Quartalszahlen: Ryanair verdient viel Geld mit teureren Tickets

Quartalszahlen: Ryanair verdient viel Geld mit teureren Tickets

, aktualisiert 07. November 2011, 11:58 Uhr
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Fluggäste von Ryanair: Gewinnziel erhöht.

Quelle:Handelsblatt Online

Die irische Fluggesellschaft trotzt dem Branchentrend und schraubt ihr Gewinnziel hoch. Allerdings belastet der hohe Ölpreis das Geschäft. Steckt die Branche doch nicht so tief in der Krise, wie Experten behaupten?

DublinDer irische Billigflieger Ryanair erhöht nach kräftigen Steigerungen in den ersten sechs Monaten die Gewinnprognose fürs laufende Geschäftsjahr. Unternehmenschef Michael O'Leary erwartet trotz der unsicheren Wirtschaftsentwicklung nun für das gesamte Geschäftsjahr 2011/2012 (31. März) einen höheren Überschuss von 440 Millionen statt 400 Millionen Euro.

Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September verdiente Ryanair trotz hoher Kerosinpreise deutlich mehr als ein Jahr zuvor, wie der Herausforderer von Lufthansa und Air Berlin am Montag mitteilte. Der Gewinn stieg um 28 Prozent auf 544 Millionen Euro.

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Zugleich wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Einschließlich der bei Ryanair üblichen Gepäckzuschläge wuchs der durchschnittliche Erlös je Flugschein um 13 Prozent. Das starke Gewinnplus gelang zum einen, weil Ryanair in den Vorjahresmonaten April und Mai wie andere Fluggesellschaften unter dem Flugverbot nach dem Vulkanausbruch auf Island gelitten hatte. Aber auch die gestiegenen Ticketpreise trugen dazu bei.

Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen: Ryanair-Aktien legten bis zum späten Vormittag um fast vier Prozent zu auf 3,48 Euro. Ryanair hat sein Gewinnziel 2011/2012 zwar schon im ersten Halbjahr übererfüllt, bei dem Billigflieger sind allerdings im reiseschwachen Winterhalbjahr Verluste zu erwarten.

Der Luftfahrtverband IATA fürchtet, dass sich die Geschäfte der Fluggesellschaften zum Ende des Jahres eintrüben. Der Verband hatte auf das vielerorts rückläufige Verbrauchervertrauen, die hohen Kerosinkosten sowie den weltweit rückläufigen Handel verwiesen. Lufthansa legte vergangene Woche Zahlen vor, die deutlich vom hohen Ölpreis gekennzeichnet waren. International Airline Group , der aus British Airways und Iberia fusionierte Konzern, verbuchte ein Drittel weniger Gewinn im Quartal.

Die Weltluftfahrt-Organisation IATA geht davon aus, dass alle Airlines in diesem Jahr zusammen nur noch vier Milliarden Dollar an Gewinn einfliegen werden. Die Deutsche Bank verdient vor Steuern in einem Halbjahr mehr Geld. Dabei wächst die Zahl der Passagiere jährlich um etwa fünf Prozent.


Die Renditeschwäche der Branche ist chronisch

Trotz der guten Quartalszahlen von Ryanair: Die Renditeschwäche der Branche ist chronisch. Sie hat sich im Wettstreit um Marktanteile in einen ruinösen Preiskampf begeben, ausgelöst vor allem durch die Billigflieger. Gleichzeitig verhindern hohe Personalkosten, steigende Gebühren und explodierende Ölpreise, dass die Kosten im Gleichschritt mit den Preisen sinken können.

Also müssen die Preise wieder hoch - auch bei den Billigfluggesellschaften. Durch die Hintertür geschieht das bereits. Immer häufiger werden Zusatzgebühren für jede erdenkliche Zusatzleistung jenseits der reinen Beförderung von Punkt A nach Punkt B fällig.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Den Klassiker Gepäckgebühren hat mittlerweile fast jede Airline im Programm. Eine weitere Einnahmequelle ist die Sitzplatzwahl. Die US-Airline JetBlue, an der Lufthansa beteiligt ist, hat nach Berechnungen der Beratungsfirma IdeaWorks im vergangenen Jahr allein über den Verkauf von mehr Beinfreiheit, etwa mit Sitzen auf Höhe der Notausgänge, 60 Millionen Euro zusätzlich eingenommen.

Der Verkauf von Sitzen weiter vorn in der Kabine, wo die Luft besser ist und der Passagier das Flugzeug nach der Landung schneller verlassen kann, hat auch den Umsatz von US Airways beflügelt. Auf 21 bis 28 Millionen Euro beziffern die Experten von IdeaWorks hier die Zusatzeinnahmen. Auch für Essen an Bord wird immer häufiger Geld verlangt.

Erfunden haben das die Billig-Airlines in den 90er-Jahren. Für sie sind die Zusatzeinnahmen längst zu einer tragenden Umsatzsäule geworden. Mittlerweile entdecken auch immer mehr Premium-Anbieter in ihrer Gewinn-Not den Charme des Modells. Experten wie Jay Sorensen von IdeaWorks rechnen damit, dass das Geschäft mit den Zusatzgebühren in den kommenden Monaten erst so richtig losgehen werde, nett verpackt unter dem harmlosen Begriff "Fliegen à la carte".

Was den Verkauf der Ryanair-Beteiligung am irischen Rivalen Aer Lingus in Höhe von 29 Prozent angeht, dürfte nach den Worten von Finanzchef Howard Milla vorerst nichts geschehen. Bislang habe Ryanair mit niemandem über einen möglichen Verkauf gesprochen.

Das Unternehmen wolle nun erst einmal abwarten, an wen die Regierung ihre 25-prozentige Beteiligung abstößt. „Bislang hat sich niemand interessiert, den Anteil der Regierung zu übernehmen“, sagte Millar. Ryanair hat mehrfach vergeblich versucht, Aer Lingus zu übernehmen. Aer Lingus hatte befürchtet, bei einem Verkauf der Regierungsbeteiligung an Ryanair doch noch im Netz des Rivalen zu landen.

 

Quelle:  Handelsblatt Online
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