Strategiewechsel: Lufthansa wird zum Billigflieger

15. Dezember 2011, aktualisiert 15. Dezember 2011, 08:09 Uhr
Im innerdeutschen Luftverkehr will sich Lufthansa künftig auf die großen Flughäfen wie Frankfurt, München und Düsseldorf konzentrieren, während Germanwings die kleineren Airports ansteuern soll. Quelle: dpaBild vergrößern
Im innerdeutschen Luftverkehr will sich Lufthansa künftig auf die großen Flughäfen wie Frankfurt, München und Düsseldorf konzentrieren, während Germanwings die kleineren Airports ansteuern soll. Quelle: dpa
von Jens Koenen Quelle: Handelsblatt Online

Lufthansa schwenkt auf einen neuen Kurs um. Die größte deutsche Fluggesellschaft teilt sich künftig die Kurzstrecken mit Germanwings. Damit ist klar: Der Primus wird im Heimatmarkt selbst ein Billiganbieter.

FrankfurtCarsten Spohr lässt nicht locker. Gerade erst hat er in Berlin vorgestellt, wie er die Konkurrenz der Billigflieger wie Ryanair in den Griff bekommen will. Schon zieht der Vorstandschef des Passagiergeschäfts von Lufthansa den nächsten Strategieplan gegen die Rivalen aus der Schublade: Lufthansa und die konzerneigene Billigfluggesellschaft Germanwings werden sich künftig die deutschen und europäischen Strecken teilen.

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Spohr sprach gestern vom „Stuttgarter Modell“, einer Blaupause für andere Standorte. Der Plan: Ab Februar wird Germanwings alle europäischen Ziele, die der Lufthansa-Konzern aus der schwäbischen Metropole bedient, übernehmen. Alle deutschen Strecken teilen sich die Lufthansa und Germanwings. Sie stimmen sich dabei ab, so dass nicht mehr wie bisher innerhalb von wenigen Minuten je eine Maschine von Germanwings und Lufthansa in Richtung Berlin startet.

Von Stuttgart aus soll dieses Modell zu anderen Standorten weiterziehen. Geplant ist, dass Germanwings die Europastrecken in Stuttgart, Hannover und Köln übernehmen wird, während diese Verbindungen an den Flughäfen in Düsseldorf, Hamburg und Berlin von Lufthansa selbst bedient werden.

Damit ist klar: Europas größte Fluggesellschaft wird im Heimatmarkt selbst zu einem Billiganbieter. Das zeichnete sich schon Mitte November ab, als Spohr in Berlin das „Berliner Modell“ vorstellte, von ihm ebenfalls als „Blaupause“ für andere Standorte gepriesen. In der Bundeshauptstadt will Lufthansa ab dem Sommer mit nur einem Flugzeugtyp fliegen und nur zwischen zwei Zielen pendeln ohne komplexen Flugzeugumlauf. Das senkt die Kosten, etwa bei der Bereitstellung der Crews und der Wartung. Zudem sind die Flugzeuge länger in der Luft, wo sie Geld verdienen. Auch will Lufthansa in der Kabine auf externe Dienstleister setzen.


Strategieschwenk ist intern umstritten

Der Strategieschwenk ist intern umstritten. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter (UFO) hat bereits Widerstand gegen die Berliner Pläne angekündigt. Auch fürchten einige Lufthansa-Mitarbeiter, dass Germanwings bei einer zu engen Anbindung an die Mutter schnell die Kostenvorteile verlieren könnte. Zwar gibt es keine offiziellen Zahlen, aber Experten schätzen, das Germanwings um bis zu 40 Prozent billiger „produziert“ als Lufthansa. Doch eine andere Wahl als die Ideen der Billigflieger zu übernehmen, bleibt Spohr nicht. Seit Jahren setzen die Billigfluggesellschaften Lufthansa zu. Der Europaverkehr schreibt fast schon traditionell rote Zahlen. Das ist auch eine Folge der Fehleinschätzung des früheren Managements. Als Ryanair und Easyjet vor Jahren starteten, räumte die Lufthansa-Spitze der Idee keine großen Chancen ein. Selbst als 2002 Germanwings an den Start geschickt wurde, wurde die Billigtochter stets klein gehalten, um das Geschäft der Kernmarke Lufthansa nicht zu gefährden.

Stattdessen versuchte Lufthansa selbst mit Kampfpreisen mitzuhalten, etwa mit den 99-Euro-Tickets für Hin- und Rückflüge auf kurzen Strecken. Doch das reichte nicht. Mittlerweile haben sich die so genannten Low-Cost-Anbieter weltweit und auch in Deutschland einen festen Platz im Luftverkehrsmarkt erarbeitet. Der Europaverkehr von Lufthansa blieb in der Verlustzone.

Als Christoph Franz, heute Vorstandschef von Lufthansa, Mitte 2009 die Leitung des Passagiergeschäfts übernahm, machte er die Sanierung des Europaverkehrs sofort zu seiner Hauptaufgabe. Anders als sein Vorgänger Wolfgang Mayrhuber fand er von Beginn an Gefallen an der Idee, die eigene Billigflugtochter Germanwings enger einzubinden.

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