Schlecker: Grobe Fehler bei der Rettung

Schlecker: Grobe Fehler bei der Rettung

von Henryk Hielscher und Harald Schumacher

Bisher unveröffentlichte interne Unterlagen aus dem Insolvenzverfahren zeigen, woran die Rettung des schwäbischen Drogeriekonzerns scheiterte.

Die Enttäuschung war ihm anzusehen. Als Arndt Geiwitz am vergangenen Dienstagnachmittag über den Bahnsteig in Ulm trottete, um den Zug nach Stuttgart zu erreichen, hatten die Gläubiger des insolventen Drogeriekonzerns Schlecker gerade das Ende der Ladenkette besiegelt. Das bisher wichtigste Verfahren in der Karriere des Insolvenzverwalters ist gescheitert, mindestens 24.000 Arbeitsplätze in Deutschland werden weggefegt. Und statt als Retter gefeiert zu werden, muss sich der 43-Jährige nun mit der Rolle des Totengräbers arrangieren.

Wenig Sanierungschancen

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An vermeintlich Schuldigen für das Desaster mangelt es nicht: die Gewerkschaft Verdi, weil sie um den Erhalt des Flächentarifvertrags im Einzelhandel bangte und die von Geiwitz geforderten Einschnitte teilweise ablehnte. Die FDP, weil sie staatliche Bürgschaften für eine Transfergesellschaft torpedierte. Tatsächlich jedoch war die Lage bereits 2011 verheerender als bisher bekannt und die Sanierungschance eng begrenzt. Denn das System Schlecker basierte am Ende offenbar nur noch darauf, Lieferanten auszupressen. Das zeigen interne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Ihnen zufolge müssen sich Geiwitz und sein Kanzleipartner Werner Schneider vorwerfen lassen, im Verfahren reichlich optimistisch agiert zu haben.

So entlarvt die „streng vertrauliche“ Bilanz zwei Drittel aller Schlecker-Erträge im Jahr 2011 als „nachträgliche Konditionen“. Darunter fielen Werbekostenzuschüsse, Zahlungen für die Listung von Waren im Verkaufsregal und andere Überweisungen, die Schlecker den Lieferanten aus der Industrie in viel höherem Maß abpresste als andere Handelsunternehmen.

„Normal wären allenfalls halb so hohe nachträgliche Konditionen gewesen“, sagt ein Schlecker-Kenner und Ex-Handelsmanager, „das System Schlecker lebte davon, die Lieferanten maximal auszuquetschen.“ Diese Methode habe Schlecker – anstatt die Mängel im eigenen Unternehmen zu beseitigen – „perfide perfektioniert“. Ohne die der Industrie abgerungenen Zahlungen, so der Schlecker-Insider, wäre der Konzern „viel früher hops gegangen“.

Zuversichtliches Rettungskonzept

Selbst der Schlecker XL getaufte Hoffnungsträger, der mit mehr als 300 größeren und attraktiveren Filialen die Wende bringen sollte, schrieb auch im vierten Jahr seiner Existenz Verluste. 2011 betrug das Minus 9,3 Millionen Euro bei 260 Millionen Euro Umsatz. Allein die Werbung verschlang mehr als acht Millionen Euro.

Angesichts der Lage liest sich das von der Unternehmensberatung McKinsey für den Insolvenzverwalter entwickelte Rettungskonzept Schlecker 2.0 arg zuversichtlich. Die Umsätze, so die Prognose der Consulter, sollten von rund einer Milliarde Euro 2012 auf 1,77 Milliarden Euro im Jahr 2016 schnellen. In drei Phasen und mit übersichtlichen Investitionen sei der Wandel zum Nachbarschaftsmarkt möglich, versprach McKinsey. An die Schrumpfungskur im Zuge der Insolvenz sollten sich Veränderungen am Sortiment sowie Modernisierungen der Läden anschließen. Der Verkauf von Briefmarken- und Lottoscheinen wurde erwogen. Danach, von 2015 an, sollte Schlecker wieder mit neuen Läden in die Offensive gehen.

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