Rich AG: Katerstimmung beim Dosen-Sekt-Titan

Rich AG: Katerstimmung beim Dosen-Sekt-Titan

Bild vergrößern

Paris Hilton wirbt beim Börsenstart in Frankfurt am 3. Februar 2011 für den Dosensekt der Marke "Rich". Ende September soll die Rich AG vom Kurszettel verschwinden

von Henryk Hielscher

Mit Sekt in Dosen und Werbestarlet Paris Hilton drängte der Tiroler Hotelier Günther Aloys mit der Rich AG an die Börse. Doch das Unternehmen schreibt Verluste und verschwindet nun vom Kurszettel.

Es war ein Festtag für die Deutsche Börse. Schon lange nicht mehr war das Interesse am Börsengeschehen so ausgeprägt, wie an jenem 3. Februar 2011, als Hotelerbin Paris Hilton im Porsche auf dem Börsenplatz vorfuhr. Mehr als 100 Journalisten belagerten die schrille Schöne. Kameras klickten, hinter den Fensterscheiben der angrenzenden Büros drängten sich Sparkassenangestellte, um einen Blick auf das Partygirl zu erhaschen. Hilton war nach Frankfurt gekommen, um für die Aktie des Münchner Dosensektherstellers Rich zu trommeln. Am liebsten trinke Paris „die pinkfarbene Rosé-Sorte“, vermerkte denn auch die Gesellschaftspresse.

Rich AG verlässt die Börse

Anzeige

Eineinhalb Jahre später ist der Rausch verflogen: Die Rich AG soll vom Kurszettel verschwinden. Ende September schließt die Frankfurter Börse den unregulierten Freiverkehr, wo Rich bisher gelistet ist. „Deshalb wird die Gesellschaft voraussichtlich delistet“, lässt das Unternehmen über einen Anwalt mitteilen. Den Wechsel in ein anderes Börsensegment habe das Management, anders als bisher in Aussicht gestellt, verworfen. Dabei hatte Rich-Gründer Günther Aloys bei der Erstnotiz der Aktie in Frankfurt noch von Expansionsplänen geschwärmt und getönt, die Notierung im Freiverkehr sei nur „die Eintrittsstufe an der Börse“.

Kleines Champagner-Lexikon

  • Was ist der Unterschied zwischen Sekt und Champagner?

    Sekt und Champagner sind beide Schaumweine. Schaumweine sind weinhältige Getränke in Flaschen, die aufgrund des enthaltenen Kohlendioxids unter Druck stehen. Die französische Bezeichnung „Champagne“ ist markenrechtlich geschützt. Champagner darf sich nur nennen, wer in der französischen Region Champagne nach der "Méthode traditionnelle" oder "Méthode champenoise" hergestellt wurde. Andere Schaumweine müssen nach deutschem Recht je nach Herstellung und Herkunftsland, als Sekt bezeichnet werden. In beiden Fällen gärt der Wein in der Flasche.

  • Was ist der Grundstoff für Champagner?

    Der Grundstoff für die unterschiedlichen Champagner sind fast ausschließlich die folgenden drei Rebsorten: Die roten Rebsorten Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Müllerrebe oder Schwarzriesling) sowie die weiße Rebsorte Chardonnay.

  • Wem gehören die großen Champagner-Marken?

    Die bekannten Marken Moët & Chandon, Veuve Clicquot, Krug, Ruinart und Mercier gehören alle zum LVMH-Konzern. LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton hält die Mehreheitsrechte an mehr als 60 verschiedenen Luxusmarken. Der Konzern ist mit 62,2 Millionen Flaschen der größte Einzelerzeuger von Champagner. Daneben gibt es noch ein Reihe kleinerer börsennotierter Handelshäuser wie Laurent-Perrier, Boizel Chanoine und Vranken-Pommery.

  • Welche Schaumweinsorten gibt es noch?

    In Deutschland und Österreich spricht man vom Sekt oder Winzersekt, wenn er direkt vom Erzeuger abgefüllt wird. In Frankreich gibt es Champagner aus der Region Champagne - und Crémant, wenn der Schaumwein nicht aus der Champagne stammt. Spumante ist die Bezeichnung für Schaumwein in Italien. Bekannt ist vor allem Prosecco, den man aus der gleichnamigen weißen Rebsorte gewinnt und aus der Weinbauregion Veneto kommt. Der spanische Cava ist ein Qualitäts-Schaumwein, für den es vergleichbare Anforderungen gibt wie für den Champagner. In der Ukraine wird Krimsekt im Flaschengärverfahren aus weißen oder roten Rebsorten hergestellt.

Der damalige Ausgabekurs von 1,10 Euro mutet inzwischen wie eine Sektlaune an. Heute sind Anleger bereit, eine Aktie für lächerliche zwei Cent loszuschlagen, gerade mal 1,8 Prozent des Anfangswertes. Doch niemand regt sich, der Handel mit dem Papier ist nahezu zum Erliegen gekommen.

Dabei sah es anfangs so aus, als würde Rich schnell zu einer Art Red Bull des Schaumweinwesens. 2006 hatte Günther Aloys, der in Tirol mehrere Hotels betreibt, die ersten Dosen abgefüllt. Und mit Paris Hilton als Werbestar schien ihm ein echter Coup gelungen zu sein. 20.000 Leute schauten zu, als das Partygirl bei einem Event in der Après-Ski-Metropole Ischgl den ersten Schluck Büchsen-Prosecco mit dem klangvollen Markennamen Rich nippte, die Augen verdrehte und „it’s yummy“ sagte. Fortan betätigte sie sich als Glamour-Beauftragte und beteuerte, der Trunk sei „so prickelnd wie mein Leben“.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%