RyanAir-Chef O´Leary warnt vor Brexit: „Dann bricht hier die Hölle los“

RyanAir-Chef O´Leary warnt vor Brexit: „Dann bricht hier die Hölle los“

, aktualisiert 02. August 2017, 17:53 Uhr
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Er posiert gern – doch beim Thema Brexit ist der Ryanair-Chef nicht zu Späßen aufgelegt.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Ryanair-Chef Michael O´Leary schimpft über die britische Regierung warnt vor den Folgen des Brexit: Die Briten sollten sich besser darauf einstellen, dass sie ihren Urlaub in Schottland oder Irland verbringen müssen. 

LondonRyanair-Chef Michael O´Leary ist bekannt für seine offenen Worte – und so redet er auch an diesem herbstlich anmutenden Sommertag in London nicht lange um den heißen Brei herum. Auf der Insel würden die Folgen eines harten Brexit unterschätzt, wettert er am Mittwoch vor Journalisten. Alles, was er derzeit von Seiten der britischen Regierung höre sei `wir sind optimistisch, dass es einen Deal geben wird, es wird schon nicht soweit kommen´. Das sei zwar schön und gut, „aber ich teile diesen Optimismus nicht“, kritisierte der Ire. Ende März 2019 werde „ein Fallbeil hinunterfallen“ und die Insel vom Kontinent abschneiden.

Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) am 31. März 2019 fallen die britischen Fluggesellschaften aus dem „Open Skies“ Abkommen. Somit verlieren die Fluggesellschaften das Recht, von der EU aus nach Großbritannien zu fliegen, zudem haben britische Airlines keine Erlaubnis mehr, Flüge innerhalb der EU anzubieten.

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Anders als für anderen Branchen gibt es auch keine Vereinbarungen von der Welthandelsorganisation WTO, die dann greifen könnten. Es müssen neue Vereinbarungen ausgehandelt werden – und das kann dauern. Seit Monaten weisen die Airlines auf diese Folge des Brexit hin – doch bislang ohne Erfolg: Es ist keine Vereinbarung in Sicht, mit der dieser Fall nicht eintritt.

Easyjet wäre Experten zufolge von einer solchen Brexit-Blockade besonders betroffen.  Firmenchefin Carolyn McCall hat deswegen Maßnahmen ergriffen: Easyjet hat eine Tochter in Wien gegründet und diese mit einer europäischen Fluglizenz ausgestattet, so dass Easyjet auch auf dem Kontinent Flüge anbieten kann. Allerdings hilft das nicht für den Wegfall der Verbindungen zwischen Wien und London.

Ryanair-Chef O´Leary sieht seine in Dublin ansässige Fluggesellschaft in einer besseren Position als die Konkurrenz. „Wir sind eine europäische Fluggesellschaft“, betont er. Sollte es keine Vereinbarung für die Flugrechte geben, will Ryanair die derzeit in Großbritannien positionierten Flugzeuge auf andere europäischen Flugplätzen verteilen und Flüge streichen – und das bereits ab Herbst 2018. Denn auch wenn die Folgen des Brexit erst im Frühjahr in Kraft treten werden: Die Airlines müssen ihre Planungen für den Winter- oder Sommerflugplan bereits zwölf bis 18 Monate vorher machen. Dann müssten die Airlines bereits wissen, womit sie planen müssen.

Der Brexit trifft die Airlines sechs Monate früher als andere Branchen, sagte O´Leary. Im Herbst 2018 „wird hier die Hölle losbrechen“. In Großbritannien würden aber viele die Augen vor den möglichen Folgen verschließen, sagte er, sogar die anderen Fluggesellschaften.


Lufthansa könnte „immens“ vom Brexit profitieren

Dabei wären für andere Gesellschaften die Folgen des Brexit seiner Meinung nach viel gravierender als für die irische Ryanair. „IAG könnte bei einem harten Brexit zerschlagen werden“, sagte er mit Blick auf die verschiedenen Airlines innerhalb der Gruppe, unter anderem British Airways und Iberia. Schließlich spiele es nach dem Brexit auch eine Rolle, wo die Eigentümer der Fluggesellschaften ansässig seien.

Derweil gehen seiner Meinung nach europäische Fluggesellschaften wie Air-France-KLM und Lufthansa „aktiv“ gegen die Interessen der britischen Fluggesellschaften vor. Diese könnten von der Situation „immens“ profitieren. Er selbst habe Dokumente mit dem Logo namhafter europäischer Fluggesellschaften gesehen, in denen diese einen bilateralen Deal mit der britischen Regierung befürworteten - allerdings zu Konditionen, die diese nicht akzeptieren könne, etwa dass der Europäische Gerichtshof zuständig wäre. „Es liegt natürlich im Interesse dieser Airlines, ihre Konkurrenz zu schwächen“, sagt er, „wäre ich an ihrer Stelle, würde ich das genauso tun!“.

O´Leary ist skeptisch, dass sich bis Herbst 2018 eine Lösung findet: „Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es zu Unterbrechungen im Flugverkehr zwischen Großbritannien und der EU komme ist größer als die für den Fall, dass es keine geben wird“. Erst nach dem offiziellen EU-Austritt könnte das der Fall sein. „Das Problem für die Fluggesellschaften ist: Wir können nicht so lange warten und nichts tun“.

Noch am Morgen hatte sich der Airline-Manager mit dem britischen Transportminister Chris Grayling getroffen – doch der konnte ihn seine Sorgen offensichtlich nicht nehmen. Die Briten sollten sich besser darauf einstellen, dass sie ihren Urlaub zumindest vorübergehend nicht in Spanien, sondern Schottland und Irland verbringen müssen, sagt O´Leary. „Wenn ich Sie wäre, würde ich jetzt in Aktien schottischer Hotels oder irischer Fährgesellschaften investieren“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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