Städte- und Gemeindebund: Bis zu 50.000 Innenstadt-Läden droht das Aus

Städte- und Gemeindebund: Bis zu 50.000 Innenstadt-Läden droht das Aus

, aktualisiert 30. Dezember 2015, 11:44 Uhr
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Leeres Geschäft in Oberhausen: Der Online-Handel setzt Läden in den deutschen Innenstädten immer mehr zu.

Die Deutschen shoppen mit Vorliebe im Internet: Das bringt die Innenstädte in Gefahr. Laut dem Deutschen Städte- und Gemeindebund droht Zehntausenden Geschäften die Schließung.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt vor einer Verödung der Innenstädte. Durch den Boom des Online-Handels seien bis zu 50.000 Läden in den städtischen Zentren in Gefahr, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. „Leere Schaufenster in unseren Innenstädten führen zu einer Abwärtsspirale, die Zentren verlieren an Attraktivität“, erklärte er.

Die Kommunalorganisation steht mit ihrer Warnung nicht allein. Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) und das Kölner Handelsforschungsinstitut IFH schlagen Alarm. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte im Gespräch mit der Zeitung: „Vor allem kleine und mittelständische Händler geraten immer mehr unter Druck. Bis 2020 könnten in der Folge des Strukturwandels bis zu 50.000 Standorte vom Markt verschwinden.“

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Die beliebtesten Händler in Deutschland

  • Über die Studie

    Der Proposition-Index 2015 der Unternehmensberatung OC&C analysiert die Leistungsversprechen von über 850 Handelsunternehmen (darunter 95 aus Deutschland) auf Basis einer internationalen Konsumentenbefragung. Insgesamt wurden über 300.000 Kundenbeurteilungen aufgenommen, 26.000 davon allein in Deutschland. Für jedes Handelsunternehmen wurden die Kunden zur Gesamtwahrnehmung und den Elementen des Leistungsversprechens befragt. Neben der Kundensicht zu Preisstellung, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis und Service wurden auch die Preis-Leistungs-Wahrnehmung des Kunden und das Kundenvertrauen ermittelt. In die Bewertung fließen hierbei nur diejenigen Konsumenten ein, die das entsprechende Handelsformat in den vergangenen drei Monaten besucht oder dort eingekauft haben. Die vom Kunden wahrgenommene Stärke des Gesamtleistungsversprechens, der „Proposition“, und die einzelnen Elemente des Leistungsversprechens werden jeweils in einem Index gemessen, dessen Maximalwert 100 ist.

  • Platz 10

    Platz 10: Douglas

    Kategorie: Drogerien

    Bewertung: 79,6

    Veränderung zu 2014: -0,8

  • Platz 9

    Platz 9: Aldi

    Kategorie: Lebensmitteleinzelhandel

    Bewertung: 79,6

    Veränderung zu 2014: +1,8

  • Platz 8

    Platz 8: Tchibo

    Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser

    Bewertung: 80,0

    Veränderung zu 2014: +0,8

  • Platz 7

    Platz 7: Drogerie Müller

    Kategorie: Drogerien

    Bewertung: 80,0

    Veränderung zu 2014: +0,2

  • Platz 6

    Platz 6: Rossmann

    Kategorie: Drogerien

    Bewertung: 80,5

    Veränderung zu 2014: -0,3

  • Platz 5

    Platz 5: Otto

    Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser

    Bewertung: 81,1

    Veränderung zu 2014: +3,3

  • Platz 4

    Platz 4: Thalia

    Kategorie: Andere

    Bewertung: 81,4

    Veränderung zu 2014: +1,1

  • Platz 3

    Platz 3: IKEA

    Kategorie: Möbelhäuser

    Bewertung: 81,8

    Veränderung zu 2014: n/a

  • Platz 2

    Platz 2: Amazon

    Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser

    Bewertung: 86,5

    Veränderung zu 2014: +1,5

  • Platz 1

    Platz 1: dm

    Kategorie: Drogerien

    Bewertung: 87,7

    Veränderung zu 2014: +1,2

Auch das IFH kam in einer bereits im August veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass fast jedem zehnten stationären Laden bis 2020 das Aus drohe. Dies entspräche rund 45.000 Geschäften. Besonders gefährdet seien Händler in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Denn in diesen Regionen würden die Auswirkungen des Online-Booms noch durch den Bevölkerungsrückgang zusätzlich verstärkt.

Um gegenzusteuern, sollten die Länder den Kommunen bei den Ladenöffnungszeiten einen größeren Entscheidungsspielraum einräumen, forderte Landsberg. Der Einkauf in der Innenstadt müsse zum „Erlebniseinkauf“, der Besuch der Citys durch Angebote wie Kinderbetreuung, Kommunikationsmöglichkeiten und originelle Verkaufaktionen attraktiver gestaltet werden.

Dass es durchaus Chancen für den stationären Handel gibt, zeigt unterdessen eine aktuelle Umfrage der Management-Beratung Porsche Consulting, über die die „Welt“ (Mittwoch) berichtete. Demnach legt jeder zweite Verbraucher Wert darauf, die Möglichkeit zu haben, Waren vor dem Kauf anzuprobieren oder zu testen.

Shoppen per Klick – Was wir online kaufen, wo Gefahren lauern und welche Rechte Sie beim Onlinekauf haben, lesen Sie in unserem Dossier zum Download.

„Das ist ein deutliches Votum für den Einzelhändler am Ort“, meinte Porsche-Consulting-Experte David Blecher. Rund 85 Prozent der Deutschen legten zudem Wert auf persönliche Beratung, wenn sie größere Anschaffungen wie Möbel, Computer oder Elektrogeräte oberhalb von 500 Euro planen. Dafür seien acht von zehn Kunden auch bereit, etwas mehr Geld zu zahlen.

Der HDE fordert angesichts der aktuellen Herausforderungen ebenfalls flexiblere Öffnungszeiten im stationären Handel. Online-Shops seien schließlich 24 Stunden lang an sieben Tage die Woche geöffnet.

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4 Kommentare zu Städte- und Gemeindebund: Bis zu 50.000 Innenstadt-Läden droht das Aus

  • Ein wichtiger Aspekt wird nicht erwähnt, weil es ja zu dem verordneten "Gutmenschentum" nicht passt: Die Innenstädte sind u.a. voll mit Bettlern und ungepflegten, zwielichtigen Gestalten. Die städtischen Behörden machen insbesondere der aggressiven Bettelei nicht den Garaus. Der Taschendiebstahl hat mittlerweile sizilianische Ausmaße angenommen. Aber: Schweigen im Walde zu diesen Tatbeständen. Demgegenüber ist das Einkauferlebnis in einem geschlossenen und gut kontrollierbaren Einkaufszentrum geradezu eine Wohltat.

  • Vor allem bewegen die Einzelhändler sich nicht und nutzen die Nischen die ihnen bleiben. Wenn z.B. Läden angebotene Kleidung nicht in allen Größen vorrätig haben dann sind sie selbst schuld. Nicht ein Einzelhändler nutz die Möglichkeit von jeder Ware eine Größe zur Anprobe im Laden zu haben und dann bei gefallen die Ware zuzuschicken. Lieber werden die gängigen Größen abverkauft , das letzte Stück dem Kunden mitgegeben und andere Kunden schauen in die Röhre. Es ist mir unverständlich das noch keine Kette auf diesen Trichter gekommen ist...
    Weenn der Kunde wüsste das seine Größe zur Anprobe auf jeden Fall da ist würde er auch kommne. Aber als Leidgeprüfter Kunde mit z.B. der Größe XL hat man irgendwann keine Lust mehr durch alle Läden der Stadt zu laufen und immer wieder zu hören " nur noch was da hängt"...

  • So fremdenfreundlich unsere Innenstadt ist, so autofeindlich ist sie leider auch. Wertvollere Güter lassen die "Alteingesessenen" daher nach Internetkauf liefern und ihr wöchentlicher Lebensmittelgroßeinkauf setzt ein ausreichendes kostenfreies Parkplatzangebot neben leistungsfähigen Zufahrtswegen voraus. In äußeren Innenstadtbereichen konzentrieren sich daher moderne, kostenpflichtige Vergnügungsangebote wie Theater, Kino, Tanzgelegenheiten und Gourmettempel, während sich in der zentralen Innenstadt internationale, illegale Angebote in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kommunalverwaltung politisch protegiert etablieren.

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