KommentarSchlecker: Alle gegen Anton

von Henryk Hielscher

Die Pleite der Drogeriekette reißt auch Unternehmenspatriarch Anton Schlecker in den finanziellen Ruin. Das Mitleid mit Deutschlands wohl meistgehasstem Unternehmer hält sich dennoch in Grenzen.

In der Liste von Deutschlands Reichsten durfte Anton Schlecker nicht fehlen. Auf erstaunliche 1,95 Milliarden Euro taxierte ein Hamburger Wirtschaftsmagazin die schleckersche Familienhabe.

Damit brachte es Drogist immerhin auf Platz 56 in der Liga der reichsten Deutschen. Spätestens seit heute ist klar: Das Milliardenvermögen ist – wenn es überhaupt je in dieser Dimension vorhanden war - verraucht.

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Bei einer Pressekonferenz am Unternehmenssitz in Ehingen sagte Meike Schlecker, die Tochter des Firmengründers, es seien keine wesentlichen privaten Vermögen in der Familie mehr vorhanden. Die Mittel seien in den vergangenen Jahren in die Sanierung des Unternehmens geflossen.

Die Insolvenz von Schlecker bedeutet damit in der Konsequenz gar die Privatinsolvenz von Anton Schlecker. Denn Schulden des Konzerns können die Gläubiger auch bei Schlecker persönlich einfordern.

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Lieferanten bleiben insolventer Drogeriekette Schlecker treu

Auch bei der Sanierung wird die Familie eine untergeordnete Rolle spielen. Ihr Ansatz, Schlecker in Eigenregie umzukrempeln und neu aufzustellen, ist gescheitert. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz übernimmt das Kommando und lotet nun die Chancen für eine Sanierung aus. Damit ist eine Planinsolvenz nicht vom Tisch, wohl aber die Eigenverwaltung.

Ob Anton Schlecker nun wie einst Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz vorrangig beim Discounter Lebensmittel shoppen muss oder gar verarmt Hartz IV beantragen muss, ist unwahrscheinlich.

Schlecker wird rechtzeitig und rechtmäßig Geld an seine Kinder übertragen haben – und auch mit Zuwendungen der vermögenden Kinder ließe sich der Lebensabend passabel bestreiten – zumal, wenn man das Los Hunderter wenn nicht Tausender Verkäuferinnen bedenkt, die sich nun wohl einen neuen Job suchen müssen.

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