
Franz Julen lehnt sich entspannt zurück. „Um drei bis fünf Prozent wird unser Umsatz in diesem Jahr steigen“, sagt der Chef der Intersport International Corp. (IIC), der Dachgesellschaft der weltweit 5400 Intersport-Händler. Damit hätte die Sport-Handelskette die Zehn-Milliarden-Euro-Schallmauer durchbrochen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz von Intersport bei 9,9 Milliarden Euro. Überall sparten die Menschen in Krisenzeiten, sagt Julen, „beim Sport allerdings zuletzt.“
Vor allem der Fußball treibt das Wachstum. Etwa 900 Millionen Euro, sagt Julen, werde Intersport im kommenden Jahr mit Fußballartikeln umsetzen. Ein Jahr später dürfte die Eine-Milliarde-Euro-Grenze durchstoßen werden. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz mit Fußballartikeln bei 850 Millionen Euro.
Sowohl Adidas als auch Nike beliefern Intersport mit Fußballschuhen in eigens für die Sporthandelskette entwickelten Farben. Weltweit spielen inzwischen 80 Fußballstars in Adidas-Tretern mit Intersport-Farbgebung, unter ihnen auch Bayern-Star Arjen Robben.
Bild: FotoliaEs ist wieder so weit: Europa feiert wieder ein Fußballfest und die deutschen Fiebern jetzt schon mit Jogi Löw und seiner Elf. Und auch die Wirtschaft kann sich freuen, denn so manches Produkt verkauft sich zu EM-Zeiten deutlich besser als sonst.
- Bild: Panini
Panini
Alle Jahre wieder, heißt es definitiv für die kleinen Bildchen der internationalen Fußballstars. Die Panini-Bilder sind noch immer beliebt und für den Panini Verlags ist es immer wieder ein gutes Geschäft. In diesem Jahr übertreffen die Umsatzzahlen rund drei Wochen nach Verkaufsstart die Zahlen von der letzten EM 2008. Damit ist Panini auf dem besten Weg den EM-Rekord von 50 Millionen verkauften Tütchen zu brechen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir diese Bestmarke übertreffen werden‘‘, sagt Panini-Geschäftsführer Frank Zomerdijk.
Bild: FotoliaTipp-Kick
Auch dem Spielehersteller Tipp-Kick beschert die Die Fußball-Europameisterschaft Gewinne. Tipp-Kick verzeichne zweistellige Zuwachsraten, so das Unternehmen aus Villingen-Schwenningen. Um die Nachfrage der Fußballfans zu decken sei die Produktion hochgefahren worden, hieß es.
Bild: FotoliaFußball-Trikots
Das Deutschlandtrikot wird beim Public Viewing vielerorts wieder aus dem Schrank geholt oder ein neues gekauft, aber selbst ohne das offizielle Trikot zu führen, verdienen Unternehmen am Trikotverkauf. „Viele Firmen geben rund um die EM Bestellungen für eigene Trikots auf. Daran können wir zusätzlich verdienen“, sagt etwa Volker Hummler vom Sportversand Hummler.
Bild: dpa/dpawebTischfußball
Der Kickertisch ist gerade während Fußballfesten ein gern gesehenes Spielzeug. Deshalb merken gerade zur Hochsaison der internationalen Wettkämpfe Verleiher und Verkäufer einen Zuwachs. Der Essener „Kicker“-Händler Automaten Hoffmann etwa spricht von einem „merklichen Umsatzanstieg“. Allerdings werden hier die Zahlen längst nicht verdoppelt nur dank einer EM, dafür sind die Tische meist zu teuer. Ein Kickertisch ist schließlich kein Deutschlandfähnchen.
Bild: dpaFahnen
Im Fanartikel-Segment schießen dank der Fußballfeste die Zahlen in die Höhe. Ralf Kaiserauer, Inhaber des Online-Versandhandels „Fanartikel-Shop“, spricht von extremen Umsatzsprüngen: „WM und EM sind ganz klar Zugpferde.“ Zu den meist verkauften Artikeln gehören dabei Fahnen jeder Art, vor allem aber die Außenspiegel-Fähnchen für das Auto. Aber auch...
Bild: dapdHüte und Hawaiiketten
...Kleidungsstücke für den Fußgänger sind Bestseller: Hüte und Hawaiiketten im schwarz-rot-goldenen Look verkaufen sich sehr gut, sagt Fanartikel-Verkäufer Kaiserauer. Übrigens laufen auch in Deutschland Fanartikel anderer Länder gar nicht so schlecht und der Umsatz von Hüten, Perücken und Co steigt übrigens von Spiel zu Spiel. Geht es in die K.o.-Spiele explodiert die Nachfrage noch einmal, so Kaiserauer.
Bild: dpaFernseher
Die TV-Branche hofft ebenfalls auf große Gewinne. Der Branchenverband ZVEI rechnet in den nächsten Monaten dennoch mit steigenden Absätzen. „Das zweite Quartal mit der Fußball-Europameisterschaft wird bombastisch“, sagte ZVEI-Vizepräsident Hans-Joachim Kamp. Das ermuntert die Elektromärkte Media Markt und Saturn, auch diesmal wieder mit Werbeaktionen in die Offensive zu gehen.
Bild: dpaBier
Ähnlich sieht es bei den Bierbrauer in Deutschland aus: Auch sie hoffen darauf, dass das deutsche Team die Fans lange mit Siegen bei Laune hält. „Kurzfristig belebt eine Fußball-Europameisterschaft schon den Bierabsatz“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes. Doch das Geschäft kann auch buchstäblich ins Wasser fallen. Denn wenn die Brauereien zwischen großem Fußballturnier und einem guten Sommer wählen dürften, würden sie viel Sonne den Vorzug geben - dies wirke sich langfristig stärker auf den Umsatz aus.
Es ist wieder so weit: Europa feiert wieder ein Fußballfest und die deutschen Fiebern jetzt schon mit Jogi Löw und seiner Elf. Und auch die Wirtschaft kann sich freuen, denn so manches Produkt verkauft sich zu EM-Zeiten deutlich besser als sonst.
Die Fußball EM in Polen und der Ukraine wertet Julen, der die Intersport-Gruppe von Bern aus führt, als vollen Erfolg. Die Verkäufe von Sportartikeln wie Trikots und T-Shirts in den EM-Stadien lagen um 46 Prozent über denen von 2008. „Das lag auch daran, dass große Mannschaften wie Spanien, Italien und Deutschland bis zum Schluss dabei waren. Während einer EM liegt der Intersport-Umsatz üblicherweise um fünf bis 15 Prozent über den Umsätzen zu normalen Zeiten.
Etwa ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet Intersport in Deutschland. Die Sport-Handelskette hat einen exklusiven Vertrag mit der Uefa. Das Abkommen, das noch bis 2018 läuft, sichert Intersport unter anderem Verkaufsflächen in Stadien bei EM- und Champions-League-Spielen. Doch Julen denkt schon weiter. Derzeit verhandelt der Schweizer mit der Fifa, um künftig auch bei Fußballweltmeisterschaften dabei sein zu können.
Etwa 80 Prozent des Geschäftes bei Intersport entfällt derzeit auf Westeuropa. Doch der Anteil dürfte in den nächsten Jahren schrumpfen. Die Handelskette wächst vor allem in Osteuropa, dem Nahen Osten und Asien. Neun Läden betreibt Intersport inzwischen in Südkorea. Auch in China eröffnet der Händlerverbund Geschäfte. „Bis 2020 wollen wir in Asien 500 Läden haben“, sagt Julen. Der Umsatzanteil, den Westeuropa beisteuert, dürfte bis dahin auf 75 Prozent geschrumpft sein.
Ein weiterer Faktor, der die Umsätze treibt, sind die Verkäufe bei Frauen. „Frauen haben heute mehr Geld als früher und sind unabhängiger“, hat Julen beobachtet. Außerdem trügen weibliche Fans bei Spielen heute immer häufiger Trikots. Daher gibt es die Jerseys inzwischen auch mit Frauen-Schnitt. Auch gingen Frauen heute öfter ins Stadion als früher, so Julen. „Vermutlich auch, weil die modernen Stadien sicherer und sauberer sind.“
























