Rewe Group: Was bringt das Plastiktütenaus?

Rewe Group: Was bringt das Plastiktütenaus?

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Eine Plastiktüte liegt an der Kasse eines Rewe-Marktes.

Nach Testläufen in ausgewählten Filialen macht Rewe ernst: Die Plastiktüten werden aus den Märkten verbannt. Doch das allein hilft kaum.

Plastiktüten gelten häufig als das Symbol der Wegwerfmentalität. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe nimmt diese Plastiktüten innerhalb der nächsten Monate aus dem Programm. Jährlich sollen dadurch allein in Deutschland bis zu 140 Millionen Plastiktüten weniger im Müll landen.

Testläufe in ausgewählten Filialen seien in den letzten Monaten erfolgreich verlaufen, berichtet Rewe-Vorstand Lionel Souque, der zugleich Geschäftsführer der Rewe-Supermärkte ist. „Die Leute haben ihr Verhalten sehr schnell geändert.“ Deshalb wird die Umstellung nun in allen der mehr als 3000 Rewe-Märkte angewendet. Kunden sollen fortan also ihre Einkäufe in Kartons, Papiertüten, Stofftaschen oder stabilen Mehrweg-Taschen aus Recyclingmaterial verstauen.

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Die noch vorhandenen Restbestände der Plastiktüten würden in den Märkten noch bis Juli verkauft, teilte das Kölner Unternehmen mit. Langfristig sollen auch die besonders dünnen Tüten für Obst und Gemüse aus der Auslage verschwinden. Es sei der „nächste konsequente Schritt in Sachen Nachhaltigkeit.“ Und auch im wachsenden Versandgeschäft sollen zukünftig keine Lieferungen mehr in Plastiktüten verschickt werden.

Der Kampf gegen die Plastiktüten

  • Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

    Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Hunderte Jahre kann es dauern, bis die praktischen Tragetüten sich in der Natur zersetzen. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen.

  • Wie viele Tüten werden pro Jahr genutzt?

    Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jedes Jahr etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den grünen Punkt bereits weit verbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf, die EU-Kommission spricht mit Blick auf das Jahr 2010 von 64 Einwegtüten.

  • Mögliche Maßnahmen

    Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten. Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl - Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

  • Was halten Umweltschützer davon?

    „Das bedeutet für die Verbraucher und Verbraucherinnen und insbesondere den Einzelhandel eine Neuausrichtung zu bewussterem und ökologischerem Konsum“, meint Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Die Umweltschutzorganisation European Environmental Bureau (EEB) ist zwar grundsätzlich ebenfalls erfreut. Allerdings hätte sich die Organisation auch ein Verbot spezieller neuartiger Tüten gewünscht. Diese geben aus Sicht von Kritikern vor, biologisch abbaubar zu sein, obwohl sie es nicht sind. Dies soll nun aber die EU-Kommission erst einmal untersuchen.

  • Was sagt die Plastikindustrie?

    Der Branchenverband Plastics Europe argumentiert, man unterstütze zwar eine Gebühr für alle Taschen, egal aus welchem Material. Doch die Möglichkeit nationaler Verbote könne zu Handelshemmnissen in Europa führen. Das bemängelt übrigens auch die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner.

Mit der Verbannung der Plastiktüten geht Rewe sogar noch einen Schritt weiter als die inzwischen rund 300 Einzelhandelsunternehmen, die sich seit Ende April freiwillig verpflichtet haben, Geld für die umweltschädlichen Plastiktüten zu nehmen. Bis zum Inkrafttreten dieser Selbstverpflichtung war lange verhandelt worden.

Umweltverbände kritisieren nämlich, die meisten der nun betroffenen Tüten seien bereits vorher kostenpflichtig gewesen. Beim Handelsverband Deutschland (HDE) sind aktuell 300 Unternehmen gelistet, die die Vereinbarung mit dem Umweltministerium unterzeichnet haben. Die Selbstverpflichtung soll der Bundesrepublik helfen, eine EU-Richtlinie umzusetzen, die den jährlichen Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 auf höchstens 40 Tüten pro Einwohner senken soll.

Aktuell benutzt jeder Einwohner Deutschlands im Jahr im Schnitt etwa 71 Tüten - umgerechnet auf sämtliche Bundesbürger sind das mehr als 5,6 Milliarden Stück pro Jahr. Inzwischen sei etwa die Hälfte aller Tüten in Deutschland von der Vereinbarung erfasst. Zwar gibt es noch reichlich Raum zur Verbesserung, im europäischen Vergleich steht Deutschland damit aber gut da.

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