Schokoladenhersteller: Ritter Sport – konsequent langweilig, aber erfolgreich

26. Dezember 2012
von Rebecca Eisert und Mario Brück

Warum Ritter Sport immer dasselbe und damit trotzdem vieles besser macht, als andere Traditionsmarken.

Im Grunde müsste sie nach Heu schmecken, ein bisschen Öko vielleicht – nicht zu süß und frech-pfeffrig im Abgang. Mit dieser Geschmacksnote hätte eine Tafel Ritter Sport alles, wofür das Unternehmen derzeit steht. In diesem Jahr haben die Waldenbucher ihren 100-jährigen Geburtstag gefeiert. Ein Jahrhundert, das ist mehr Tradition als viele andere Unternehmen verkraften – das Althergebrachte wird bei ihnen so sehr zum Kern der Marke, dass der Konsument den Staub förmlich auf der Zunge spürt.

Anzeige

Ritter Sport hat es geschafft sich den Knack zu bewahren. Dabei machen die Ritters eigentlich nichts besonderes, im Gegenteil – das Sortiment müsste man genau genommen als konsequent langweilig beschreiben.

In erster Linie gibt es Schokoladentafeln – quadratisch, praktisch gut, immer im selben Format. Manchmal scheint diese Beständigkeit am Firmenchef selbst zu knabbern. Während die Konkurrenz wie Lindt& Sprüngli und Milka die Supermärkte ab Oktober mit Weihnachtspralinen und Schokomännern schwemmt, gibt es von Ritter lediglich zwei spezielle Herbst-Wintergeschmackssorten in diesem Jahr Kokosmakrone und dunkle Nugatcreme. „Im Weihnachtsgeschäft sind wir unterrepräsentiert“, mäkelt Alfred T. Ritter in einem Interview, „aber stellen Sie sich mal einen quadratischen Schokoladen-Weihnachtsmann vor?“. Es muss eben alles ins Schema passen. Ritter ist konsequent, geradlinig, fast schon puristisch und das längst nicht nur, was die akkurat-quadratischen Tafeln betrifft.

BrandIndex Deutsche lieben Schokoladenhersteller

An Schoko-Nikoläusen, Dominosteinen und Pralinen kommt derzeit im Supermarkt niemand vorbei. Für Schokoladenproduzenten ist die Weihnachtszeit der jährliche Umsatzbringer. Doch welche Marken bevorzugen die Konsumenten?

BrandIndex: Deutsche lieben Schokoladenhersteller

Alfred Ritter ist überzeugter Öko-Unternehmer. Der 59-jährige Enkel des Firmengründers, gilt als einer der umtriebigsten Verfechter grüner Energien im Ländle. Als 1986 durch die Atomkatastrophe in Tschernobyl die komplette Haselnussernte verstrahlt wird, entschließt er sich selbst im Geschäft mit erneuerbaren Energien aktiv zu werden. Ein paar Jahre später ist er Mitbegründer der börsennotierten Freiburger Solarfabrik, eines der ersten Unternehmen, das sich in Deutschland mit der kommerziellen Anwendung der Fotovoltaik befasst hat. Zudem gründete der 59-jährige Chocolatier die heutige Ritter Energie- und Umwelttechnik.

Ritter Sport - die vergangenen Jahre in Zahlen

  • 2006 bis 2008

    Alarmstimmung im Hause Ritter: 2006 bis 2008 verlor Ritter Sport insgesamt 2,7 Millionen Euro. 2007 rutschte der Schokoladenhersteller schließlich in die roten Zahlen. Steigende Rohstoffpreise, unter anderem für Getreide, Milchprodukte und Nüsse, machten das Firmenüberleben noch schwieriger.

  • 2008

    Eine 100-Gramm-Tafel Schokolade wurde 2008 um ein Fünftel teurer. Das hievte das Familienunternehmen wieder knapp über die Nulllinie, doch der Umsatz ging weiterhin zurück.

  • 2009

    Die große Trendwende: Die Erlöse stiegen um 3,4 Prozent auf 290 Millionen Euro. Schon 2009 konnte bekannt gegeben werden, dass die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft war. Noch besser: Der Umsatz kletterte um 32 Millionen Euro auf den Rekordwert von 330 Millionen Euro.

  • 2010

    Gründerenkel Alfred T. Ritter setzte auf zeitlich limitierte Angebote besonderer Sorten und die Riesentafeln von 250 Gramm. Damit konnte er die Erlöse wieder ankurbeln.

  • 2011

    Zum Jahresbeginn 2012 heißt es, dass wegen steigernder Rohstoffpreise etwa für Milch, Zucker oder Nüsse der Gewinn im Vorjahr ziemlich dünn ausgefallen sei. Die steigenden Rohstoffkosten drückten die Gewinnzahl merklich. Allein der Haselnusseinkauf für das Jahr 2012 habe sieben Millionen Euro mehr gekostet als eingeplant

  • 2012

    Derzeit werden im Schwabenland täglich rund 2,5 Millionen Tafeln – 24 fixe und je drei saisonale Sorten - produziert.

Das Unternehmen produziert unter anderem Kollektoren, die Sonnenlicht zur Erwärmung von Wasser nutze; die sogenannte Solarthermie. 2009 erlitt die Ökofirma jedoch einen schweren Umsatzeinbruch, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Grund: Die immer billiger gewordene Fotovoltaik hat der Solarthermie den Rang abgelaufen.

Anders als viele Konkurrenten macht auch die Solar-Fabrik derzeit Gewinn. Doch der Kurs der Aktie ist tief gefallen: Derzeit notiert das Papier bei 2,55 Euro. Im April 2007, auf dem Höhepunkt des Solarhypes, standen die Kurse zeitweise sogar mehr als zehnmal so hoch. Ritters Aktienpaket von 19 Prozent wurde damals mit rund 50 Millionen Euro bewertet. Daran gemessen liegt sein Buchverlust heute bei rund 45 Millionen Euro.

Von solchen Berechnungen will der Solarmäzen aber wenig wissen. Er hält unbeirrbar an seinem Engagement fest, wie er der WirtschaftsWoche sagt: „Solarthermie und Fotovoltaik sind für mich klare Zukunftstechnologien, deren technologische Marktführerschaft derzeit in Deutschland liegt.“

Anzeige
Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 28.12.2012, 18:11 UhrChclt.net

    Das ist ja ein lustiges Verständnis davon, wie ein Konzern wie Kraft funktioniert: Frischkäse teurer machen damit die Schokolade defizitär bleiben kann. WiWo, vielleicht etwas mehr WiWi?

  • 26.12.2012, 13:19 UhrJosef_Aeg

    Eigentlich müsste mir das mal einer erklären, was Herr Ritter den Hedgefonds vorwirft.
    Sie lagern ein - und verkaufen in Zeiten der Knappheit.
    Das müsste logischerweise die Preise eher gleichmäßig halten.
    Und - wenn ich das aus dem Kindergottesdienst vor 50 Jahren noch
    richtig in Erinnerung habe - hat es Josef in Ägypten schon genau
    so gemacht, und das war angeblich gut!

Alle Kommentare lesen

WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: BW PARTNER
  • Branchenführer: Allen & Overy LLP
  • Branchenführer: BENKERT + PARTNER

WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.