Sneaker: Von der Straße zum Kultobjekt

Sneaker: Von der Straße zum Kultobjekt

, aktualisiert 04. November 2016, 15:27 Uhr
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Sammler legen für ein seltenes Paar viel Geld auf den Tisch.

von Noah GottschalkQuelle:Handelsblatt Online

Der Sneaker erlebt einen Boom: War er früher ein Schuh für die Straße, gilt er heute als Lifestyle-Produkt, das es auf die Catwalks der Modemetropolen schafft. Manchen dienen die Treter aus Plastik sogar als Geldanlage.

KölnSchon früh erkannte Marc Leuschner das Potenzial in den Schuhen aus Plastik. Seit 2003 betreibt er den Overkillshop, einen Laden in Berlin sowie einen Online-Shop ausschließlich für Sneaker. „Das Geschäft läuft gut, besonders innerhalb der letzten vier Jahre sind die Verkäufe angestiegen“, sagt der 30-Jährige. Er verdient mit dem Verkauf der Lifestyle-Produkte seinen Lebensunterhalt.

Der Sneaker hat in den vergangenen Jahren einen ordentlichen Image-Aufschwung erlebt. Er liegt im Trend. Mittlerweile kann man den Schuh auch auf den Catwalks der Modemetropolen bewundern. Marc Leuschner spricht gar von einem „Hype“ mit einer riesigen Community. Wie groß diese Fangemeinde ist, merkt Leuschner in seinem Laden.

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Der Overkillshop gehört nach eigenen Angaben zu den größten Sneaker-Shops in Europa. Hier gibt es auch die ganz seltenen Modelle. Auf diese hat nämlich nicht jedes Geschäft Zugriff. „Den muss man sich erst verdienen. Verkäufer werden dazu von den Marken in verschiedene Kategorien eingeteilt“, erklärt Leuschner. Sein Shop hat die höchste Zugriffskategorie, dementsprechend groß sind die Auswahl und die Kundschaft.

Zuletzt präsentierte sich Leuschner in Köln auf der Sneakerness, einer Messe rund um den Sneaker. Sein teuerster Schuh kostete dort 3.500 Euro – ein Nike Airmax. Das Besondere: Diesen Schuh gibt es tatsächlich nur einmal. Er ist ein Muster der Produktion, die finale Version wurde noch einmal ein wenig verändert. „Hinzu kommt, wir haben den hier in einer Frauengröße. Das ist besonders selten für ältere Schuhe, damals gab es die nur für Herren“, erklärt Marc Leuschner.

Aber woher kommt der Trend zu immer auffälligeren, bunteren Schuhen? In seiner Grundform ist der Sneaker ein rein amerikanisches Phänomen. „In den 80ern ging der Hype langsam los. Adidas brachte seinen Superstar gemeinsam mit der Hip-Hop-Gruppe Run DMC auf den Markt“, sagt Steffen Methner. Er ist der Chef der Sneakerness. Früher waren Sneaker Schuhe für die Straße – Rapper, Hiphopper oder Basketballer waren damit unterwegs. Heutzutage tragen in New York sogar Männer mit Anzug und Krawatte „untenherum“ einen Sneaker.


Wenn Sneaker so teuer wie eine Wohnungsmiete sind

Der richtige Durchbruch kam vor etwa zehn Jahren, als erste Prominente aus der Film- und Musikbranche mit ihrem Gesicht für die Schuhe warben. Darunter Rapper Kanye West, der gemeinsam mit Adidas den Yeezy Boost vermarktet. Das verleiht Star-Appeal und kommt vor allem bei der jungen Kundschaft an. Denn ein Leben als Sneaker-Fanatiker beginnt schon früh auf dem Schulhof.

Gerade diese junge Zielgruppe, die ihren Idolen nacheifern möchte, ist für Sonder-Editionen empfänglich. Künstliche Verknappung lautet das Stichwort. Durch besonders geringe Mengen, die von einem Exemplar produziert werden, bekommt es den Anschein von Exklusivität. Der Besitzer fühlt sich besonders, er ist einer von ganz wenigen, die diesen Schuh besitzen. Für dieses Gefühl der Besonderheit sind die Kunden auch bereit, mehr Geld auszugeben. Das spült Geld in die Kassen der Marken und Testimonials.

Mancher nutzt den Sneaker sogar als Geldanlage. Steffen Methner hat da früher selber mitgemacht: „Natürlich ist das eine Wertanlage. Wie bei allem anderen steigt auch beim Sneaker mit den Jahren der Preis.“

Komisch werde es aber, wenn ein Schuh soviel koste wie eine Wohnungsmiete, meint der Sneakerness-Chef. Im Nachhinein bereut er auch den Verkauf seiner Schuhe: „Die hatten einen hohen emotionalen Wert für mich.“ Wenn man aber Geld brauche, liege ein Verkauf nahe.

Denn selbst nach Jahren haben Sammler das Interesse an den seltenen Sneakern nicht verloren. Einzige Voraussetzung: Der Schuh darf nicht getragen worden sein, originalverpackt ist er am wertvollsten. Dann kann man ihn eventuell Jahre später wieder gewinnbringend verkaufen.

Marc Leuschner sieht diese Praxis kritisch: „Diejenigen, die Sneaker nur für das Business kaufen und unser Hobby ausnutzen, machen die Community kaputt“, sagt er. „Absolut ungeil ist das.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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