Prunk in der Provinz: In der Karstadt-Krise entsteht ein Luxus-Warenhaus

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Prunk in der Provinz: In der Karstadt-Krise entsteht ein Luxus-Warenhaus

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Das Kaufhaus im ostsächsischen Görlitz steht noch leer, doch zum Weihnachtsgeschäft 2015 sollen hier wieder Kunden ein und aus gehen

von Henryk Hielscher

Während die Zukunft für Karstadt immer düsterer wird und der Konzern hunderte Stellen streichen muss, erstrahlt ein Warenhaus in der ostdeutschen Provinz in neuem Glanz. Prunk und Luxus sollen die Kunden locken.

Der Blick geht weit über die Dächer von Görlitz. „Von hier aus können Sie das Riesengebirge sehen“, sagt Jürgen Friedel und deutet ins Ungefähre. Friedel – weißes Haar, Businesshemd – lehnt am Geländer eines schmalen Balkons ganz oben im alten Kaufhaus der Stadt und schwärmt von einer Restaurant-Terrasse, die er hier anbauen will. Nur das Hämmern im Hintergrund stört den Traum vom Sonnendeck.

Die Terrassenpläne seien die Kür, zunächst komme die Pflicht, sagt Friedel. Nach Jahren des Leerstands will er das alte Warenhaus in der sächsischen Stadt wieder eröffnen. Ein Warenhaus? In Görlitz? Wann immer Friedel, der zuvor Flughäfen plante, sein Projekt präsentiert, darf er sich ungläubiger Blicke gewiss sein.

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Tatsächlich wirkt die Idee angesichts des Dramas bei Karstadt fast surreal. Seit Monaten beherrscht die Dauerkrise der früheren Handelsikone die Schlagzeilen. Am Donnerstag traf sich der Karstadt-Aufsichtsrat zur ersten Sitzung nach der Übernahme durch den österreichischen Investor René Benko. Statt Aufbruchsstimmung stand der Dreiklang des Niedergangs auf der Agenda des Gremiums: Personalabbau, Sparmaßnahmen, Filialschließungen. Laut neusten Berichten soll eine Sanierung mehr als 200 Millionen Euro kosten. Offenbar werden mindestens 2000 Stellen gestrichen.

So geht es seit Jahren. Überall im Konzern wird gekürzt, gerechnet und jener goldenen Warenhaus-Ära nachgetrauert, der auch das Haus in Görlitz entstammt.

Wiedereröffnung bis Weihnachten 2015

Mit seinen Granitarkaden, der Glaskuppel, die sich über den Lichthof im Inneren spannt, und den großzügigen Fensterfronten galt der 1913 errichtete Bau lange Zeit als eines der schönsten Warenhäuser des Landes. Doch zuletzt nutzten nur noch Filmemacher das Jugendstilambiente als Kulisse. So drehte US-Regisseur Wes Anderson hier „Grand Budapest Hotel“, Werbeclips und Dokumentationen entstanden in den Räumen, nur verkauft wird hier schon seit fünf Jahren nichts mehr.

2005 war das Haus als Teil von Karstadt Kompakt an einen britischen Investor verkauft worden. Der führte die Warenhäuser unter der Marke Hertie weiter. Seit deren Pleite steht das Görlitzer Kaufhaus leer. Zum Weihnachtsgeschäft 2015 soll es wieder öffnen. Der Zeitplan ist sportlich.

Kaufhaus oder Online-Shop - Was ist besser?

  • Fragestellung

    Wenn Sie an Kaufhausmarken wie Karstadt oder Galeria Kaufhof und deren Online-Shops karstadt.de bzw. galeria-kaufhof.de denken, welcher der folgenden Aussagen stimmen Sie zu?

    Quelle: trbo GmbH // Online-Umfrage unter 1000 Deutschen

  • Im Kaufhaus kann ich besser stöbern als im Online-Shop.

    ja55,56%
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  • Mir fehlt im Online-Shop die Inspiration.

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  • Der Shop zeigt mir individuelle Angebote, die mich zum Kauf animieren.

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  • Im Online-Shop finde ich meistens nicht, was ich suche.

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  • Ich lasse mich gern beraten, deshalb bevorzuge ich das Kaufhaus.

    ja42,68%
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  • Einkaufen im Kaufhaus macht einfach mehr Spaß.

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    nein15,06%

  • Ich glaube, solche typischen Kaufhäuser können einfach keinen guten Online-Shop machen.

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    nein36,36%

  • Ich frage gern nach einem Rabatt, das geht im Online Shop nicht.

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  • Wenn die möchten, dass ich auch im Online-Shop einkaufe, sollten Sie mir beim Kaufhausbesuch einen Gutschein dafür geben.

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    nein24,18%

  • Ich fände es gut, wenn ich online bestellen und die Sachen im Kaufhaus abholen und anprobieren könnte.

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    nein28,77%

  • Ich gehe gern zu zweit (zum Beispiel mit einer Freundin) shoppen, das geht im Online-Shop nicht.

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    nein32,09%

Rohre und Kabel ragen aus den Wänden in der dritten Etage, auf dem Boden liegt ein Stück Putz. „Wir haben schon mehr als 2000 Tonnen Schutt aus dem Gebäude geholt“, sagt Projektleiter Friedel und zeigt in den Raum: Vorn am Balkon soll eine Prosecco-Bar entstehen, weiter hinten die Sport- und Elektronikabteilung und gleich daneben das Männerland. Friedel lacht. Im Männerland könnten Kundinnen ihre einkaufsmüden Partner bei Fußball-TV und ähnlichen Vergnügungen parken, derweil sich die Damen durchs Sortiment shoppen.

Mit solchen Details will Friedel später Kunden locken, zunächst aber Mieter gewinnen. Das Warenhaus soll als eine Art Shop-in-Shop-Konzept funktionieren. Anders als in einem Center würden die Übergänge zwischen den einzelnen Geschäften aber fließender gestaltet. Es gehe nicht darum, einfach ein altes Haus zu sanieren und ein paar Shops reinzupacken, sagt Friedel: „Das Kaufhaus soll aus einem Guss sein, Herr Stöcker will es schön haben.“

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