Starkbierzeit: "Grauslich" Bier für wahrhafte Büßer

Starkbierzeit: "Grauslich" Bier für wahrhafte Büßer

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Am Palmsonntag, den 13. April, ist es soweit. Am Adlersberg, rund 15 Kilometer außerhalb von Regensburg wird der Palmator angestochen.

von Mario Brück

Um sich auch in der Fastenzeit zünftig ernähren zu können, machten unsere Vorfahren aus Bier flüssiges Brot. Starkbier ist nicht nur kräftig, hochprozentig und schmackhafter als die industrielle Einheitsplörre - es hat sogar den kirchlichen Segen.

Machen wir uns nichts vor. Mengenmäßig sind die starken Biere die absoluten Schwächlinge: Sie kommen im gesamten deutschen Biermarkt nicht mal auf ein Prozent Marktanteil. Einigen Brauereien ist es dennoch gelungen, durch ein Starkbier ihr Überleben zu sichern. Prösslbräu bei Regensburg ist so ein Kandidat, da fließt in jedes fünfte Fass der dickschwarze Palmator-Saft. Am Palmsonntag, den 13. April, ist es am Adlersberg, rund 15 Kilometer außerhalb von Regensburg, wieder soweit: der Palmator wird angestochen. Eigentlich handelt es sich dabei um keinen klassischen Anstich. Wenn die erste Maß ausgeschenkt wird, gilt der Bock als angestochen.

Im katholischen Bayern gehört es während der Fastenzeit zur Tradition, dem nahrhaften Starkbier zu frönen. Eine Äbtissin des ehemaligen Dominikanerinnenkloster auf dem Adlersberg hatte verfügt, dass am Palmsonntag jeder Gast seinen Palmator und jedes Kind eine Brezel erhalten sollte. Das war der Ursprung des Bockanstichs; jeweils am Palmsonntag auf dem Adlersberg. Schon vor Monaten wurde in der kleinen Prösslbräu damit begonnen, den diesjährigen Bock zu brauen. Dabei kommen insgesamt fünf verschiedene Malzsorten zum Einsatz. Dunkle Röstmalze sorgen für die dunkle, ja fast schwarze Farbe des dunklen Doppelbock. Denn je mehr Malz in den Sud kommt, umso mehr Stammwürze entwickelt sich. Und ein Bock der auf „ator“ endet, muss mindestens über 18 Prozent Stammwürze verfügen.

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Namensgeber aller Biere, die mit –„ator“ enden, ist der Salvator, ein Starkbier, das der bayerische Brauer Franz Xaver Zacherl 1806 zum Ausschank brachte. Der Name Salvator geht dabei angeblich auf den ursprünglichen Namen Sankt-Vater-Bier zurück, den die Braumönche nutzten. Dieses Starkbier wurde durch den König gefördert. König Ludwig I. erteilte dem Bier, das einen höheren Stammwürzegehalt besaß als das übliche Lagerbier, seinen königlichen Segen mit den Worten: „Solange ich nichts anderes verfüge, soll die Kreisregierung ermächtigt werden, alljährlich zum Ausschenken des Salvatorbieres Erlaubnis zu erteilen. Die Schankzeit ist dabei festzusetzen, aber keine bestimmte Taxe, da dieses Bier als Luxusgetränk zu betrachten ist.“

"Flüssiges bricht Fasten nicht"

Seitdem wird jedes Jahr im März auf dem Münchner Nockherberg das Salvator-Bierfest gefeiert. Der Ruhm des königlichen Getränks veranlasste viele andere Brauereien, ihrem Starkbier ebenfalls die so eingängigen Endsilben anzuhängen. Animator, Delicator, Patronator, Triumphator und Kulminator zählen zu den bekanntesten Biernamen und -Marken, die auf den gemeinsamen Vater Salvator zurückgehen. Benediktiner, Franziskaner oder Dominikaner - jahrhundertelang halfen sich brauende Mönche nach dem Grundsatz „Flüssiges bricht Fasten nicht“ mit ihrem gehaltvollen Trunk über die karge Zeit.

Und das sogar mit päpstlichem Segen, denn der Inhalt eines von Rom angeforderten Probefässchens, das auf dem langen Weg über die Alpen kräftig geschüttelt und unter italienischer Sonne warm geworden war, schmeckte abscheulich. „Wer solch ein grauslich Bier trinket“, soll der Heilige Vater ausgerufen haben, „ist ein wahrer Büßer“.

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