Serie Wirtschaftswelten 2025: Jetzt rüsten Deutschlands Händler auf

ThemaEinzelhandel

Serie Wirtschaftswelten 2025: Jetzt rüsten Deutschlands Händler auf

Bild vergrößern
von Henryk Hielscher, Stephan Happel und Peter Steinkirchner

Mit Shopping-Apps, elektronischen Preisschildern und Datenanalysen im großen Stil wollen Handelskonzerne die Abwanderung der Kunden ins Internet parieren. Welche Blüten die Aufrüstung im Handel treibt.

Die jüngste Attacke auf den deutschen Einzelhandel kommt etwas klobig daher: ein Nassrasierer von Gillette, drapiert auf einer dicklichen schwarzen Plastikablage. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht ein blau leuchtender Knopf mit der Aufschrift „Order“ an der Halterung. Stellt Mann morgens fest, dass der Vorrat an Rasierklingen zu Ende geht, genügt ein Knopfdruck. Tags darauf sollen neue Klingen im heimischen Briefkasten landen – bequem, schnell und ohne eigens einen Drogeriemarkt ansteuern zu müssen. Ein Funkchip im Gehäuse macht es möglich.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Hersteller von Kaffeekapseln, Staubsaugerbeuteln oder Zahnbürstenaufsätzen mit ähnlichen Ideen aufwarten und dem klassischen Handel wieder ein paar Millionen Euro Umsatz wegrasieren.

Anzeige

So geht es seit Jahren. Milliardenumsätze verlagern sich aus den Geschäften vor Ort – rein ins Netz, hin zu den Versandgiganten wie Amazon und Zalando, aber auch immer stärker in die Online-Shops von Markenherstellern.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

Der Trend wird sich in den kommenden Jahren noch beschleunigen. Keine Nische scheint zu klein, als dass sich nicht Internet-Angreifer mit Verve und reichlich Investorengeld auf sie stürzen würden. Selbst für Warengruppen, die noch vor Kurzem als Web-untauglich galten wie Brillen, Möbel oder Lebensmittel, ziehen Internet-Giganten und Start-ups neue Online-Marktplätze hoch, fabrizieren wie einst am Fließband die passenden Smartphone- und Tablet-Angebote.

Läden mit Web-Angeboten verknüpft

Doch die Platzhirsche der Citys schlagen zurück. Sie vernetzen, verzahnen und verknüpfen ihre Läden mit eigenen Web-Angeboten und rüsten ihre Shops zu Technologieparks hoch, die in Zukunft ganz neue Einkaufserlebnisse ermöglichen sollen.

Wie wäre es etwa mit Happy-Hour-Preisen, wenn der Laden gerade leer ist? Elektronische Etiketten, wie sie Rewe oder Media Markt derzeit flächendeckend in ihren Geschäften einführen, machen es in den kommenden Jahren möglich. Oder was wäre mit Sensoren in den Läden, die die Datenspuren von Handys auswerten und den Kunden direkt ansprechen? So sind Werbeattacken denkbar, die die personalisierten Shopping-Empfehlungen von Amazon aussehen lassen wie die Faltblatt-Reklame einer Pizzabude.

Ein technologisches und finanzielles Wettrüsten hat begonnen, das die Handelswelt von Grund auf verändern wird.

Download für 1,99 Euro Wie deutsche Städte für den digitalen Wandel im Handel gerüstet sind

Eine Studie im Auftrag der WirtschaftsWoche zeigt, welche Städte abseits der Metropolen für den digitalen Wandel im Handel gerüstet sind – und welche nicht.

Studie Handel

Lieferservice für Lebensmittel

Das Fabrikloft in Köln-Mülheim wirkt wie eine Mischung aus nüchternem Großraumbüro und Abenteuerspielplatz. An langen Reihen mit Computern sind junge Menschen in ihr digitales Tagwerk vertieft. Projektpläne und Ablaufskizzen zieren die Wände, die wie Tafeln bekritzel- und wieder abwaschbar sind. Weiter hinten führt eine Sprossenleiter hinauf zu einem schwarzen Netz. Beim Relaxen in der zu groß geratenen Hängematte sollen ausgelaugte Entwickler neue Kreativkraft tanken, gilt es doch, den Handelsriesen Rewe in die Zukunft zu befördern.

Das Thema ist Chefsache. „Wohin der Online-Zug fährt, weiß niemand genau, wie schnell er fährt, auch nicht“, umschrieb Rewe-Chef Alain Caparros kürzlich die Lage, „ich weiß nur, dass wir an Bord sein müssen.“ Wenn man so will, ist die Fabriketage in Köln-Mülheim nun der Bahnhof des Konzerns. Von hier aus baut Rewe seinen Lieferservice für Lebensmittel auf und lotet Beteiligungen an Start-ups aus.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%