Stephans Spitzen: Der Einzelhandel muss handeln, nicht klagen

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kolumneStephans Spitzen: Der Einzelhandel muss handeln, nicht klagen

Kolumne von Cora Stephan

Wer kein Bedarf an Mobiltelefonen oder Billigklamotten hat, verspürt in vielen deutschen Citys wenig Freude am Flanieren. Statt auf die Kundschaft zu schimpfen, müssen sich die Kaufleute auf ihre Stärken besinnen.

Vielleicht fällt das ja im Sommer besonders auf, wenn man ziellos genießend durch die Stadt schlendern will: wie öde die verkehrsberuhigten Zonen selbst da sind, wo noch ein alter Stadtkern vorhanden ist. Wer kein Bedarf an Mobiltelefonen oder Billigklamotten verspürt und Fastfood oder Eis nicht mag, hat wenig Freude am Flanieren oder gar am guten alten Schaufensterbummel. Es gibt nichts zu sehen, außer den viel zu vielen anderen Menschen.

Was fehlt, nicht nur in Deutschland, auch anderswo? Das bunt wuchernde Gemisch aus Cafés, Kleingewerbe, Kneipen, Lädchen für dieses und für jenes, und das gibt es selbst da nicht mehr, wo keine hohen Mieten drohen. Was bleibt sind Klamottenläden, einer am nächsten, als ob ganz Deutschland nichts nötiger hätte als Oberbekleidung. (Was  angesichts manch unbedeckter Blöße bei diesem heißen Wetter nicht gänzlich abwegig wäre.)

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Stirbt der Einzelhandel? Nun, Klagen gehört zum Beruf des Kaufmanns, und der klagt schon immer. Heute hat er, scheint’s, mehr Grund dafür denn je. Schuld ist, was sonst, das Internet.

Kein Einzelhandelsgeschäft, noch nicht einmal ein Warenhaus kann an die Auswahl im Onlinehandel heran. Selbst das Außer- und Ungewöhnliche findet man heute eher im Internet als in einem aufs Besondere spezialisierten Ladengeschäft. Und wer hat noch nicht von ihnen gehört, den mit dem Smartphone bewaffneten Shoppern, die sich im stationären Handel beraten lassen, um das Gewünschte hernach online zu bestellen, weil es da ein paar Euro günstiger ist?

Die attraktivsten Expansionsziele im Einzelhandel

  • Zur Studie

    Mit dem Global Retail Development Index ermittelt die Unternehmensberatung A.T. Kearny attraktivsten Märkte für Handelsunternehmen in Schwellenländern. Dabei werden Attraktivität, Risiko, Sättigung und Zeitdruck berücksichtig.

    Ausschlaggebend für eine hohe Platzierung im Ranking sind laut A.T. Kearny Faktoren wie wachsender Wohlstand, sozialer Frieden, wirtschaftliche Stabilität und Marktgröße. Aber auch wie groß und wie entwickelt das Konsumangebot bereits ist, gewichtet der Index.

    Der Höchstwert liegt bei 100.

  • Platz 1

    China
    Platz 2014: 2
    Marktattraktivität: 66,7
    Risiko im Land: 55,7
    Marktsättigung: 42,3
    Zeitdruck: 96,6 %
    GRDI Score: 65,3

  • Platz 2

    Uruguay
    Platz 2014: 3
    Marktattraktivität: 93,3
    Risiko im Land: 60,4
    Marktsättigung: 68,0
    Zeitdruck: 38,9
    GRDI Score: 65,1

  • Platz 3

    Chile
    Platz 2014: 1
    Marktattraktivität: 98,2
    Risiko im Land: 100,0
    Marktsättigung: 13,0
    Zeitdruck: 37,9
    GRDI Score: 62,3

  • Platz 4

    Katar
    Platz 2014: --
    Marktattraktivität: 100,0
    Risiko im Land: 89,4
    Marktsättigung: 34,3
    Zeitdruck: 12,8
    GRDI Score: 59,1

  • Platz 5

    Mongolei           

    Platz 2014: -

    Marktattraktivität: 22,4

    Risiko im Land: 19,9

    Marktsättigung: 93,1

    Zeitdruck: 100,0

    GRDI Score: 58,8

  • Platz 6

    Georgien

    Platz 2014: 7
    Marktattraktivität: 36,5
    Risiko im Land: 39,1
    Marktsättigung: 78,8
    Zeitdruck: 79,2
    GRDI Score: 58,8

  • Platz 7

    Vereinigte Arabische Emirate
    Platz 2014: 4
    Marktattraktivität: 97,6
    Risiko im Land: 84,0
    Marktsättigung: 16,5
    Zeitdruck: 33,9
    GRDI Score: 58,0

  • Platz 8

    Brasilien
    Platz 2014: 5
    Marktattraktivität: 98,0
    Risiko im Land: 60,4
    Marktsättigung: 45,2
    Zeitdruck: 28,0
    GRDI Score: 57,9

  • Platz 9

    Malaysia
    Platz 2014: 9
    Marktattraktivität: 75,6
    Risiko im Land: 68,8
    Marktsättigung: 29,3
    Zeitdruck: 52,7
    GRDI Score: 56,6

  • Platz 10

    Armenien
    Platz 2014: 6
    Marktattraktivität: 35,4
    Risiko im Land: 37,1
    Marktsättigung: 82,1
    Zeitdruck: 66,3
    GRDI Score: 55,2

Sind das Internet und die Schnäppchenjäger also verantwortlich dafür, dass unsere Innenstädte veröden? Oder ist das typisch für den ewig klagenden Handel: immer ist der Kunde schuld?

Ich schlage einen dritten Verdächtigen vor: den Stadtplaner. Vor Jahrzehnten ließen Stadtobere noch Schneisen durch die wenigen erhaltenen Altstädte schlagen, um die Stadt „autogerecht“ zu machen. Heute bevorzugen sie, umgekehrt, die autofreie Stadt und tun alles, was in ihrer Macht steht, um es Autofahrern so schwer wie möglich zu machen. Zur Willkommenskultur gehört eine Ampelschaltung, die dafür sorgt, dass sich der Shoppingfreund aus dem Umland dem Stadtzentrum nur im quälenden Stop and Go nähern kann. Das klopft ihn schon mal weich. Im Herzen etwa Frankfurts am Main angekommen, gilt es, die Fußgängerzonen weiträumig zu umfahren und gehörig in die Ablasskasten eines der Parkhäuser zu zahlen. Protest ist zwecklos: dass Autos in der Stadt nichts zu suchen haben, ist das neue Mantra, die Klagen des schnöden Kommerz hört schon niemand mehr, und jemand, der weiß, was er will, fährt ja sowieso die Großmärkte vor den Stadttoren an, da sind die Wege kurz und das Parken kostenlos, was Großeinkäufe enorm erleichtert.

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