Robert Gentz, Rubin Ritter, David Schneider: "Mehr Mode, weniger Lärm"

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InterviewRobert Gentz, Rubin Ritter, David Schneider: "Mehr Mode, weniger Lärm"

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Die Zalando-Chefs (v.l.) Rubin Ritter, David Schneider, Robert Gentz. Der Onlinehändler macht große Umsatzsprünge - fährt aber auch riesige Verluste ein.

von Henryk Hielscher und Michael Kroker

Die Zalando-Chefs über kreischende Frauen in der Werbung, den Kostenfaktor Retouren und die Zukunft des Einkaufens in klassischen Läden und im Netz.

WirtschaftsWoche: Herr Gentz, Herr Ritter, Herr Schneider, wir vermissen den Zalando-Schrei.

Gentz: Zur Begrüßung?

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Nein, in Ihrem neuen TV-Werbespot. Dort zeigen Sie einen genervten Liebesgott und reihenweise verliebte Männer – aber die kreischenden Frauen, die Zalando berühmt gemacht haben, fehlen. Was ist los?

Gentz: Den Schrei hatten wir jetzt lange genug in den Spots, unsere Kunden wollen mal was Neues sehen. Der Schrei ist aber auch nicht mehr das Erkennungselement, das noch in dem Maße wie bisher zu Zalando passt und das wir über die kommenden Jahre spielen wollen. Der Schrei war Zeichen unserer extremen Wachstumsphase, begleitet von hoher Lautstärke.

Und jetzt wollen Sie lieber ruhig und bedächtig rüberkommen?

Gentz: Wir wollen uns einfach stärker auf die Produkte konzentrieren, die wir verkaufen, aber natürlich trotzdem Emotionen zeigen: mehr Mode und weniger schrille Töne.

Schneider: Das spiegelt auch die Unternehmensentwicklung wider. Wir kommen aus einer Phase sehr starken Wachstums und haben in den vergangenen fünf Jahren Expansion und Markenaufbau in 15 europäischen Ländern gestemmt. Wir haben den Umsatz seit 2008 von null auf 1,8 Milliarden Euro gesteigert. Jetzt kommt der nächste Schritt: Wir wollen Zalando stärker als erste Fashion-Adresse im Netz präsentieren.

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Quelle: Weslaw Smetek

Hat die neue Tonlage auch mit Ihren Börsenplänen zu tun?

Ritter: Die Neuausrichtung hat so oder so Sinn. Wir brauchen keinen Börsengang, um die richtigen Schritte umzusetzen. Die Diskussion über einen Börsengang ist fast so alt wie Zalando selbst. Wir bereiten uns auf viele Möglichkeiten vor – ein Börsengang wäre eine Option für die weitere Entwicklung Zalandos, aber im Fokus steht das operative Geschäft.

Ende 2013 wurde Zalando in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, sie haben ein Beteiligungsprogramm für Führungskräfte aufgelegt und einen Kapitalmarktexperten in den Aufsichtsrat geholt. Das hat nichts mit Börsenvorbereitungen zu tun?

Ritter: 2013 haben wir einige Verbesserungen in der Corporate Governance durchgeführt und viele Strukturen an unsere Größe angepasst. Ein Börsengang kann irgendwann kommen und wäre dann ein positiver Schritt für Zalando. Wir sind seit vier Monaten eine AG und trotzdem noch nicht an der Börse gelistet. Sie sehen, das ist kein Automatismus – zumal wir planen, die Rechtsform noch mal zu ändern.

Was haben Sie vor?

Ritter: Wir wollen Zalando im Sommer als SE – also als europäische Aktiengesellschaft – aufstellen. Im Rahmen der Umwandlung werden dann auch Arbeitnehmervertreter in den Zalando-Aufsichtsrat einziehen.

Das hätten Sie auch über eine deutsche Aktiengesellschaft umsetzen können. Was bringt Ihnen die neue Rechtsform?

Ritter: Sie zeigt vor allem den europaweiten Charakter unseres Unternehmens. Über die Hälfte des Umsatzes erzielen wir mittlerweile im Ausland. Zalando beschäftigt Mitarbeiter aus über 50 Nationen.

Schneider: Und das internationale Geschäft gewinnt weiter an Bedeutung. Jenseits unserer Kernregion Deutschland, Österreich, Schweiz ist der Umsatz 2013 um mehr als 80 Prozent gestiegen.

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