Steilmann-Insolvenz: Boecker-Häuser werden nur zum Teil gerettet

Steilmann-Insolvenz: Boecker-Häuser werden nur zum Teil gerettet

, aktualisiert 26. Juli 2016, 12:13 Uhr
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Sieben Häuser der Steilmann-Marke Boecker gehen an Investoren.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Die Zerlegung der Steilmann-Gruppe geht weiter. Insolvenzverwalter Frank Kebekus kann allerdings nur für sieben Häuser der Textilkette Boecker neue Investoren finden. Fünf Filialen müssen Ende August für immer schließen.

DüsseldorfSchlechte Nachrichten für einige Mitarbeiter der Boecker-Modehäuser: Insolvenzverwalter Frank Kebekus ist es nicht gelungen, alle zwölf Textilhäuser der Modekette an Investoren zu verkaufen. Nur für sieben Filialen hat Kebekus neue Investoren gefunden. „In dem aktuell sehr schwierigen Marktumfeld für den textilen Handel in Deutschland war die Gesamtfortführung der Boecker-Häuser leider nicht realisierbar“, sagte Kebekus.

Sieben Häuser kann er aber an zwei Investoren verkaufen: Die Filialen in Bad Kreuznach, Dortmund, Mülheim und Ingelheim gehen an die Firma Crossover in Dortmund. Die Filialen in Heinsberg, Kleve und Remscheid an U & F Moden in Hamm. So behalten 230 von 330 Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz. Die anderen Häuser werden bis Ende August geschlossen.

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Der Verkauf der Boecker-Filialen ist ein weiterer Schritt, Teile der insolventen Steilmann-Gruppe aus Bergkamen zu retten. Steilmann hatte Ende Februar nur knapp fünf Monate nach dem Börsengang Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Dortmund angemeldet. Schon der Börsengang im vergangenen Jahr war viel kleiner ausgefallen als geplant. Statt der ursprünglich 100 Millionen Euro brachte er nur knapp neun Millionen Euro.

Die Steilmann-Gruppe war jahrzehntelang einer der erfolgreichsten deutschen Bekleidungshersteller. Doch Gründer Klaus Steilmann reagierte zu spät auf den Trend, die Fertigung von Deutschland nach Asien zu verlegen. Nach mehreren Krisen wurde das Unternehmen 2006 an die italienische Modegruppe Miro Radici verkauft. Zur Steilmann-Gruppe gehören viele verschiedene Marken wie Steilmann, Apanage und Kapalua.

Eine der wichtigsten Beteiligungen der Steilmann-Gruppe sind die Anteile an den Adler-Modemärkten. An der Billigkette ist Steilmann indirekt mit rund 29 Prozent beteiligt. Über die mögliche Verwertung der wertvollen Beteiligung ist bislang noch nicht entschieden. Dank der Alder-Märkte konnte Steilmann noch im Jahr 2014 einen stattlichen Gesamtumsatz von 896 Millionen ausweisen. Die eigentlichen Steilmann-Firmen erreichten jedoch nur 361 Millionen Euro.


Schwierige Zeiten für die Modebranche

Insolvenzverwalter Kebekus hat in den vergangenen Wochen viele Beteiligungen verkauft. So ging Dressmaster aus Herne an die Münchener Beteiligungsgesellschaft Solvesta. Dressmaster entwickelt und verkauft Herrenmode von Marken wie Stones, sowie Handelsmarken für den Textilhandel.

Aber bereits Ende Juni wurde klar, dass für 680 der ursprünglich etwa 4.000 Beschäftigten der Steilmann-Gruppe Ende August das Aus feststeht. Für die Mitarbeiter von Marken wie Apanage und Kirsten Mode Design fand sich kein Investor.

Die Modebranche durchläuft gerade eine schwierige Phase. Nach zwei milden Wintern hintereinander und einem zu feuchten Sommer ist zu viel Ware im Einzelhandel. Das führt zu extremen Rabattaktionen. Außerdem haben einige Modefirmen in den vergangenen Jahren zu viele Filialen eröffnet. So stiegen die Fixkosten für Ladenmieten und Personal stark. Gleichzeitig konnten die Unternehmen den Umsatz auf vergleichbarer Fläche aber nicht wesentlich steigern. Marken von Gerry Weber bis zu Hugo Boss müssen jetzt viele unprofitable Filialen schließen.

Außerdem leiden Marken wie Steilmann und Apanage darunter, dass es zu viele Anbieter im mittleren Preissegment gibt. Sie müssen sich gegenüber vertikal integrierten Filialisten wie Zara und immer mehr gegenüber Billiganbietern wie der irischen Kette Primark behaupten. Gleichzeitig sind die Modefirmen angehalten Millionen investieren, um ihre stationären Läden intelligent mit ihren Online-Shops zu vernetzen. Denn die Kunden wollen völlig frei sein, wo sie ihre Hosen, Jacken oder T-Shirts bestellen, abholen oder umtauschen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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