Spar-Diktat und Dividendenkürzung: Handelskonzern Metro taumelt in Depression

ThemaMetro

Spar-Diktat und Dividendenkürzung: Handelskonzern Metro taumelt in Depression

Bild vergrößern

Wenig Aufbruch, viel Rückzug. Konzernchef Koch hat Metro auf Schrumpfkur gesetzt

von Henryk Hielscher

Dax-Rauswurf, Spardiktat, Dividendenkürzung: Der Düsseldorfer Handelskonzern taumelt in die Depression. Ausgerechnet der deutsche Ableger der Großmarktsparte gilt als größte Baustelle des Metro-Reichs.

Fenster barsten, in den Büroräumen stürzte die Decke ein. Der Meteoritenschauer, der am 15. Februar über der russischen Stadt Tscheljabinsk niederging, erwischte auch den örtlichen Metro-Großhandelsmarkt. Der Schaden war überschaubar. Doch kaum verbreiteten Nachrichtenagenturen die Meldung über den Metro-Meteoriten, lieferten Mitarbeiter in der Zentrale des Handelskonzerns eine etwas andere Erklärung für das zerstörerische Phänomen: "Da war bestimmt Koch in der Nähe", spottete eine Metro-Kraft in Düsseldorf über den Vorstandschef und brachte damit die Gemütslage in der Belegschaft, aber auch unter vielen Aktionären auf den Punkt.

Bilanz 2012 Metro muss drastischen Gewinneinbruch verkraften

Gesunkene Kauflaune in den Krisenländern, Preisdruck durch das Internet und ein teurer Konzernumbau: Der Handelsriese Metro hat im Jahr 2012 nur noch einen Bruchteil des üblichen verdient.

Quelle: dpa

Olaf Koch, seit Januar 2012 an der Metro-Spitze, hat derzeit einen miserablen Lauf. Was er auch anpackt, es scheint zu misslingen. Was er auch ankündigt, es klingt weniger nach Aufbruch als nach Rückzug, mehr nach Sparprogramm denn nach strategischem Neuanfang. "Olaf im Pech" ließe sich die bisherige Bilanz seines Wirkens auf dem Chefposten zusammenfassen.

Anzeige

Neue Sparrunden für Metro-Mitarbeiter

Unter seiner Ägide flog der Konzern, zu dem neben den Großhandelsmärkten die Warenhauskette Kaufhof, die Real-Verbrauchermärkte und die Elektronikketten Media Markt und Saturn gehören, aus dem deutschen Börsen-Leitindex Dax. Koch sorgte dafür, dass sich Media Markt aus China zurückzieht und das Osteuropa-Geschäft von Real verkauft wurde – Märkte, die lange als Wachstumsgaranten galten. Wenn er am Mittwoch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2012 präsentiert, muss er seinen Aktionären einen massiven Gewinneinbruch erklären: Die Erträge nach Steuern und Sondereffekten dürften an der äußersten Schmerzgrenze liegen, heißt es intern. Die Anteilseigner schockte er unlängst mit einer Dividendenkürzung, und auch die Metro-Mitarbeiter müssen sich auf neue Sparrunden einstellen.

Das Metro-Reich

  • Westeuropa (ohne Deutschland)

    In Westeuropa (ohne Deutschland) werden 31 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 20,86 Mrd. Euro

    Schuldenkrise trübt Einkaufslust, Rezessionsgefahr, verspäteter Einstieg in den Online-Handel rächt sich

  • Deutschland

    In Deutschland werden 59 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 25,87 Mrd. Euro

    Verkauf von Kaufhof und Real Deutschland bisher gescheitert, Überkapazitäten im Großhandel, harter Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel

  • Osteuropa

    In Osteuropa werden 25 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 16,95 Mrd. Euro

    Starkes Wachstum in Russland und der Türkei, in Zukunft härterer Wettbewerb

  • Asien, Afrika

    In Asien und in Afrika werden 5 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet.

    Umsatz: 16,95 Mrd. Euro

    Zögerliche Expansion, geringe Marktdurchdringung

"Wir stellen alle Kosten infrage, in der Verwaltung, den Landesgesellschaften, auf der Fläche und natürlich auch im Vorstand", hatte Koch vor Kurzem bereits angedeutet. In der Praxis heißt das: Economy statt Businessclass auf Flugreisen, dezimierte Bonuszahlungen für die Mitarbeiter und Stellenstreichungen. Nach Informationen der WirtschaftsWoche werden allein in der deutschen Großmarktsparte Cash & Carry in diesem Jahr knapp 240 Vollzeitstellen wegfallen.

Zahlen des deutschen Ablegers sind katastrophal

Notwendige Schrumpfkur oder übertriebenes Spardiktat? Kochs Unterstützer im Unternehmen argumentieren, der Manager habe dem von seinen Vorgängern aufgeblähten Konzern harte Einschnitte verordnen müssen. Die gingen zwar mit Anpassungsschmerzen einher, führten aber auf Dauer zur Gesundung. Koch-Skeptiker vermissen bei all dem Abbau klare Aussagen, wo der Konzern hinsteuert und wo sich wieder Wachstumschancen bieten. Sie befürchten, dass sich "eine depressive Grundhaltung" über den Konzern gelegt habe, wie es ein Aufsichtsrat formuliert.

Trübe Stimmung herrscht vor allem in der Großmarktsparte, die weltweit für 31,6 Milliarden Euro und damit für fast die Hälfte des Konzernumsatzes steht. Ausgerechnet der deutsche Ableger, die Keimzelle des Metro-Konzerns, ist seit Jahren ein Sanierungsfall und gilt innerhalb des Metro-Reichs als eine der größten Baustellen. Noch immer steuern die deutschen Märkte rund fünf Milliarden Euro zum Konzernumsatz bei. Angaben zum Ergebnis veröffentlicht Metro Deutschland nicht. In einer internen Mitteilung des Betriebsrates heißt es jedoch: "Was sollen wir sagen… Die Zahlen national sind katastrophal."

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%