Real-Mutter Metro: Der Händler hat sich verkalkuliert

Real-Mutter Metro: Der Händler hat sich verkalkuliert

, aktualisiert 02. August 2016, 08:38 Uhr
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Ein Mann schiebt seinen Einkaufswagen vor einem Real-Markt. Der Konzern wird hinter den Kulissen kräftig umgebaut.

Quelle:Handelsblatt Online

Metro steckt mitten im wohl größten Umbau der Unternehmensgeschichte. Derzeit räumt Konzernchef Olaf Koch kräftig bei Metro und Real auf. Das verschlingt ungeahnt viel Geld – wie nun die roten Zahlen offenbaren.

DüsseldorfDer Handelskonzern Metro hat in seinem dritten Geschäftsquartal rote Zahlen geschrieben. Nach einem Gewinn von 115 Millionen Euro im Vorjahr stand nun von April bis Juni ein Verlust von 24 Millionen Euro in den Büchern, wie Metro am Dienstag mitteilte. Grund waren Kosten für einen Konzernumbau.

Auch operativ verdiente der Konzern weniger. Wechselkurseffekte, niedrigere Erlöse aus Immobilienverkäufen und höhere Kosten bei der Elektroniktochter Media-Saturn ließen das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 209 auf 154 Millionen Euro zurückgehen. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte Metro.

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Noch im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, das am 30. September endet, hatte Metro positiv überrascht. So stieg der Umsatz flächenbereinigt um 0,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Beim operativen Gewinn (Ebit) war dem Konzern eine Wende gelungen: War im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 24 Millionen Euro angefallen, schaffte Metro im zweiten Quartal 2016 einen Gewinn von 11 Millionen Euro.

Metro befindet sich zurzeit im wohl größten Umbau der Unternehmensgeschichte. Der Händler will ausgerechnet sein Kerngeschäft, den Großhandel, in eine neue börsennotierte Gesellschaft ausgliedern. Zurück bleibt der Elektronikhandel mit den Ketten Media Markt und Saturn. Und es wird noch komplizierter: Beide AGs sollen komplett neue Namen bekommen.

Ein knappes Jahr vor der Aufspaltung des Konzerns hat bei Metro das große Aufräumen begonnen. Das Hauptaugenmerk legt Konzernchef Koch dabei auf Metro und Real, die als gemeinsames Unternehmen abgetrennt und separat an die Börse gebracht werden sollen. Der Börsenkandidat wird schön gemacht – um direkt zum Start der neuen Aktie eine möglichst positive Bewertung zu erzielen.

Die größten Turbulenzen erlebt dabei wohl die Supermarktkette Real. Die beiden neuen Chefs Henning Giesecke und Patrick Müller-Sarmiento, die im April die Real-Führung von Didier Fleury übernommen haben, streben ein komplett neues Konzept an. Wie sie in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ bestätigten, soll das gastronomische Angebot in den Märkten drastisch ausgebaut werden. So sollen künftig Pizza- und Pastastände, Sushi- und Burgerstationen, eine Weinlounge, eine Kaffeerösterei oder eine gläserne Bäckerei die Kunden locken.


Im Elektrohandel lauern Probleme

Bis zu der Hälfte der heute 283 Filialen könnte auf das neue Konzept umgestellt werden. Eine Milliarde Euro will Metro in die Real-Filialen investieren. Im Gegenzug hatten die Arbeitnehmervertreter deutliche Zugeständnisse bei den Tarifverhandlungen gemacht.

Auch im bald getrennten Bereich Elektronikhandel lauern Probleme. So kämpft Media Saturn mit einem renitenten Minderheitsgesellschafter. Erich Kellerhals hat zwar nur knapp 22 Prozent der Anteile, verfügt aber über weitgehende Vetorechte. Das birgt auch in der Zukunft Störpotenzial.

Der Vorteil der veränderten Struktur: Zukunftsträchtige neue Bereiche können künftig unter dem Dach der AG neben Media-Saturn aufgebaut werden – ohne dass Kellerhals darauf Zugriff hätte. Eine spannende Frage ist, ob die Kreditwürdigkeit der Konsumelektronik-Sparte das Prädikat „Investment Grade“ erhalten wird. Analysten sind skeptisch angesichts der wenigen handfesten Werte, über die das Unternehmen verfügt. Fast alle Immobilien sind nur gemietet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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