
Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte am Mittwoch in Frankfurt, es könnten nur rund 13.500 Arbeitsplätze der 25.000 in Deutschland erhalten werden. Von den zuletzt 5400 Filialen sollen etwa 3000 bleiben. „Wenn diese tiefen Einschnitte nicht passieren, hat Schlecker keine Überlebenschance“, sagte Geiwitz. Die Analyse von Schlecker habe dramatische Ergebnisse gebracht. „Viele Probleme sind zu spät angegangen worden“, kritisierte er die Unternehmensführung um Firmengründer Anton Schlecker. „Schlecker hat zu lange auf Stärke durch Größe gesetzt.“
In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen jeweils zweistellige Millionenverluste erlitten und drastische Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. In der Spitze hatte die Kette mehr als 10.000 Läden, weit mehr als 1000 wurden im vergangenen Jahr schon geschlossen.
Bild: dapdSpanien und Portugal
Das spanische Einzelhandelsunternehmen Dia will die insgesamt gut 1150 Filialen des einstigen Drogeriegiganten sowie die rund 4000 Mitarbeiter in Spanien und Portugal übernehmen. Teil des Geschäfts sind zudem der komplette Warenbestand und mehrere Logistikzentren. Der Kaufvertrag ist laut Schlecker-Insolvenzverwaltung bereits unterzeichnet. Der Käufer wird nach eigenen Angaben bis zu 70,5 Millionen Euro für die Schlecker-Firmen bezahlen. Es stehe noch die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter aus; sie werde im April 2013 erwartet. „Der Verkauf von Schlecker Spanien an Dia ist eine sehr gute Sache für beide Seiten“, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit.
Das Spanien-Geschäft Schleckers ist die erfolgreichste Auslandsfirma des Konzerns. 2011 erzielte sie einen Nettoumsatz von 320 Millionen Euro. Daher will Schlecker Spain trotz der Pleite der deutschen Konzernmutter weiter expandieren. Bis 2014 sollen 62 neue Läden eröffnen.
Bild: dpaÖsterreich
Die Österreich-Tochter der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker bekommt einem Zeitungsbericht zufolge einen neuen Eigentümer. Der in Wien ansässige Fonds TAP 09 übernehme rund 1340 Filialen der Kette, berichtete die österreichische Tageszeitung „Der Standard“. Das Unternehmen werde mit allen rund 5000 Mitarbeitern weitergeführt. Es werde weder Kündigungen noch Filialschließungen geben. Der neue Eigentümer wolle Schlecker umbenennen und restrukturieren. Die Gruppe solle ein „Rundum-Nahversorger“ werden, berichtete das Blatt. An der Österreich-Tochter hängt auch das Schlecker-Geschäft in Luxemburg, Belgien, Polen und Teilen von Italien. Der Fonds TAP 09 hat sich nach Angaben auf seiner Homepage auf Übernahmen von Unternehmen „mit Substanz und Restrukturierungsbedarf“ in Europa mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro spezialisiert. TAP 09 war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Bild: dpaPolen
Die knapp 170 Filialen in Polen stehen unmittelbar vor dem Verkauf. Es gebe weit fortgeschrittene Verhandlungen mit dem polnischen Hygieneartikel-Hersteller Hygienika, bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Schlecker-Filialen in Polen mit ihren knapp 700 Mitarbeitern werden als Niederlassungen der österreichischen Schlecker-Tochter geführt, für die nun ein neuer Investor gefunden sein soll. In Polen liefen die Geschäfte zuletzt stabil. Der Brutto-Umsatz wuchs zwischen 2010 und 2011 von 82 auf 89 Millionen Euro - bei einer gleichbleibenden Filialanzahl. Erst vor acht Jahren hat Schlecker seine Expansion nach Osteuropa gestartet.
Bild: ScreenshotFrankreich
Bereits verkauft sind die französischen Schlecker-Filialen. Die Supermarktkette Systéme U hat die Tochter SNC erworben. Zu ihr zählen 139 Filialen mit 750 Mitarbeitern. Zuletzt machten die französischen Schlecker-Märkte einen Umsatz von knapp 90 Millionen Euro.
Bild: dapdLuxemburg
28 Schlecker-Läden gibt es im Nachbarland Luxemburg. Diese hängen an Schlecker-Österreich. Schlecker Luxemburg schrieb im Juni 2012 trotz einiger Lieferengpässe schwarze Zahlen. In den Vorjahren setzte die Tochter jeweils rund 17 Millionen Euro brutto um. Luxemburg wird von der Schlecker-Tochter IhrPlatz beliefert, für die es noch keine Investor gibt. Löhne und Arbeitsstellen in Luxemburg seien aber vorerst sicher, sagte ein Sprecher der luxemburgischen Gewerkschaft OGBL.
Bild: dapdItalien
Für die aktuell 300 Filialen in Italien und Südtirol mit weit über 1000 Mitarbeitern wird noch ein Käufer gesucht. Es gebe bereits eine Reihe von Interessenten, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, berichtete kürzlich die Tageszeitung "Dolomiten". Dass die Marke nach dem Verkauf weitergeführt wird, schloss ein Schlecker-Sprecher aus: „Es ist nicht anzunehmen, dass der neue Investor den Namen weiterführen wird.“ Das Italien-Geschäft hat nach dem Konkurs der deutschen Mutter kaum gelitten. Laut Handelsinformationsdienst Planet Retail sind in den vergangenen Monaten nur vier Filialen geschlossen worden, der Umsatz ging 2011 von etwa 98 Millionen auf 96 Millionen Euro zurück.
Bild: dpaBelgien / Niederlande
Anfang 2010 meldeten die Nachrichtenagenturen, dass sich die deutsche Drogeriekette Schlecker fast komplett aus dem Nachbarland Belgien zurückziehen wolle: 32 von 36 Läden sollen bis Jahresende schließen, teilte die Konzernzentrale der Nachrichtenagentur AFP mit. Lediglich in der deutschsprachigen Region im äußersten Osten von Belgien sollten vier Filialen erhalten bleiben. Der Umsatz in Belgien ist in Folge der Schließungen von über elf Millionen Euro auf etwa 2,5 Millionen Euro gesunken. Die Schließungen trafen knapp 100 Mitarbeiter.
Ebenfalls Anfang 2010 hatte Schlecker mitgeteilt, sein Geschäft in den Niederlanden aufzugeben. "Finanzielle Gründe" führte ein Unternehmenssprecher damals an. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch etwa 100 Filialen im Nachbarland.
Bild: dpaUngarn
Aus Ungarn zog sich Schlecker bereits 2011 zurück. Das Unternehmen schloss seine 22 Filialen Filialen. Schlecker kam 2006 nach Ungarn. Allein in Budapest (Foto) wurden zwölf Filialen betrieben. Gründe für den Rückzug aus Ungarn könnte die Konkurrenz sein, spekulierten ungarische Medien, denn sowohl DM als auch Rossmann betrieben landesweit jeder hunderte Märkte.
Bild: dpaDänemark
Aus Dänemark hatte sich die Drogeriemarktkette bereits 2009 komplett zurückgezogen. Das Unternehmen war dort im Jahr 2004 gestartet. Rund 50 Märkte zu besten Zeiten dort betrieben.
Spanien und Portugal
Das spanische Einzelhandelsunternehmen Dia will die insgesamt gut 1150 Filialen des einstigen Drogeriegiganten sowie die rund 4000 Mitarbeiter in Spanien und Portugal übernehmen. Teil des Geschäfts sind zudem der komplette Warenbestand und mehrere Logistikzentren. Der Kaufvertrag ist laut Schlecker-Insolvenzverwaltung bereits unterzeichnet. Der Käufer wird nach eigenen Angaben bis zu 70,5 Millionen Euro für die Schlecker-Firmen bezahlen. Es stehe noch die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter aus; sie werde im April 2013 erwartet. „Der Verkauf von Schlecker Spanien an Dia ist eine sehr gute Sache für beide Seiten“, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit.
Das Spanien-Geschäft Schleckers ist die erfolgreichste Auslandsfirma des Konzerns. 2011 erzielte sie einen Nettoumsatz von 320 Millionen Euro. Daher will Schlecker Spain trotz der Pleite der deutschen Konzernmutter weiter expandieren. Bis 2014 sollen 62 neue Läden eröffnen.
Es sei zu lange versäumt worden, das Konzept und die Läden zu modernisieren, bilanzierte Geiwitz. Schlecker schreibe seit 2006 Verluste, allein 2011 seien es 200 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz sei zuletzt unter vier Milliarden Euro eingebrochen.
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