Starbucks und Co.: Chinas Durst nach Kaffee steigt

Starbucks und Co.: Chinas Durst nach Kaffee steigt

, aktualisiert 24. Oktober 2016, 12:38 Uhr
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Der US-Konzern will bis 2010 die Zahl der Kaffeehäuser in der Volksrepublik auf 5000 verdoppeln.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

China ist das Land der Teetrinker? Das war einmal. Heute breiten sich die Cafés in den Großstädten rasant aus. Starbucks will die Zahl seiner Filialen verdoppeln. Doch der US-Kaffeeriese könnte sich überschätzen.

PekingEin Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen liegt in der Luft. Aus den Lautsprechern dudelt leichter Jazz. Das Licht ist gedämmt. Von der Theke mit den großen, silbernen Kaffeemaschinen zieht sich eine Menschenschlange bis auf die Straße. Das Café im Pekinger Szeneviertel Sanlitun hat erst seit einigen Wochen geöffnet, doch es wird bereits von Kundschaft überrannt.

Ausgerechnet in der Volkrepublik erlebt der Kaffee eine regelrechte Revolution. Dabei ist das Teetrinken seit Jahrhunderten fest mit der chinesischen Identität verwoben. „Kaffee ist anders. Kaffee steht für ein neues Lebensgefühl“, sagt Liang Zhen. Der 28 Jahre alte Informatiker hält seine Cappuccino-Tasse mit beiden Händen umschlungen. „Ich trinke mindestens jeden zweiten Tag einen Kaffee in einem der Cafés in der Nähe unseres Büros“, erzählt er.

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Und dafür muss er tief in die Tasche greifen. Denn in keiner anderen internationalen Metropole müssen Kunden so viel für einen Kaffee zahlen wie in Hongkong oder Peking. Das ermittelte die Unternehmensberatung Mercer. Für eine einzelne Tasse Kaffee werden in Hongkongs Cafés im Durchschnitt umgerechnet sieben Euro fällig, in Peking sind es 6,19 Euro. Das macht die Städte zu globalen Spitzenreitern.

Für das Geld lässt sich in Restaurants in der Pekinger Innenstadt ein ganzes Mittagesmenü bestellen. „Kaffee ist ein Luxusgut“, sagt die 28-jährige Wu Wei. Die Kunden bezahlten nicht nur das Getränk, sondern auch die Umgebung. „Viele Leute kommen zum Arbeiten oder auch für Geschäftstreffen in die Cafés“, sagt sie.

Noch spielt China nur eine geringe Rolle auf dem globalen Kaffee-Markt. Rund zwei Prozent des globalen Konsums entfallen auf die Volksrepublik. Aber in keinem Land der Welt wächst der Umsatz mit dem koffeinhaltigen Getränk so schnell wie in China. Innerhalb von vier Jahren hat sich der Konsum verdreifacht, wie das US-Agrarministerium errechnet hat. In einem Staat mit fast 1,4 Milliarden Einwohnern können selbst junge Trends ganze Branchen verändern.


Auch eine neue Chance für den Tee

Die US-Kette Starbucks will zum Treiber der Entwicklung werden. Bislang hat sich der Kaffeehausbetreiber fast ausschließlich auf die reichen Großstädte in Chinas Osten konzentriert. Doch jetzt wollen die US-Amerikaner ihren Fokus auf den weniger entwickelten Westen erweitern. Bis 2010 soll die Zahl der Filialen in der Volksrepublik auf 5000 verdoppelt werden. Starbucks ist seit 17 Jahren in der Volksrepublik aktiv. Die Kette betreibt Cafés in mehr als 100 Städten.

Doch mit der Expansion könnte sich Starbucks überschätzen, meint Chen Dongming. Der 27 Jahre alte Fernseh-Techniker steht rauchend mit zwei Freunden an der südlichen Sanlitun-Straße. Zu seiner Rechten reiht sich ein Café an das nächste. „Hier in Peking gibt es genug Leute, die sich den teuren Kaffee leisten können. Aber in Chinas Westen sieht das anders aus“, sagt Chen. „Starbucks muss entweder seine Preise anpassen, oder wird in Westchina scheitern.“

Chinesische Jungunternehmen wollten den Kaffee-Trend erweitern. Sie sehen den Boom der Cafés als Chance, auch Tee ein neues Image zu verpassen. Die Unternehmerin Zhang Zihua hat ein Teehaus im Stil eines modernen Café an der Fudan Universität in Shanghai eröffnet. „Viele Jungunternehmer gehen davon aus, dass der Tee der eigentliche Zukunftsmarkt in China ist – nicht der Kaffee“, sagt sie.

Die Vorliebe für die Cafés habe gezeigt, dass Chinas Mittelschicht Wert auf ein gehobenes Umfeld lege. Doch das ließe sich gerade für eine hochwertige Tee-Kultur nutzen, nicht nur für Kaffee. Deshalb prophezeit Zhang modernen Teehäusern eine glänzende Zukunft in China.

Quelle:  Handelsblatt Online
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