Bild: dpaEinst der Drogeriemarkt-König Europas, jetzt steht Anton Schlecker im Visier der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Am 18.Juli haben Ermittler des Landeskriminalamts bundesweit Geschäftsräume und Privatwohnungen durchsucht. Der Verdacht lautet auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott. Es ist der vorläufige traurige Höhepunkt der Karriere des 67-Jährigen, die in der Metzgerei des Vaters begann...
Bild: APMit 21 Jahren wird Anton Schlecker Baden-Württembergs jüngster Metzgermeister. Sein Vater hatte 1950 die erste Metzgereifiliale in Ehingen eröffnet. Bis heute ist das Gebäude in Familienbesitz. Die Einwohner nennen es den Ur-Schlecker. Anton Schlecker tritt zunächst die Fußstapfen seines Vaters und macht eine Metzger-Lehre. Nach dem Wehrdienst studiert er Lebensmittelhandel an der Hochschule Hochheim. Im schwäbischen Göppingen lernt er seine zukünftige Frau Christa kennen.
Bild: dpa1970 heirateten die beiden. Ein Jahr später kommt Sohn Lars zur Welt, Tochter Meike wird 1973 geboren. 2010 steigen die Schlecker-Kinder ins Management des Konzerns ein.
Bild: dpaPremiere: 1975 eröffnet Anton Schlecker in Kirchheim-Teck die erste Schlecker-Filiale. Das Konzept des Drogerie-Discounters kommt gut an. 1977 sind es bereits 100 Filialen, 1984 sind es 1000.
Bild: AP1987 erweitert Anton Schlecker sein Imperium auf den Nachbarstaat Österreich. In den kommenden Jahren folgen weitere Filialen in anderen europäischen Ländern.
Bild: dpa1987 ist ein Schicksalsjahr für die Familie Schlecker. Meike (14) und Lars (16) werden aus der heimischen Villa von drei Kidnappern entführt, Christa Schlecker wird niedergeschlagen. Anton Schlecker soll 9,6 Millionen Euro Lösegeld bezahlen. Bei der Geldübergabe flüchten die Täter, Meike und Lars können sich selbst befreien. Seit diesem tragischen Vorfall meidet die Familie die Öffentlichkeit. Die Kidnapper werden später bei einem Banküberfall geschnappt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Bild: dpa1998: Zehn Monate Bewährungsstrafe und eine Millionenstrafe wegen Betrugs. So lautet das Urteil gegen Christa und Anton Schlecker. Über Jahre haben sie ihren Mitarbeitern einen tariflich geregelten Lohn zugesichert. Tatsächlich fiel der Lohn wesentlich geringer aus.
Bild: dapdAuf dem Höhepunkt seiner Karriere besitzt Anton Schlecker 14166 Filialen in 17 Ländern. Ende des Jahres 2007 verbucht das Unternehmen aber bereits 33 Millionen Euro Minus. Es ist der Anfang des Endes.
Bild: dpaDas Schlecker Imperium beginnt zu bröckeln. Seit den Vorwürfen, Schlecker habe Mitarbeiter ausspioniert, startet das Unternehmen 2010 eine neue Marketingstrategie. For you –vor Ort heißt der neue Slogan und soll neue Kunden in die modernisierten Filialen locken.
Bild: dpaBaden-Württemberg stellt 2012 eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Mit diesem Kredit soll Schlecker eine Auffanggesellschaft gründen. Zunächst sollen sich auch der Bund und andere Länder beteiligen. Doch der Plan scheitert am Widerstand der FDP. Eine 70 Millionen Euro Kreditbürgschaft lehnt das Bundeswirtschaftsministerium ab. Ab April 2012 stehen 10000 Beschäftigte auf der Straße.
Einst der Drogeriemarkt-König Europas, jetzt steht Anton Schlecker im Visier der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Am 18.Juli haben Ermittler des Landeskriminalamts bundesweit Geschäftsräume und Privatwohnungen durchsucht. Der Verdacht lautet auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott. Es ist der vorläufige traurige Höhepunkt der Karriere des 67-Jährigen, die in der Metzgerei des Vaters begann...
Die Staatsanwaltschaft wirft Drogerieunternehmer Anton Schlecker laut einem „Spiegel“-Bericht vor, schon Jahre vor der Insolvenz Teile seines Vermögens in Sicherheit gebracht zu haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf den Durchsuchungsbeschluss gegen Schlecker. Schon als die Umsätze 2008 und 2009 dramatisch einbrachen, habe der 67-Jährige erkannt, „dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens drohte“. Von dieser Zeit an hätten „verdächtige unentgeltliche Vermögensübertragungen auf Familienangehörige“ begonnen, zitierte der „Spiegel“ aus dem Beschluss.
Die Vorwürfe im Verfahren gegen Anton Schlecker
Insolvenzverschleppung
Dieser Straftatbestand besagt im Kern, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz „nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig“ bei Gericht angezeigt wird. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Anders als etwa bei einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft greift das Gesetz nicht für den eingetragenen Kaufmann (e.K.), weil der nämlich keine juristische Person ist. Beim Dachunternehmen Anton Schlecker e.K. ergibt sich somit keine Handhabe, sehr wohl aber bei den Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker XL, die als GmbH & Co. KG beziehungsweise GmbH firmierten.
Untreue
Kann laut Paragraf 266 im Strafgesetzbuch vorliegen, wenn jemand die ihm anvertraute Macht missbraucht und die Pflicht zur Betreuung eines Vermögens verletzt. Bei dem Geschäftsführer einer Firma kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn er Firmenvermögen unter Wert verkauft und so nicht den Gegenwert erzielt, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Es drohen fünf Jahre Haft oder Geldstrafen.
Bankrott
Dieser Straftatbestand hängt eng mit einer Insolvenz zusammen, denn „wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit“ beispielsweise Werte für die mögliche Insolvenzmasse zur Bedienung der Gläubiger verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Belangt werden kann auch jemand, der die Bücher einer Firma nicht oder nicht ausreichend führt oder aufbewahrt.
Als Beispiel werde unter anderem die Übertragung des Familienanwesens in Ehingen genannt. Die Familienvilla im Wert von angeblich 20 Millionen Euro sei übertragen worden, die Zentrale der Tochter Ihr Platz verkauft. Außerdem habe Schlecker seiner Frau ein nach Ansicht der Stuttgarter Staatsanwaltschaft überhöhtes Gehalt von 60.000 Euro im Monat bezahlt. Die Ermittler werfen Schlecker dem Bericht zufolge außerdem vor, die Drogeriemarkt-Kette durch eine Art „Schnellballsystem“ finanziert zu haben. So habe er mit seinen Lieferanten außergewöhnlich lange Zahlungsfristen vereinbart und mit dem Erlös aus bereits verkaufter, aber noch nicht bezahlter Ware sein Unternehmen finanziert.
Schlecker habe sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern wollen, berichtete der „Spiegel“. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart war am Sonntag nicht für Nachfragen zu erreichen. Die Behörde hatte vor einem Monat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

























