Rewe, Netto: Lebensmittel zwischen Gut und Böse

Rewe, Netto: Lebensmittel zwischen Gut und Böse

, aktualisiert 17. März 2017, 13:15 Uhr
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Für viele Konsumenten müssen Lebensmittel ethisch und moralisch korrekt sein.

Quelle:Handelsblatt Online

Jeder dritte Deutsche misstraut der Lebensmittelindustrie, zeigt eine exklusive Studie. Was Konsumenten vermeiden, was ihnen wichtig ist, und warum Essen nicht nur gesund, sondern auch moralisch korrekt sein sollte.

DüsseldorfDirekt neben den Lebensmittelregalen sind kleine Marktstände mit Obst und Gemüse aufgebaut. Wenige Schritte weiter portioniert der Bäcker den selbst angesetzten Sauerteig und schiebt ihn in den Ofen. Auf die frischgebackenen Croissants streut er Puderzucker, ehe er sie in der Ladentheke anrichtet. Am Nachbarstand röstet ein Mitarbeiter Kaffeebohnen und verpackt sie in Tüten abfüllt.

In der Markthalle Krefeld präsentiert Real sich und seine Produkte auf eine neue Art und Weise. Auf über 11.500 Quadratmetern setzt das Unternehmen dort seit vergangenem November auf regionale Produkte, persönliche Beratung und viele kleine Verkaufsflächen im Geschäft.

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„Das Essen hat wieder einen neuen Stellenwert“, sagt Anne-Kathrin Haubert, Beraterin beim Marktforschungsunternehmen Nielsen. Die neue Food-Studie 2017, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt: Die Deutschen ernähren sich zunehmend bewusster. Nur zehn Prozent der Konsumenten essen ohne Bedenken alles und achten bei ihrer Ernährung auf gar nichts. Die Mehrheit hingegen greift gezielt nach Produkten oder lässt sie weg. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Bewusste Esser“.

Diese Ernährungstrends variieren stark: 51 Prozent der Konsumenten achten darauf, Produkte aus der eigenen Region zu kaufen. 31 Prozent reduzieren ihren Fleischkonsum. Möglichst ohne Zucker möchten 23 Prozent der Konsumenten auskommen und 22 Prozent ernähren sich fettarm, ergab die Studie.

Grund ist für viele Konsumenten die eigene Gesundheit. „Das Bewusstsein für den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit wächst“, sagt Haubert. Lebensmittel aus der Region und ohne Zusatzstoffe werden eher als gesund erachtet. Gesundheit, so fand die Studie auch heraus, bedeutet für die Konsumenten nicht nur, körperlich gut zu funktionieren. „Es geht ihnen vielmehr darum, sich wohlzufühlen und körperlich sowie seelisch auch durch ihre Ernährung mit sich im Einklang zu sein“, erklärt Haubert.

Deswegen sei auch wichtig, dass sie Lebensmittel als ethisch und moralisch korrekt ansehen. Jeder dritte Konsument hält die industrielle Lebensmittelproduktion für sehr ungesund. Skandale und fehlender Einblick in die Produktionsprozesse der industriell verarbeiteten Lebensmittel führen zu Skepsis.

Darauf reagiert nicht nur Real. So will jetzt auch der Marken-Discounter Netto vermehrt Produkte ohne Gentechnik anbieten. Nach Geflügel gibt es demnächst auch gentechnikfreies Rinderhackfleisch in 256 Netto-Filialen, gab der Discounter bekannt. Zuerst in Hessen, Bayern, Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz. Später soll das Angebot schrittweise ausgebaut werden.


Wertewandel hin zum bewussten Essen

Netto grenzt sich damit wie zahlreiche andere Händler gezielt von Gentechnik ab und bietet Produkte für „Bewusste Esser“ an. „Wenn sich Händler bei industriellen Produktionsmethoden von Lebensmitteln abgrenzen, entspricht das dem Zeitgeist und trifft genau den Nerv der Kunden“, sagt Haubert. Authentizität sei den Verbrauchern ihrer Erfahrung nach sehr wichtig.

Zwar sind nur fünf Prozent der Konsumenten in ihrer Ernährungsweise durchweg konsequent. Denn wer Zeit mit Freunden und Familie verbringt, weicht schon mal von seinen Ernährungsregeln ab. Trotzdem ist die Entwicklung zum bewussten Essen laut Haubert mehr als nur ein Trend. Es sei ein „Wertewandel“, der bereits „tief in der Gesellschaft verwurzelt ist“. Oft geben Eltern das bewusste Essen schon an ihre Kinder weiter.

Während die meisten vermehrt auf die Gesundheit achten, sind es bei den Vegetariern besonders der Umweltschutz und das Wohl der Tiere, die zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit Lebensmitteln führen. Allen gemeinsam jedoch ist, dass sie sich mehr über die Lebensmittel informieren. Ein bis vier Stunden pro Woche investiert jeder dritte Konsument dafür durchschnittlich. Am intensivsten informieren sich die Jüngeren. Meistens geschieht das anhand der Verpackung.

Wie die Produkte verpackt sind und präsentiert werden, beeinflusst das Kaufverhalten. „Jeder Zweite unterteilt Produkte nach der Länge der Zutatenliste auf der Produktverpackung in Gut und Böse“, sagt Haubert. Die Produktverpackung ist mit 46 Prozent die wichtigste Informationsquelle. Zudem wird darauf geachtet, ob die Produkte ein Gütesiegel haben, oder ob sie Bio zertifiziert sind. Außerdem greifen Konsumenten eher zu regionalen und saisonalen Produkten. „Allen Konsumenten ist gemein, dass für sie Regionalität maximales Vertrauen bedeutet“, sagt Haubert. Bei diesen Produkten glauben die Konsumenten eher zu verstehen, wie sie produziert werden.

Rewe hat in seinen Filialen mit „Rewe Regional“ sogar ein eigenes Sortiment mit saisonalen Lebensmitteln aus der Region der Verbraucher. Auf der Internetseite des Unternehmens können sich die Kunden zusätzlich über die Produkte informieren und zurückverfolgen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Aktuell wachsen die Erdbeeren noch, bis sie dann ab Mai in der Produktserie von „Rewe Regional“ erhältlich sind, erfährt man dort beispielsweise. Im September fallen sie dann wieder aus dem Sortiment. Dafür sind dann die regional angebauten Kartoffeln reif.

Quelle:  Handelsblatt Online
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