Prime Now in München: Amazon schlägt in der City auf

Prime Now in München: Amazon schlägt in der City auf

, aktualisiert 03. August 2016, 15:43 Uhr
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Mehr als 10.000 Artikel werden in der bayerischen Landeshauptstadt binnen einer Stunde ausgeliefert.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Von Bier und Brezen bis zur Kreissäge: Wer bei Amazon einkauft, wird nun auch in München innerhalb einer Stunde beliefert. Dafür treibt der Onlinehändler einen riesigen Aufwand. Ein Ortsbesuch im neuen Logistikzentrum.

MünchenDer Hauptbahnhof liegt schräg gegenüber, zum Stachus und damit mitten ins Herz der Metropole ist es zu Fuß nur eine Viertelstunde: Der Internetkonzern Amazon hat an diesem Mittwoch sein erstes Verteilzentrum in der Münchener Innenstadt eröffnet. Mehr als 10.000 Artikel halten die Amerikaner in einem Bürokomplex bereit, um die Kunden in der bayerischen Landeshauptstadt binnen einer Stunde zu beliefern.

Milch, Ketchup und Äpfel, Joghurt, Eis und Bier: Was der Münchener so zum Leben braucht, findet sich in den langen Regalreihen. Und noch viel mehr: Turnschuhe von Converse liegen neben einer Kreissäge von Bosch, Playmobil-Packungen verstecken sich hinter Schnurlos-Telefonen von Gigaset. „Wahrscheinlich ist die Auswahl noch nicht perfekt“, räumt Kai Rühl ein. „Aber wir haben hier die Artikel herein geräumt, von denen wir glauben, dass sie am beliebtesten sind.“

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Der Manager hat das neue Lager in den vergangenen Monaten aufgebaut. Auf 2200 Quadratmetern hat er zahllose Metallregale aufstellen lassen, aber auch eine Kühl- und Gefrierkammer installiert. „Prime Now“ nennt sich das Angebot, mit dem Amazon zum Aufpreis von 6,99 Euro seine Kunden binnen einer Stunde beliefert.

Allerdings gilt das nur im Innenraum der Millionenstadt. Ohne zusätzliche Gebühren, dafür aber lediglich innerhalb eines Zeitraums von zwei Stunden, kommt die Ware auch in die Randbezirke und ins Umland. Wann die Einkäufe vor der Tür stehen sollen, das dürfen die Konsumenten selbst bestimmen.

In Berlin genießen die Kunden den Service schon seit Mai, auch in anderen ausgewählten Großstädten wie Paris, Mailand und London bietet Amazon die ultraschnelle Belieferung an. Zum Vergleich: Normalerweise müssen die Käufer zwei, drei Tage warten, ehe sie ihre Bestellungen erhalten.

Lediglich in 14 deutschen Großstädten ist bei Amazon die Lieferung am selben Tag möglich, wenn die Kunden am Morgen online ordern. Der Aufwand für die neue Dienstleistung ist beträchtlich. 60 Arbeitsplätze hat der Konzern aus Seattle in München in dem Verteilzentrum geschaffen. Dazu kommen noch Dutzende Fahrer, die bei zwei lokalen Logistikfirmen angestellt sind.

Die meisten Jobs entstanden für die sogenannten Picker. Das sind Arbeiter, die mit Scannern in der Hand die Artikel aus den Regalen holen. Die Ware legen sie in Papiertüten. Verderbliche Güter kommen in Kühltüten. Die nimmt der Ausfahrer beim Kunden wieder mit. In der City schwingen sich die Boten auf Lastenräder mit Elektroantrieb. Wenn’s weiter raus geht, kommen herkömmliche Lieferwagen zum Einsatz.


Brot und Brezen vom lokalen Bäcker

Noch sind viele Regale in dem Lager leer. Manager Rühl will erst einmal abwarten, welche Artikel bei den Bayern besonders gut ankommen. Dann wird Zug um Zug aufgefüllt. Eins ist schon in den ersten Stunden nach der Eröffnung offensichtlich: Die Münchener haben den Service sofort angenommen. Dutzende Tüten stehen zur Auslieferung bereit. Auffallend viele Bierkästen warten darauf, am Abend zu den Kunden gebracht zu werden. Kein Wunder, warum sollte jemand auch die schweren Flaschen schleppen, wenn das doch der Kurier von Amazon macht.

Die Preise sind durchaus vergleichbar mit denen im stationären Handel. So kostet der Kasten Augustiner Helles 16,49 Euro. Wer mag, kann sich aber auch den bereits gekühlten Champagner zustellen lassen. Und: Die Menschen in München ordern fleißig Obst und Gemüse. Brot und Brezen stammen vom lokalen Bäcker Rischart.

Einzige Bedingung, um Prime Now nutzen zu können: Die Konsumenten müssen Mitglied beim Kundenbindungsprogramm Amazon Prime sein. Das kostet 49 Euro im Jahr. Zudem braucht es eine spezielle App fürs Smartphone oder Tablet. Und: Die Leute müssen für mindestens 20 Euro einkaufen.

Wie sich das Vorhaben entwickelt, darauf sind sie auch bei Amazon gespannt. „Customer Obsession“ steht in großen Lettern an der Wand des Lagers. Soll heißen: Was der Kunden will, das wird gemacht. Wenn die Verbraucher in München das Angebot nutzen, dann wird es die Ein-Stunden-Lieferung bestimmt bald in weiteren Metropolen geben. Wenn nicht, dann denken sie sich was Neues aus. Denn an der Wand steht auch: „Invent & Simplify“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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