Shopping-Meilen: "Sonderangebote sind wie eine Droge"

Shopping-Meilen: "Sonderangebote sind wie eine Droge"

Viele Händler stehen unter Druck. Denn das Geschäft in der ersten Jahreshälfte war mau. Knallrote Rabatt-Schilder dominieren derzeit das Bild in vielen Fußgängerzonen. Die Modegeschäfte locken mit 30, 50 oder gar 70 Prozent Nachlass. Für den Handel wird das gefährlich.

Sale, Sale, Sale: In Deutschlands Innenstädten hat wieder die große Zeit der Sonderangebote begonnen. Kurz vor Beginn der Sommerferien in den meisten Bundesländern setzen immer mehr Modehändler den Rotstift an und locken mit hohen Preisabschlägen.

„Es gibt mehr Rabattaktionen als in der Vergangenheit und sie fangen immer früher an“, beobachtet Joachim Stumpf von der Münchner Handelsberatung BBE. Kein Wunder, findet der Handelsexperte, denn die Boutiquen und Modegeschäfte in den Einkaufsstraßen stünden massiv unter Druck - einerseits durch den Online-Handel, andererseits durch Billiganbieter wie Primark oder TK-Maxx.

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Getrieben wird die Flut der Sonderangebote in diesem Jahr noch durch den schlechten Geschäftsverlauf seit Weihnachten. Laut einer Marktstudie des Branchenfachblatts „Textilwirtschaft“ lagen die Umsätze im stationären Textilhandel im Januar, Februar, April und Mai deutlich unter dem Vorjahresniveau - zum Teil um bis zu neun Prozent. Lediglich im März sorgten ein paar unerwartet frühe, sommerliche Tage für eine stärkere Kauflust. Doch Hoffnungen des Handels, damit beginne eine längere Markterholung, erfüllten sich nicht. Es blieb ein Strohfeuer.

Die beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands 2017

  • Methodik

    An einem Wochentag und einem Samstag im März und April wurden händisch an mehr als 100 Zählpunkten in 36 deutschen Städten die Zahl der Passanten erfasst. Von Papenburg mit 35.000 Einwohnern bis Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern. Berücksichtigt wurde dabei auch das Wetter. Quelle: Engel & Völkers Commercial, Passantenfrequenzzählung 2017, 01.04.2017

  • Platz 10

    Hamburg

    Einkaufsstraße: Spitalerstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9248
    2016: 7564
    Differenz (2017/2016): +22%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 09

    Freiburg

    Einkaufsstraße: Kaiser-Joseph-Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9594
    2016: 1623
    Differenz (2017/2016): +491%

    Wetter: sonnig

  • Platz 08

    Köln

    Einkaufsstraße: Hohe Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 9717
    2016: 8800
    Differenz (2017/2016): +10%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 07

    Dortmund

    Einkaufsstraße: Westenhellweg

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 10.946
    2016: 9113
    Differenz (2017/2016): +20%

    Wetter: bewölkt/Regenschauer

  • Platz 06

    Frankfurt

    Einkaufsstraße: Zeil

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 11.354
    2016: 10.145
    Differenz (2017/2016): +12%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 05

    Hannover

    Einkaufsstraße: Georgstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 14.189
    2016: 8583
    Differenz (2017/2016): +65%

    Wetter: sonnig

  • Platz 04

    München

    Einkaufsstraße: Kaufingerstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 14.816
    2016: 17.653
    Differenz (2017/2016): -16%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 03

    Köln

    Einkaufsstraße: Schildergasse

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 15.089
    2016: 11.201

    Differenz (2017/2016): +35%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 02

    München

    Einkaufsstraße: Neuhauser Straße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 15.248
    2016: 17.010

    Differenz (2017/2016): -10%

    Wetter: sonnig/bewölkt

  • Platz 01

    Stuttgart

    Einkaufsstraße: Königstraße

    Durchschnittliche Passantenfrequenz pro Strunde
    2017: 17.018
    2016: 7.430

    Differenz (2017/2016): +129%

    Wetter: sonnig/bewölkt

Und so beherrschen in diesem Jahr schon mehr als einen Monat vor dem „offiziellen“ Sommerschlussverkauf knallrote Ausverkauf-Schilder die Schaufenster. In edleren Läden verweist manchmal nur ein kleines Metallschild auf die preisreduzierte Sommerware, die im Inneren wartet. Doch überall herrscht das gleiche, eigentlich absurde Prinzip: Gerade zu der Zeit, zu dem es in Deutschland wirklich Sinn macht, luftige Sommerkleider oder neue T-Shirts zu kaufen, muss dafür niemand mehr den vollen Preis zahlen. Es gibt sie ja massenhaft im Sonderangebot.

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