Ritter Sport vs. Stiftung Warentest: Aromastoffe sind ein Milliardengeschäft

Ritter Sport vs. Stiftung Warentest: Aromastoffe sind ein Milliardengeschäft

, aktualisiert 20. Dezember 2013, 13:36 Uhr
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Über ein schlechtes Urteil der Stiftung Warentest für die Voll-Nuss-Schokolade der Marke Ritter-Sport ist ein erbitterter Streit entbrannt.

Mitten in der Weihnachtszeit sorgt der Schokoladen-Streit um Aromen weiter für Wirbel. Am Freitag ging es vor dem Landgericht München weiter. Der Richter schlug einen Vergleich vor, dem Ritter Sport und Stiftung Warentest aber zunächst nicht zustimmten. Der Rechtsstreit rückt auch die Branche der Geschmackstoffhersteller in den Fokus - ein Milliardengeschäft.

Bislang war Symrise einer der vielen eher unbekannten Branchen-Riesen in Deutschland. Dann aber brach der Schoko-Streit aus. Natürliches Aroma oder nicht? Das ist die Frage.

Die Stiftung Warentest war in einer Schokolade von Ritter Sport auf den Stoff Piperonal gestoßen, der von Symrise geliefert wird. Anders als auf der Packung angegeben, sei Piperonal nicht „natürlich“, urteilte die Stiftung. Dies sei irreführend - die Folge: ein „mangelhaft“. Gegen die Behauptung, einen „chemisch hergestellten Aromastoff“ verwendet zu haben, erwirkte Ritter eine einstweilige Verfügung. Über den Einspruch der Stiftung wurde am Freitag vor dem Landgericht München verhandelt. Vor Gericht ging es erst einmal nur um die Behauptung. Das Testverfahren sei nicht Gegenstand der Verhandlung, sagt eine Warentest-Sprecherin. Der Richter hat am Freitag einen Vergleich vorgeschlagen. Ritter Sport und Stiftung Warentest stimmten dem zunächst nicht zu. Die Kammer am Landgericht München riet den Parteien, ein gemeinsames Gutachten in Auftrag zu geben, in dem die Herkunft des Aromastoffes Piperonal geklärt werden soll.

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Der Piperonal-Hersteller Symrise rückt mit dem Streit in den Fokus. Das Unternehmen macht einen Jahresumsatz von 1,75 Milliarden Euro und ist mit Abstand die Branchen-Nummer eins in Deutschland.

Klagen gegen Stiftung Warentest Ritter Sport erwirkt einstweilige Verfügung

Ein Gericht verbietet der Stiftung Warentest die Behauptung, der Schokohersteller verwende chemische Aromen. Die Erfolgsaussichten einer Klage sind dennoch schlecht: Die Stiftung musste noch nie Schadenersatz zahlen.

Quelle: Fotolia

"Fast alle Aromen sind natürlichen Ursprungs"

Ortsbesuch im südniedersächsischen Weser-Städtchen Holzminden: Auf einem Tisch liegen Tüten mit Schokolade. „Probieren Sie“, sagt Simone Peschke. „Und jetzt hiervon. Schmecken Sie den Unterschied?„ Dieselbe Schokolade. Aber ein anderer Geschmack. „Das liegt am Vanillearoma. Und das ist selbstverständlich natürlich“, sagt die Wissenschaftlerin, die beim Geruchs- und Geschmackstoffhersteller für Süßes zuständig ist und an neuen Aromen für Kekse, Backmischungen oder Bonbons arbeitet.

„Fast alle Aromen sind natürlichen Ursprungs“, sagt Firmensprecher Bernhard Kott. „Das gilt auch für Piperonal.“ Die Sensibilität der Verbraucher für natürliche Produkte sei stark gestiegen. Sein Unternehmen habe darauf reagiert. Selbst Geschmacksverstärker hätten heutzutage eine natürliche Basis. Dazu verarbeitet Symrise jährlich 5000 Tonnen Zwiebeln. Einzig Menthol, das für Kaugummi oder Zahncreme verwendet wird, werde „komplett synthetisch“ hergestellt.

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