Reebok-Chef: "Nie mehr Wühltisch"

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InterviewReebok-Chef: "Nie mehr Wühltisch"

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O'Toole, 50, hat grade den Deutschen Uli Becker als Markenchef an der Reebok-Spitze abgelöst. der fünffache Vater stammt aus Chicago und war zuvor etwa Chef des Eishockeyausrüsters Reebok-CCM Hockey. Adidas hatte Reebok 2006 für 3,1 Milliarden Euro übernommen und ringt seitdem mit der Neuausrichtung der schwächelnden Märkte.

von Peter Steinkirchner

Der Reebok-Chef Marc O'Toole richtet das Sportunternehmen komplett auf Fitness aus und will mit neuen Ideen widerlegen, dass die Adidas-Tochter ein milliardenteurer Fehlkauf ist.

Mr. O’Toole, Sie sind der Chef einer der größten Sportmarken weltweit – wie oft trainieren Sie eigentlich selbst?

O’Toole: Früher habe ich sehr viel Eishockey und Basketball gespielt, heute bin ich 50 und gehe mindestens drei Mal die Woche zum Fitnesstraining in die CrossFit-Box auf unserem Firmengelände in Canton bei Boston. Und wenn ich auf Reisen bin, habe ich stets Sportzeug dabei. Laufen kann man schließlich überall.

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Die Fitness werden Sie brauchen – gerade hat Ihr Boss, Adidas-Chef Herbert Hainer, die Umsatzziele für die Marke für das Jahr 2015 von drei auf zwei Milliarden Euro gekappt. Was läuft schief?

Auf den ersten Blick sieht das natürlich nicht gut aus. Es war aber dringend nötig, die Umsatzerwartung anzupassen. Im Wesentlichen sind es drei Dinge, die uns wehgetan haben. Erstens haben wir beschlossen, nach zehn Jahren unseren Vertrag mit der US-Profi-Football-Liga NFL nicht zu verlängern. Das kostet uns im Jahr einen dreistelligen Millionenumsatz...

...den nun Ihr Wettbewerber Nike macht.

Wir haben den Vertrag bewusst nicht verlängert, weil er nicht zu unserer Strategie für Reebok passt. Man muss die Adidas-Gruppe als Ganzes sehen. Die Marke Adidas konzentriert sich auf Sportler, die Training als Vorbereitung für Wettkämpfe betrachten, auf Athleten, die hart daran arbeiten, ihre Bestzeit über 800 Meter um einige Sekunden zu verbessern. Wir gehen in eine andere Richtung und definieren uns als Fitness-Company. Reebok-Kunden wollen fit und gesund sein, um den Alltag zu packen, um bessere Leistungen im Beruf zu erzielen und körperlich und geistig fit zu bleiben. Wir nennen das „fit for life“.

Klingt gut, klappt aber nicht, wie Ihre Toning-Schuhe zeigen, die angeblich schon beim Gehen die Muskulatur trainieren.

Das ist der zweite Grund für unsere reduzierte Umsatzprognose. 2010 haben wir zehn Millionen Paar Toning-Schuhe verkauft und hatten große Hoffnungen. 2011 sah es erst auch noch gut aus, aber dann haben wir bei den Toning-Schuhen einen herben Einbruch erlitten...

...durch Ihren Wettbewerber Skechers.

Der hat den Markt mit Ware geflutet und so die Preise kaputt gemacht. Daraufhin mussten wir unser Angebot reduzieren, was Umsatz gekostet hat. Wir glauben aber weiter an Toning-Schuhe. Und wenn der Handel seine Lagerbestände abgebaut hat, wird es wieder Wachstum geben, allerdings auf einem kleineren Niveau als noch vor einigen Jahren.

Dritter Tiefschlag waren die Vorwürfe gegen die Reebok-Führung in Indien, die Scheingeschäfte getätigt und in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll?

In Indien laufen derzeit noch die Ermittlungen gegen die beiden früheren Geschäftsführer, dazu darf ich im Einzelnen nichts sagen. Fest steht, dass wir wegen der offenbar kriminellen Machenschaften im laufenden Geschäftsjahr einen negativen Effekt von 70 Millionen Euro auf das Betriebsergebnis des Konzerns haben. Für 2013 planen wir einen Neustart in diesem für Reebok wichtigen Markt.

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