheiten eine Summe zusammen, die nicht zu vernachlässigen ist.“

In New York und im US-Staat Kalifornien sind Praktiken bereits verboten, bei denen Produkte und Leistungen je nach Geschlecht unterschiedlich bepreist werden. In Kalifornien droht Firmen bei Verstößen sogar ein Bußgeld bis zu 4000 Dollar. In New York hat es bei Überprüfungen von Kosmetikstudios allerdings auch gegenläufige Befunde gegeben: Dort müssen Männer für Maniküre, Pediküre und Enthaarung mehr bezahlen als Frauen.

Die EU schreibt ihren Mitgliedsstaaten eine Gesetzgebung vor, die sicherstellt, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden. Ins Detail geht sie dabei allerdings kaum.

Rosa Teddys sind teurer als blaue

In Frankreich haben Aktivistinnen solche Preisunterschiede nun satt. Als Namen für ihre Organisation haben sie Georgette Sand gewählt, jene Schriftstellerin, die sich den männlichen Vornamen George gab, um von der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden. In ihrem Fotoblog veröffentlicht die Gruppe Produkte, die je nach Geschlecht der Zielgruppe unterschiedliche Preise haben - angefangen bei Schmerzmitteln, Gesichtslotion bis hin zu Pfefferspray. Sogar die Kleinsten sind schon betroffen: Ein rosa Plüschbär kostet acht Cent mehr als sein blauer Artgenosse.

Die Gruppe wurde inspiriert von einer Studie der Regierung des US-Staats Kalifornien. Diese kam zu dem Ergebnis, dass amerikanische Frauen jährlich im Schnitt 1300 Dollar (rund 1000 Euro) mehr als Männer für die gleichen Produkte bezahlen. Bereits im Jahr 2010 waren Verbraucherstudien zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. „Es ist ein erster Erfolg, wenn sich die Menschen hinterfragen und in den Geschäften die Preise vergleichen“, sagt Gaelle Couraud von Georgette Sand. „Wir fordern ein Ende des Gender-Marketings, damit die Preise nicht vom Geschlecht des Käufers, sondern von der Funktion des Produkts oder der erbrachten Dienstleistung abhängen.“

Was Sie bei der Preisjagd auf Vergleichsportalen beachten sollten

  • Mehrere Suchmaschinen

    Die Stiftung Warentest rät Verbrauchern, immer mehrere Suchmaschinen zu benutzen, um den gesamten Markt abzubilden. Vor der Eingabe persönlicher Daten sollten Kunden sich in den Geschäftsbedingungen vergewissern, dass diese nicht an Dritte weitergegeben werden.

  • Reisen

    Wer günstig fliegen möchte, sollte bei Portalen suchen, die reine Preisvergleiche anbieten. Die Stiftung Warentest empfiehlt die Google-Flugsuche oder Swoodoo im Gegensatz zu den digitalen Reisebüros expedia.de oder opodo.de, die eine Provision für die Vermittlung nehmen. Verbraucher sollten den gefundenen Preis dann mit dem Angebot vergleichen, das der jeweilige Reiseanbieter auf seiner Internet-Seite direkt macht. Zusätzlich sollten Kunden darauf achten, welche Leistungen genau im Preis enthalten sind.

  • Stromanbieter

    Bei der Suche nach dem günstigsten Tarif ist bereits bei den Voreinstellungen der Portale Vorsicht geboten, warnt die Verbraucherzentrale NRW: Die seien oft so gewählt, dass bei den vordersten Suchergebnissen Lockangebote landeten von Anbietern, welche für die Vermittlung eine Provision an das Portal zahlen. Um günstige und faire Angebote zu finden, sollten Verbraucher die Häkchen bei den Einstellungen selbst setzen und etwa „Alle Boni und Rabatte in die Gesamtkosten einrechnen“ anklicken und „Alle Tarife“ anzeigen lassen, um den wahren Endpreis zu sehen. Oft stünden wirklich günstige Tarife erst an vierter bis zehnter Stelle. Bei verivox.de etwa werden bei den Suchergebnissen ganz oben Anzeigen von Unternehmen geschaltet, die oft teurer sind als andere Anbieter. Immerhin bietet Verivox aber bei den Voreinstellungen eine „Stiftung-Warentest-Empfehlung“ an. Bei Vorkasse-Tarifen droht bei einer Anbieterpleite Geldverlust.

  • Finanzen

    Bei der Suche nach Tagesgeldzinsen ist wichtig, sich die Konditionen anzuschauen, rät die Verbraucherzentrale NRW: Wie hoch ist die Einlagensicherung? Wann werden die Zinsen gezahlt? Ist die Service-Hotline auf Deutsch und kostenlos? Dies kann bei den Sucheinstellungen berücksichtigt werden.

Monoprix, eine der französischen Ketten, die ins Visier der Gruppe geraten ist, bestreitet, dass die Preisunterschiede etwas mit dem Geschlecht der Kunden zu tun haben. „Die Unterschiede bei den Preisen zwischen Produkten für Frauen und Männer können mit ihren spezifischen Charakteristika und ihrem Verkaufsvolumen erklärt werden“, teilte die Firma in einer Antwort auf eine Petition mit, die von 40 000 Menschen unterschrieben worden war.

Der Chef der Kosmetikfirma L'Oreal ging noch einen Schritt weiter und stellte den Sachverhalt grundsätzlich infrage. Auf einer Pressekonferenz an dem Tag, als die Regierung ihre Studie ankündigte, sagte er, er denke, dass die Menschen da etwas erfänden. Und Fabien Provost von der Friseurkette Franck Provost verwies darauf, dass es keinen Sinn habe, Männer und Frauen die gleichen Preise zu berechnen, weil sie ganz andere Dienstleistungen erhielten.

Über Antidiskriminierungsgesetz ließen sich Preisunterschiede verbieten

Die französische Anwältin Helene Masse-Dessen, die an einer EU-Studie zur Umsetzung der Gleichbehandlung von Geschlechtern gearbeitet hat, sagt, die Preisunterschiede könnten unter die Antidiskriminierungsgesetze in Frankreich fallen. Sie verweist auf ein Urteil, wonach Versicherungsbeiträge etwa bei Autoversicherungen für Männer und Frauen nicht unterschiedlich sein dürfen. Es gebe rechtliche Mittel, gegen die Preisdifferenzen vorzugehen, sagt sie und fügt an: „Es ist nicht einfach, aber es gibt sie.“

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Frauenministerin Boistard hofft, dass die Regierungsstudie bereits Anfang 2015 erste Ergebnisse liefere. „Die Männer haben Angst, dass wir dann die Preise für sie erhöhen“, sagt sie. „Aber wir hoffen, dass wir mehr Gerechtigkeit und Normalität in die Sache bringen können.“ Frauen seien Verbraucherinnen und Bürgerinnen, und die Wirtschaft habe ein Interesse daran, die Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die sie beträfen. Und die Ministerin hofft: „Es gibt Dinge, die können ohne Gesetz und ohne Zwang beigelegt werden.“

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