Stephans Spitzen: Warum Wein nicht multikulti ist

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kolumneStephans Spitzen: Warum Wein nicht multikulti ist

Kolumne von Cora Stephan

.. und warum man ruhig wieder die zweite Strophe des Deutschlandliedes singen sollte.

Es gab eine Zeit in unserem Land, da vaterlandslose Gesellen regierten: an der Spitze des Staates stand nicht die Bonn- oder Berlin-, sondern die Toskana-Fraktion. Das waren Sozialdemokraten und Grüne, die ihre Ferien mit Vorliebe in Italien verbrachten, darunter Peter Glotz, Oskar Lafontaine und Otto Schily, und die gern schwerem italienischen Rotwein zusprachen, wie Gerhard Schröder und Joschka Fischer.

Das durfte dann ein mit Tanninen protzender Barolo sein oder ein männlich-erdiger Brunello di Montalcino, wenn schon denn schon, jedenfalls nicht so etwas schlappes wie ein Spätburgunder. Deutscher Rotwein galt als flaches Wässerchen und deutscher Weißwein als irgendwie spießig und provinziell, so überholt wie die zweite Strophe des Deutschlandliedes, wo sich der deutsche Wein mit Weib, Ehre und Gesang zu paaren hat. Man war schließlich weltoffen und nicht etwa national verbohrt!

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Wo die Deutschen ihren Wein kaufen

  • Platz 7

    Tankstellen, Restaurants, etc.

    2012: 5%

    2013: 5%

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013.

  • Platz 6

    Fachhandel

    2012: 7%

    2013: 7%

  • Platz 5

    Lebensmitteleinzelhandel (bis 1500 qm Ladenfläche)

    2012: 12%

    2013: 13%

  • Platz 4

    Selbstbedienungswarenhäuser und Verbrauchermärkte

    2012: 13%

    2013: 13%

  • Platz 3

    Winzer

    2012: 15%

    2013: 14%

  • Platz 2

    Aldi

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Platz 1

    Discounter (mit Ausnahme Aldi)

    2012: 27%

    2013: 26%

  • Zur Statistik

    Absatzmengen von Wein in Deutschland nach Einkaufsstätten für die Jahre 2012 und 2013

    Quelle: GfK Consumer Scan

Sogar bei offiziellen Anlässen wurde italienischer Wein ausgeschenkt, obwohl man bei den Staatskarossen dann doch deutsche Wertarbeit vorzog. Riesling von der Mosel oder aus dem Rheingau stand wohl noch immer im Verdacht, süßer Traubensaft zu sein, den ältliche Fräulein mit spitzem Mund aus zierlichen Gläschen schlürften, aufgezuckerte Massenplörre, nach deren Konsum Touristen mit Tirolerhut grölend durch die Drosselgasse ziehen. Wein, Weib, Gesang eben - während Italien für den lässigen Genuss stand, Brioni, Havanna and all.

Mal abgesehen von dem schnöden Vorurteil den nationalen Kronjuwelen gegenüber, hatte die gerümpfte Nase, was deutschen Wein betrifft, leider durchaus seine Gründe. Manche Leute haben ein zu kurzes Gedächtnis – und manche ein zu langes. Das goldene Zeitalter des deutschen Weins an Rhein und Mosel im mittelalterlichen Klimaoptimum Anfang des 16. Jahrhunderts, als „Rhenish“ in England ein ebenso großer Luxus war wie „Malmsey“, lag schon eine Weile zurück, ebenso die Karriere von Riesling und Spätlese seit Ende des 18. Jahrhundert. Vergangen, vorüber: Den Rest seines Ansehens verlor der deutsche Wein mit dem ersten Weltkrieg, seither trank man auch in der britischen Königsfamilie keinen „Hock“ mehr (Hochheimer Riesling).

Fürs kurze Gedächtnis aber reichte der jähe Absturz deutscher Weine seit dem Weingesetz 1971, das Masse statt Klasse begünstigte, und vor allem seit den vielen Weinskandalen, die ihren Höhepunkt Mitte der 80er Jahre mit der Glykolpanscherei hatten. Es ist verblüffend, wie schnell Legenden vergehen – und wie lange sich Vorurteile halten.

Doch schon zu rotgrünen Zeiten hatte sich der Wind längst gedreht. Nur in der politischen Elite war womöglich noch nicht rum, was weltweit längst bekannt war. Überall schwärmten Kenner von deutschen Weinen, vor allem von den Weißweinen. Gibt es irgendetwas, das einem deutschen Riesling vergleichbar wäre? Natürlich nicht.

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