Streik steht bevor: Amazon kämpft an allen Fronten

ThemaEinzelhandel

Streik steht bevor: Amazon kämpft an allen Fronten

von Rebecca Eisert

Kritik an den Arbeitsbedingungen, Berichte über Steuerspartricks und nun wollen auch noch die Amazon-Mitarbeiter im größten Logistikzentrum streiken.

Amazon kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Die ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" löste eine Welle der Empörung aus. Nach der Ausstrahlung, in der die Arbeitsbedingungen für die Leiharbeiter im Auslieferungszentrum in Bad Hersfeld angeprangert wurden, ging ein Shitstorm über das US-Unternehmen nieder, tausende Kunden löschten ihre Bestellkonten. In der Folge brach in Deutschland das Image des Onlinehändlers massiv ein. Im Markenmonitor BrandIndex des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov sackte der bis dato beliebteste deutsche Onlinehändler innerhalb eines Monats von 87 auf 45 Imagepunkte ab. Einen so drastischen Imageverlust in so kurzer Zeit beobachten selbst die Experten nur selten. Im Zuge der Offshore-Leaks-Enthüllung, geriet Amazon nochmals ins Visier. Der Internet-Riese wählt besonders geschickt, in welchem Land welcher Konzernteil angesiedelt ist, um möglichst viel Steuern und Abgaben zu sparen. So ist etwa die Zentrale, über die das Buchhandelsgeschäft für Europa läuft, in Luxembourg angesiedelt.

In Luxemburg werden gedruckte wie elektronische Bücher mit nur drei Prozent besteuert. In Deutschland gilt für gedruckte Bücher ein Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent, für E-Books 19 Prozent. Die Mehrwertsteuer für elektronische Bücher fällt in dem Land an, in dem die Server stehen. Auch wenn die Werke, die Amazon vertreibt, von einem deutschen Verlag stammen oder ein Kunde aus Deutschland das E-Book kauft, gilt also der Steuersatz Luxemburgs. Das ist nur ein Beispiel von vielen, mit denen der Internetkonzern Millionen, wenn nicht Milliarden spart.

Anzeige

Nach all der öffentlichen Kritik an schlechten Arbeitsbedingungen und Steuersparmodellen, begehren jetzt auch noch die Gewerkschaften gegen Amazon auf. Im größten deutschen Verteilzentrum stehen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaftsmitglieder im osthessischen Bad Hersfeld - jenem Zentrum, von dem auch in der ARD-Reportage die Rede war - haben sich zu 97,6 Prozent für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Damit wird ein Streik bei Amazon in Bad Hersfeld immer wahrscheinlicher. Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig: „Wenn die Geschäftsführung auch diese Zeichen nicht verstehen will, sind Streiks in absehbarer Zeit nicht mehr zu vermeiden.“ Verdi verlangt Amazon, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen.

weitere Artikel

Amazon zeigt sich zwar zu weiteren informellen Gesprächen mit der Gewerkschaft bereit, an der Verhandlungstisch will der Online-Riese aber nicht. Dazu gebe es derzeit zu wenige Gemeinsamkeiten. „Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist“, betont die Sprecherin weiter. Bei dem Standort in Bad Hersfeld handle es sich um ein reines Versandzentrum. „Unsere Mitarbeiter dort leisten logistische Tätigkeiten - Kommissionierung, Verpackung und Versendung von Waren.“ Deshalb laufe die Verdi-Argumentation ins Leere. An den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld arbeiten rund 3300 Menschen. Bad Hersfeld ist der zweite Amazon-Standort, der für einen Streik gestimmt hat. Anfang April haben Mitarbeiter in Leipzig den Ausstand beschlossen, aber noch keinen Termin dafür festgelegt.

Deutschland ist für Amazon der größte Markt außerhalb der USA. 2012 setzte der Internet-Händler hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Die Kunden in Deutschland werden aus Logistikzentren beliefert, die der Konzern in Graben, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz unterhält. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie zu Weihnachten kommen an jedem Standort Tausende Saisonkräfte hinzu.
Mit Material von dpa und reuters

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%