Schlappe für Edeka: Kartellamt untersagt Tengelmann-Übernahme

Schlappe für Edeka: Kartellamt untersagt Tengelmann-Übernahme

, aktualisiert 01. April 2015, 16:48 Uhr
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Im Streit um die geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka hat das Bundeskartellamt eine Entscheidung getroffen.

von Stephan Happel

Edeka darf die Filialen des Lebensmittehändlers Kaiser's Tengelmann vorerst nicht übernehmen. Das Bundeskartellamt hat dem Mega-Deal einen Riegel vorgeschoben. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Es ist ein Satz mit 99 Zeichen und einem Punkt, der nach Ausrufezeichen klingt: "Das Bundeskartellamt hat den Erwerb von rund 450 Kaiser’s Tengelmann Filialen durch Edeka untersagt." So steht es in der Mitteilung zur Kartellamts-Entscheidung zum größten Übernahmeplan im deutschen Lebensmittelhandel seit langem.

Bis auf weiteres ist damit auch der abgespeckte Traum des Edeka-Chefs Markus Mosa, wenigstens drei Viertel der 451 Tengelmann-Filialen übernehmen zu können, auf Eis gelegt.

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Edeka, Tengelmann und das Bundekartellamt im Twister Quelle: Fotolia, Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche Online

Zu groß waren die Bedenken der Wettbewerbshüter, dass Edeka - mit einem Marktanteil von 25 Prozent schon jetzt die klare Nummer 1 im Lebensmittelhandel - durch den Zuwachs mancherorts eine "marktbeherrschende Stellung" aufbaut. Zu stark die Sorge, dass die Lebensmittelproduzenten bei den Verhandlungen mit Edeka und den anderen verbleibenden großen Händlern vollends das Nachsehen haben.

Dass Kaiser's Tengelmann mit gerade einmal 0,6 Prozent Marktanteil eigentlich ein Zwerg im Lebensmittelhandel ist, lässt das Kartellamt als Argument nicht gelten. "In diesem Fall kommt es vor allem auf die Marktverhältnisse vor Ort an", so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. "Der Verweis auf den relativ geringen bundesweiten Marktanteil von Kaiser’s Tengelmann geht an der Sache vorbei. Niemand fährt zum Einkaufen quer durch Deutschland oder auch nur quer durch eine Großstadt."

In vielen Stadtteilen der Metropolen Berlin, München und Düsseldorf sowie einigen Markträumen in Oberbayern und NRW sei Kaiser’s Tengelmann der stärkste Wettbewerber der Handelsgrößen Edeka und Rewe. Das Ausscheiden des Händlers würde die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher vor Ort erheblich reduzieren, begründet Mundt die Entscheidung.

Edeka braucht Tengelmann

Obwohl die Entscheidung nach den erheblichen Bedenken des Kartellamts erwartbar war, ist die Entscheidung ein herber Rückschlag für Edeka. Aus der Unternehmenszentrale hieß es, man habe das Verbot der Wettbewerbsbehörde „mit großer Verwunderung und Enttäuschung“ zur Kenntnis genommen. Kein Wunder: Für die Wachstumspläne des Handelsriesen kämen die Tengelmann-Filialen mehr als nur gelegen.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Rund 11.600 Edeka- und ebenfalls zum Konzern gehörenden Netto-Märkte gibt es derzeit in Deutschland. Da bleibt wenig Platz, um durch die Eröffnung zusätzlicher Filialen zu wachsen, ohne den bestehenden Kunden wegzunehmen. Deshalb kämen die bestehenden Tengelmann-Filialen gerade recht, zumal Edeka kurzfristig kaum Chancen hat, im Ausland zu wachsen.

Vor wenigen Tagen war der Konzern deshalb noch einen kleinen Schritt auf das Kartellamt zugegangen und hatte offenbar angeboten, nur rund 350 der 451 Tengelmann Filialen übernehmen zu wollen. Für die Wettbewerbshüter ging das weit genug. Die vorgelegten Kompromissvorschläge seien "nicht geeignet, die vom Bundeskartellamt festgestellten wettbewerblichen Probleme auf den betroffenen Märkten zu lösen."

Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde hätte der Handelsriese im Interesse des Wettbewerbs im Höchstfall rund ein Drittel der Kaiser's Tengelmann-Supermärkte - insgesamt 150 bis 170 Geschäfte - übernehmen können. Es gebe eine ganze Reihe konkreter Hinweise auf alternative Interessenten für Teilnetze, hieß es im Kartellamt.

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