Steigende Oldtimer-Preise: Das goldene Geschäft mit den Veteranen

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Steigende Oldtimer-Preise: Das goldene Geschäft mit den Veteranen

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Alte Porsches zu restaurieren ist ein einträgliches Geschäft

von Franz W. Rother

Die Nachfrage nach klassischen Autos boomt dank niedriger Zinsen – und beschert Autoherstellern und Zulieferern, Händlern und Handwerksbetrieben lukrative Zusatzgeschäfte.

Die Luft wird permanent gefiltert, getrocknet und anschließend auch noch ionisiert, um Mikroorganismen abzutöten. Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden per Computer gesteuert, um dem Rostfraß keine Angriffsfläche zu bieten: Die Garage in dem kleinen Weiler am Rande von Hennef an der Sieg hat Reinraumqualitäten.

Um ins Innere der Schatzkammer zu gelangen, muss der Besitzer eine Luftschleuse passieren, die der ehemalige Klimatechniker selbst konstruiert hat für seinen „größten Schatz“: einen bald 44 Jahre alten blutorangefarbenen Porsche Targa im Neuwagenzustand. Den Sportwagen hatte der Unternehmer 1971 für rund 25.000 Mark gekauft, um damit gelegentlich durchs Bergische Land zu fegen.

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Der Oldtimermarkt in Daten und Fakten

  • Preise klettern

    Die Preise für historische Fahrzeuge sind 2013 gestiegen, das geht aus einer Berechnung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor. Dessen Deutscher Oldtimer Index legte um 8,1 Prozent zu, 2012 betrug das Plus 4,2 Prozent. Vor allem im zweiten Halbjahr 2013 beobachtete der Verband eine deutliche Aufwärtsentwicklung im Markt.

  • BMW gefragt

    Der BMW 520i (E12) hat laut VDA 2013 prozentual am meisten an Wert gewonnen. Damit steht in der Rangliste der Fahrzeuge mit dem höchsten Zuwachs gegenüber den Vorjahr erstmals ein Modell von BMW ganz oben. Den ersten BMW der 5er-Reihe produzierten die Münchner von 1972 bis 1981.

  • Suche nach Chrom-Juwelen

    Zwei Trends beobachteten Analysten 2013 auf dem Oldtimer-Markt: Einerseits gibt es den Investmenttrend, in Sachwerte auszuweichen. Darunter fallen zum Beispiel die Auktionen, in denen seltene Fahrzeuge, wie der Flügeltürer Mercedes 300 SL, extrem hohe Preise erzielen.

  • ... oder Fahrfreude im Schnauferl

    Auf der anderen Seite des Oldtimer-Booms stehen die echten Enthusiasten. Sie geben im Schnitt für ein Fahrzeug weniger als 20.000 Euro aus. Ein reines Liebhaberhobby, denn es ist schließlich kein exorbitanter Wertzuwachs erkennbar: In der Regel kompensiert er nicht einmal die stetig anfallenden Wartungs- und Erhaltungskosten.

  • Teure Massenware

    Innerhalb der vergangenen 15 Jahre haben zwei Volumenfahrzeuge besonders stark an Wert gewonnen: Bei der „Ente“ Citroen 2CV 6 und dem „Bulli“ VW T2 verzeichnet der VDA den höchsten Zuwachs. 

  • Rost statt Chrom

    Der Flügeltürer Mercedes 300 SL erzielte in den vergangenen Monaten Rekordpreise. So zahlte ein Käufer auf einer US-Auktion 1,4 Millionen Dollar für ein restauriertes Exemplar, auf der selben Veranstaltung kam ein ramponierter Flügeltürer im Originalzustand gar für 1,9 Millionen Dollar unter den Hammer.

  • Mehr Youngtimer

    Auf Deutschlands Straßen sind mehr Youngtimer unterwegs. Die Zahl der Fahrzeuge im Alter von 20 bis 29 Jahren stieg 2013 auf rund vier Millionen.

    Im Schnitt fällt jeder dritte Youngtimer bei der Hauptuntersuchung durch und erhält im ersten Anlauf keine neue Plakette.

  • ... und mehr Oldtimer

    Nie zuvor fuhren mehr historische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen als heute. Derzeit sind es mehr als 314.000 Klassiker mit H-Kennzeichen. Jedes Jahr wächst der Bestand um rund zehn Prozent. Dabei ziert das H-Kennzeichen nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt und nach einer amtlichen Prüfung als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ anerkannt sind. Insgesamt sind rund 452.000 Autos mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel unterwegs.

  • Teurer Stern

    Auch das aktuell teuerste Auto der Welt wurde 2013 versteigert: Für 29,7 Millionen Dollar (rund 21,8 Millionen Euro) kam ein Mercedes W 196 Silberpfeil Rennwagen aus dem Jahr 1954 unter den Hammer.

  • Im Schnitt fünfstellig

    Laut dem Marktbeobachter „Classic-Tax" liegt der Durchschnittswert eines Oldtimers in Deutschland bei rund 15.000 Euro.

Vor zwei Jahren – auf dem Tacho standen keine 80.000 Kilometer – wurde der Targa bei Porsche Classic in Freiberg am Neckar einer Restaurierung unterzogen. Das Tochterunternehmen der Sportwagenschmiede pflegt und revidiert alte Porsche-Fahrzeuge nicht nur des werkseigenen Museums, sondern auch von privaten Sammlern. Über ein halbes Jahr zogen sich die Arbeiten an Karosserie, Motor und Fahrwerk hin, für die der Besitzer nach seiner Erinnerung schließlich einen „ordentlichen fünfstelligen Betrag“ hinblätterte.

Ein Oldtimer ist ein teures Hobby

Die Rückfahrt nach Hennef legte der Porsche noch auf eigener Achse zurück. Seitdem wartet der Oldtimer in der Luxusgarage jedoch auf seine Wiedererweckung: Der inzwischen 76-jährige Besitzer fühlt sich nicht mehr fit genug. Zudem treibt ihn die Sorge, dass sein „Schatz auf Rädern“, den Gutachter auf 88.000 Euro taxiert haben, bei einer Ausfahrt Schaden nehmen könnte.

Das Geschäft mit den automobilen Schätzen brummt – nicht nur bei Porsche. Denn mit dem Erwerb eines Oldtimers ist es meist nicht getan. Hinzu kommen Ausgaben für Reparaturen und Wartungsarbeiten sowie für die geschützte Unterbringung des Fahrzeugs und die Versicherung. Nicht zu vergessen die Summen, die für die Teilnahme an launigen Events wie Rallyes oder Ausfahrten und den Kauf von zeitgenössischem Zubehör aufgewendet werden: Einen Vorkriegs-Horch oder Wirtschaftswunder-Mercedes steuert man nun mal nicht in Jeans und mit Baseball-Kappe auf dem Kopf.

Alles eingerechnet, kommt die Kölner Beratung BBE Automotive in ihrer aktuellen Studie „Wirtschaftsfaktor Young- und Oldtimer“ auf Ausgaben von fast 4000 Euro – pro Jahr und Fahrzeug. Bei rund 650.000 Autos, die allein in Deutschland als Oldtimer zugelassen sind, ergibt sich ein Markt von rund 2,6 Milliarden Euro. Rechnet man die so genannten Youngtimer hinzu – Autos, die zwischen 15 und 30 Jahre alt sind und von ihren Besitzern nur mehr zum Freizeitvergnügen eingesetzt werden – vergrößert sich der Markt auf 5,9 Milliarden Euro.

Spezialisten helfen Bastlern

„Für Autohäuser und freie Werkstätten, bieten sich hier neue Betätigungsfelder, die das Image positiv prägen und neue Ertragschancen schaffen“, sagt Markus Frömgen, der die Studie erstellt hat. Denn je älter das Auto und je höher auch der emotionale Wert, desto größer ist die Bereitschaft, in das Fahrzeug zu investieren. Das ist auch der gravierende Unterschied zwischen Youngtimern und alten Gebrauchtwagen – bei Letzteren wird bei der Wartung aus Kostengründen gerne geschludert.  

Wer seine Liebe zum alten Blech pflegen wollte, brauchte in der Vergangenheit eine geschickte Schrauberhand, viel Spürsinn und ein Netz von Spezialisten, um Defekte an seinem Fahrzeug beheben zu können oder an rare Ersatzteile zu gelangen.

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