Schlecker: Massenentlassungen haben begonnen

Schlecker: Massenentlassungen haben begonnen

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Die ersten Mitarbeiter werden über ihre Entlassung informiert. Insgesamt sollen bei Schlecker 11.200 Beschäftigte zum Monatsende ihre Jobs verlieren.

Die Betriebsräte der insolventen Drogeriekette Schlecker haben Kündigungslisten mit den Namen von rund 11.000 Mitarbeitern erhalten. Außerdem wurde die Liste der Filialen, die geschlossen werden sollen überarbeitet. Wie es jetzt weitergeht.

„Wir haben die Listen mit den zu entlassenden Mitarbeitern erhalten“, sagte Grit Walz, Betriebsrätin im Bezirk Baden-Baden. Die ersten Mitarbeiter seien schon informiert worden. Die Stimmung ist am Boden“, sagte Walz. Auch wenn sie selbst keine Emotionen zeigen dürfe und  weiterarbeiten müsse: Sie habe „schlaflose Nächte und tränende Augen“, sagte die Betriebsrätin.

Fieberhaft laufen daneben jetzt die Vorbereitungen für Auffanggesellschaften, in denen die Betroffenen weiterqualifiziert werden können, ohne in die Arbeitslosigkeit zu rutschen - obwohl die Finanzierung noch nicht steht. Am Donnerstag soll sich entscheiden, ob es Transfergesellschaften für sie geben wird.

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Vollständige Standortliste Welche Filialen Schlecker schließt

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Schlecker-Markt in Berlin: Alleine in der Hauptstadt schließen fast 80 Filialen. Quelle: Reuters

Wahrscheinlich ein Dutzend Transfergesellschaften

Zur Finanzierung der Transfergesellschaften strebt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ein Staatsdarlehen über rund 71 Millionen Euro an. Schmid ist „vorsichtig optimistisch“, dass die Transfergesellschaft rechtzeitig zum 1. April ihre Arbeit aufnehmen kann. Wahrscheinlich, so Schmid, werde es „ein bis zwei Dutzend“ solcher Gesellschaften bundesweit geben. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung  sind sie bundesweit in 23 Regionen gebildet worden. Als Faustregel gelte, dass nicht mehr als 700 Beschäftigte auf einen Träger kommen sollten.

Bevor die 16 Länder diese Hilfe endgültig beschließen, soll aber ein Wirtschaftsprüfer das Konzept des Insolvenzverwalters für die Drogeriekette unter die Lupe nehmen. „Die Kuh ist noch nicht vom Eis, aber ich habe Hoffnung auf eine Lösung“, sagte Schmid mit Blick auf Gespräche am Donnerstag. 

Die von Schlecker-Entlassungen betroffenen Länder wollen dann entscheiden, ob sie für den Kredit über 71 Millionen Euro bürgen. Er soll dazu dienen, für die bundesweit rund 11.000 von Entlassung bedrohten „Schleckerfrauen“ eine Transfergesellschaft einzurichten. Sollte dies gelingen, würden sie einen Großteil ihres Gehalts zunächst weiterbekommen und gleichzeitig für Bewerbungen geschult werden.

Was ist eine Transfergesellschaft?

  • Wann wird eine Transfergesellschaft gegründet?

    Eine Transfergesellschaft wird dann ins Leben gerufen, wenn sich das Unternehmen aus eigener Kraft nicht mehr retten kann, und durch diese Krise Massenentlassungen nicht zu vermeiden sind.

  • Was ist der Zweck von Transfergesellschaften?

    Der Zweck einer Transfergesellschaft ist es, Arbeitnehmer, die gekündigt werden sollen, in einen befristeten Arbeitsvertrag zu übernehmen. Dazu wird eine eigene Gesellschaft gegründet. Für die Gründung der Transfergesellschaft gibt es ein gesetzlich definiertes Verfahren. Es wird in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit umgesetzt. Beim Wechsel in eine Transfergesellschaft werden die Mitarbeiter für maximal ein Jahr weiter beschäftigt.

  • Was ist das Ziel der Transfergesellschaft?

    Transfergesellschaften haben ausschließlich das Ziel, die bei ihnen angestellten Beschäftigten so schnell wie möglich in neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. Wer in eine Transfergesellschaft wechselt, ist dort angestellt - nicht beim bisherigen Arbeitgeber. Die Schlecker-Mitarbeiter wäre also nicht mehr bei Schlecker beschäftigt, sondern in der neu gegründeten Transfergesellschaft.

  • Welche Unternehmen haben Transfergesellschaften genutzt?

    Einige große Konzerne haben in schweren Krisensituationen, in denen tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel standen, bereits Transfergesellschaften gegründet: Telekom, Opel, Infineon, der Autozulieferer Phoenix, die ehemalige Siemens-Tochter BenQ.

  • Welches Gehalt bekommen Transfergesellschaft-Beschäftigte?

    Rechtlich handelt es sich bei Transfergesellschaften um so genannte strukturelle Kurzarbeit. Das bedeutet, die Beschäftigten erhalten "Transferkurzarbeitergeld". Das beträgt 60 Prozent des Nettolohns für Mitarbeiter, die keine Kinder haben; Mitarbeiter mit Kind erhalten 67 Prozent des letzten Nettolohns. Diesen Betrag zahlt das Arbeitsamt aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung. In vielen Fällen stockt der ehemalige Arbeitgeber das Gehalt auf 80 Prozent auf.

  • Wie funktionierte die Transfergesellschaft bei Opel?

    Während der ersten Transfergesellschaft 2010 bekamen die Ex-Opelaner 80 Prozent ihres letzten Gehalts. Finanziert wurde das zu gleichen Teilen von der Arbeitsagentur und Opel. Ausgelegt war die Transfergesellschaft für zwölf Monate. Wer vorher einen neuen Job fand, bekam eine sogenannte Sprinter-Prämie: Für jeden Monat, den der Autokonzern das Gehalt nicht mehr zahlen musste, gab es 1000 Euro für die Ex-Mitarbeiter. So sollte ein Anreiz geschaffen werden, dass sich die Mitarbeiter nicht zwölf Monate lang weiterbezahlen lassen und dann erst aktiv nach Jobs suchen.

  • Wie finanzierte sich die Opel-Transfergesellschaft?

    Dem TÜV Nord standen Gelder aus dem Europäischen Globalisierungsfonds (EGF) in Höhe von 6,9 Millionen Euro zur Verfügung, um die Mitarbeiter weiterzubilden und zu vermitteln. „Wir hatten 4,3 Millionen Euro von Opel und die Möglichkeit bei Bedarf bis zu 6,9 Millionen Euro vom EGF abzurufen“, sagt Hermann Oecking, Geschäftsführer des TÜV Nord Transfer.

    „Beim EGF gab es zwei Fördertöpfe. Einen für die klassischen Qualifizierungsmaßnahmen und einen für sonstige arbeitsmarktpolitische Instrumente wie Job-Speed-Datings mit Arbeitgebern, Job-Messen und so weiter.“

    Abgerufen wurde laut dem  Bundesarbeitsministerium jedoch nur 3,182 Millionen Euro für Qualifizierung, Beratung und Betreuung der Beschäftigten nach dem Ausscheiden aus der Transfergesellschaft. Hinzu kamen nochmal 430.000 Euro für Verwaltungskosten des TÜV Nord. Nach den  EU-Vorgaben habe der TÜV Nord zuerst das von Opel zur Verfügung gestellte Geld ausgeben müssen. „Danach wurden mit  EGF -Gelder alle weiteren Maßnahmen ermöglicht, die für die berufliche Zukunft sinnvoll waren“, sagt er. „Mit dem Mittelabruf liegen wir im Durchschnitt vergleichbarer Transfergesellschaften. Dies hat das Bundesarbeitsministerium bestätigt."

Schmid bezeichnete es als „einen richtigen Schritt“, dass der Bund ein Zuweisungsgeschäft über die staatseigene KfW möglich macht. Bei der Absicherung des Kredits entfalle auf Baden-Württemberg etwa ein Zehntel-Anteil, also rund sieben Millionen Euro. Über eine weitere Beteiligung des Bundes müsse noch beraten werden.

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