Same-Day-Delivery: Probleme und Potenziale bei der taggleichen Zustellung

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Same-Day-Delivery: Probleme und Potenziale bei der taggleichen Zustellung

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Im Laden oder Internet bestellen und das Paket noch am gleichen Abend in den Händen halten: Eine Studie sieht im Service der taggleichen Lieferung eine Chance für kleine Läden wieder Kunden zu gewinnen.

von Stephan Happel

Bestellen und noch am selben Tag die Lieferung erhalten: Same-Day-Delivery gilt als Trend. Eine Studie sieht in der taggleichen Lieferung für stationäre Händler die Chance, den Internet-Riesen eins auszuwischen. Probleme bereiten aber die hohen Kosten.

Same-Day-Delivery - das Liefer-Modell der Zukunft, heißt es vielfach in der E-Commerce-Branche. Immer mehr Händler wagen sich in den Bereich vor, wollen ihren Kunden mit der Lieferung binnen Tagesfrist einen besonderen Service bieten. In Deutschland probieren etwa die Elektronikketten Media Markt und Saturn das Angebot aus, Waren mit dem Taxi zum Kunden bringen lassen.

Auch für den Laden an der Ecke könnte der Service Potenzial haben. Mit der cleveren Nutzung von Same-Day-Delivery könnten stationäre Händler Amazon und Co. ein Schnippchen schlagen, glaubt Andreas Klos von der Unternehmensberatung Interlogis-Consult. Die Einzelhändler könnten ihr Angebot mit einem Internetauftritt  und einer Lieferung am selben Tag erweitern. “Der Vorteil einer Filiale vor Ort mit ausgiebiger Kundenberatung bleibt erhalten und wird kombiniert durch die Möglichkeit, weniger beratungsintensive Produkte sofort online zu bestellen und zu erhalten”, sagt Klos. Dadurch ließen sich nicht nur Marktanteile zurück- und neue Kunden hinzugewinnen, ist der Unternehmensberater überzeugt.

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Hohe Lieferkosten

Dort wo in Deutschland eine taggleiche Lieferung möglich ist, etwa über das Vorreiter-Unternehmen tiramizoo, kostet sie viel. Die Preise beginnen bei elf Euro, schießen aber abhängig von Paketgröße und Liefergeschwindigkeit schnell in die Höhe. Das ist für die Unternehmen zwar kostendeckend, schreckt aber viele Kunden ab. In einer Fall-Studie hat Klos die Kosten einer Same-Day-Zustellung aufgeschlüsselt. Ausgehend von einem Online-Buchhändler mit 35 Filialen in der Metropolregion Rhein-Ruhr mit rund zehn Millionen Einwohnern berechnete er die Kosten einer taggleichen Lieferung bei einer steigenden Zahl an Bestellern.

Das wenig überraschende Ergebnis: Kaum ausgelastete Liefertouren machen jeden einzelnen Stopp teurer und verursachen hohen Lieferkosten. Die sinken nur bei steigender Nachfrage deutlich. Bei 230 Kunden würde im Beispiel des Unternehmensberaters jeder Halt beim Kunden 13,25 Euro kosten, bei 460 Kunden nur noch 7,27 Euro. “Bis im Falle eines Filialisten die Marke von fünf Euro Kosten pro Zustellung unterschritten wird, müssten in der Metropolregion Rhein-Ruhr schon über 1000 tägliche Nachfrager erreicht werden”, heißt es für das Fallbeispiel in der Studie.

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Um überhaupt diese Zahl an Kunden zu erreichen, empfiehlt Klos die Kooperationen zwischen den Händlern vor Ort, um so mehr Waren zeitgleich in ein bestimmtes Gebiet schicken zu können. Bücherhändler könnten etwa ihre Waren gemeinsam mit Mode- und Sportartikelverkäufern versenden. Erfolgversprechend ist das in den Augen des Unternehmensberaters insbesondere bei höherpreisigen Produkten und Einkäufen, bei denen die Zusatzkosten für die Lieferung nicht übermäßig ins Gewicht fallen.

Same Day nur in der Nische

Unklar bleibt in der Studie indes, wie die Organisation der einzelnen Händler mit unterschiedlichen Produkten sowie Warensystemen funktionieren könnte. Zudem bezieht die Studie nicht die zusätzlichen Lagerkosten mit ein, die anfallen wenn viele Produkte für eine taggleiche Lieferung auf Vorrat gehalten werden müssen.

Ob die nötige Kundezahl dauerhaft erreicht werden kann, ist ebenfalls nicht absehbar. Das Same-Day-Delivery auch in naher Zukunft noch ein Nischenmarkt bleibt, legt eine Studie des Forschungsinstituts ibi Research der Universität Regensburg nahe. Von mehr als 700 befragten Kunden, waren nur 27 Prozent bereit, für den Same-Day-Delivery-Service einen Aufpreis zu bezahlen. 53 Prozent würden die taggleiche Zustellung nur nutzen, wenn sie zusätzlich gar nichts kostet.

Selbst eBay-Chef John Donahue erklärte jüngst, das Thema sei überschätzt. Den eigenen Express-Zustelldienst „eBay Now“ habe man nur auf Wunsch von zwei Enterprise-Kunden entwickelt, nicht auf Drängen der Endkunden. Der Großteil der Konsumenten habe mehr Zeit als Geld, so Donahue.

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