Privat- oder Geschäftsausgaben?: Middelhoff kämpft um seinen Ruf

ThemaEinzelhandel

Privat- oder Geschäftsausgaben?: Middelhoff kämpft um seinen Ruf

Bild vergrößern

Ex-Arcandor Thomas Middelhoff: „Ich bin sicher vor mir selber, dass ich mich korrekt verhalten habe.“ Er habe sich nach "kritischer Prüfung" selbst gesagt: "Du hast Dir nichts vorzuwerfen".

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff soll den Pleitekonzern mit Rechnungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro belastet haben. Er nennt die Ermittlungen unverhältnismäßig und betont: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat seinen Untreue-Prozess um Flüge auf Firmenkosten zur Abrechnung mit Staatsanwälten und Kritikern genutzt. "Ich will entschieden um meinen Ruf und gegen Vorverurteilungen kämpfen", rief Middelhoff am Dienstag vor dem Landgericht Essen. Über Jahre andauernde Ermittlungen und Haussuchungen durch die Staatsanwaltschaft seien "unverhältnismäßig", seinem Ruf sei "national und international großer Schaden zugefügt" worden.

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem Manager vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern zu Unrecht mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privaten Zwecken dienten. Unter anderem sei er immer wieder mit dem Hubschrauber von seinem Wohnort Bielefeld zur Arcandor-Zentrale in Essen geschwebt.

Anzeige

Die Prozesse rund um Thomas Middelhoff

  • Flüge auf Firmenkosten

    In dem am 6. Mai 2014 begonnenen Strafprozess geht es um Untreue in 49 Fällen. Middelhoff soll auf Firmenkosten Flugzeuge für private Zwecke gechartert haben. Middelhoff bestreitet das. Es habe stets einen dienstlichen Anlass gegeben.

  • Klage gegen Sal. Oppenheim

    Das Ehepaar Middelhoff hat das Bankhaus Sal. Oppenheim auf einen dreistelligen Millionen betrag verklagt. Sie fordern die Rückabwicklung ihrer Beteiligungen au Investmentfonds und die Freigabe von rund 23 Millionen Euro Festgeld, die das Geldinstitut eingefroren hat.

  • Schadenersatzklagen

    Der Insolvenzverwalter des Arcandor-Konzerns klagt vor dem Oberlandesgericht Hamm gegen Middelhoff und andere ehemalige Arcandor-Vorstände auf Schadenersatz. Das Landgericht Essen hatte 2012 bescheinigt, dass die Manager beim Verkauf eines Warenhauses ihre Pflichten verletzt hatten. Middelhoff fordert im Gegenzug vom Insolvenzverwalter 120 Millionen Euro wegen geschäftsschädigender Handlungen.

  • Verdacht auf Insolvenzverschleppung und weitere Strafverfahren

    Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt neben dem Verdacht auf Insolvenzverschleppung gegen Middelhoff auch wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften des Arcandor-Konzerns. Außerdem sollen die damaligen Spitzenmanager zu unrecht Millionenboni bekommen haben. Ermittler aus Köln werfen Middelhoff zudem Beihilfe zur Untreue beim Zusammenbruch des Bankhauses Sal. Oppenheim vor. Middelhoff weist alle Vorwürfe zurück.

"Diese Anklage über 48 Flüge ist das Ergebnis einer uferlosen Tätigkeit der Staatsanwaltschaft", beklagte Middelhoff. Gegen den 60jährigen ehemaligen Spitzenmanager laufen in der Folge der spektakulären Arcandor-Pleite 2009 eine Reihe von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Bochum untersucht etwa seit Jahren, ob Middelhoff die Arcandor-Insolvenz verschleppt hat - ein Ende sei nicht abzusehen, sagte eine Sprecherin. Middelhoff weist auch diese Vorwürfe zurück, er sieht vielmehr in der Berichterstattung der Medien aus den Ermittlungen "gezielte Indiskretionen", die ein klares Ziel hätten: "Stimmung machen gegen mich." Dabei sei er gläubiger Katholik, trete für den entsprechenden Werte ein und sei ein Verfechter der Verantwortungsethik.

"Habe mich korrekt verhalten"

Middelhoff selbst betonte unmittelbar vor Prozessbeginn, er fühle sich unschuldig: „Ich bin sicher vor mir selber, dass ich mich korrekt verhalten habe.“ Er habe sich nach "kritischer Prüfung" selbst gesagt: "Du hast Dir nichts vorzuwerfen". Er kündigte eine zweistündige Stellungnahme an. Sein Rechtsanwalt Sven Thomas sagte, die Verteidigung werde die Vorwürfe eindeutig widerlegen.

Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoffs dubiose Geschäfte

Millionenboni, Luxusflüge, verfilzte Strukturen - die Gerichtsschlacht zwischen Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg und Thomas Middelhoff beginnt. Muss der frühere Konzernchef 175 Millionen Euro zahlen?

Thomas Middelhoff im Gericht Quelle: dapd

Kerzengerade stehend, schilderte der stets braun gebrannte ehemalige Spitzenmanager dem Gericht seine Karriere und stellte heraus, welche Verdienste er sich bei Bertelsmann erworben habe - unter anderem habe er dem Unternehmen einen Milliarden-Gewinn ermöglicht. Durch eine Prämie von rund 80 Millionen Mark sei er dann auch wirtschaftlich unabhängig gewesen. Der ehemalige Bertelsmann-Chef war dann 2004 Aufsichtsratschef des damaligen KarstadtQuelle-Konzerns geworden, der später unter dem Namen Arcandor firmierte. Von Mai 2005 bis Februar 2009 war er Konzernchef. Arcandor schlitterte Mitte 2009 unter Middelhoffs Nachfolger Karl-Gerhard Eick in die Pleite.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%