Streiks: Vier Gründe, warum die Verdi-Kampagne gegen Amazon floppt

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KommentarStreiks: Vier Gründe, warum die Verdi-Kampagne gegen Amazon floppt

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Seit Monaten streiken Verdi-Mitglieder beim Online-Versandhändler Amazon - bisher ohne Erfolg.

von Henryk Hielscher

Streiks bei Amazon? Die Kunden spüren nichts,  Mitarbeiter sind genervt. Warum die Verdi-Aktionen gegen den Versandgiganten nicht zünden.

Seit Monaten versucht die Gewerkschaft Verdi mit Streiks Druck auf den Online-Händler Amazon zu machen und das Unternehmen zum Abschluss eines Einzelhandelstarifvertrages zu drängen.  Jetzt haben sich Mitarbeiter mit Unterschriftenlisten und T-Shirts „Pro Amazon“ zu Wort gemeldet. Mit mehr als 1000 Unterschriften wenden sie sich gegen eine „negative Darstellung“ des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Mitarbeiter vs. Gewerkschaft: Die Aktion zeigt, die Verdi-Kampagne ist gründlich gefloppt. Vier Gründe, warum es Verdi bisher nicht gelungen ist, gegen den Online-Händler zu punkten:

 

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1.     Der Grundvorwurf ist nicht nachvollziehbar

Dem Versandgiganten Amazon kann man sicherlich einiges vorwerfen: Angefangen von Maßnahmen zur Steuervermeidung bis zu umstrittenen Klauseln gegenüber Geschäftspartnern. Doch das der Konzern seine Mitarbeiter zu Dumpinglöhnen knechtet, ist schlicht absurd. Die Mitarbeiter liegen schon jetzt mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist. Im ersten Jahr belaufe sich der Stundenlohn auf mindestens 9,55 Euro plus Boni, nach zwei Jahren kommen Aktienanteile dazu.  Klar, nach Einzelhandelstarif käme mehr heraus. Nur: Warum sollen eigentlich Mitarbeiter die Pakete packen, wie Verkäufer in Laden bezahlt werden? Beide Arbeiten unterscheiden sich deutlich. Die Entlohnung sollte also auch in separaten Tarifverträgen gewürdigt werden. Und was wäre eigentlich, wenn Amazon die Tätigkeit komplett an externe Logistikdienstleister ausgelagert hätte. Stress mit Verdi gäbe es dann wohl kaum, doch wäre den Beschäftigten damit geholfen?

 

2.     Die Kunden spielen nicht mit

Der angebliche Amazon-Skandal wird offenkundig auch von den Konsumenten nicht als solcher wahrgenommen. Zwar bleibt „etwas hängen“, Amazons Imagewerte weisen Dellen aus.  Doch bei früheren Verdi-Vorstößen etwa gegen Lidl oder Schlecker reagierten die Kunden teils im großen Stil mit gezielten Boykotten auf zu recht angeprangerte Missstände. Im Fall von Amazon bestellen sie munter weiter. Der Konzern berichtete jüngst über das beste Weihnachtsgeschäft aller Zeiten.

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3.     Die Gewerkschaftsbindung ist schwach

Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist im Einzelhandel generell überschaubar, der Online-Handel jenseits des Otto-Konzerns ist faktisch gar eine gewerkschaftliche terra incognita. Nebst Amazon sind Branchengrößen wie der Online-Modeanbieter Zalando oder die Ebay-Tochter Brands4Friends tarif- und Verdi-freie Zonen.  Die von großem Medienecho begleiteten Amazon-Streiks verpufften denn auch mangels Beteiligung  weiter Teile der Mitarbeiter. 

4.     Verdi hat sich verzettelt

Womöglich hätte die Gewerkschaft eine Chance gehabt, sich im Zuge der Diskussion um eine Reportage über den Einsatz von Leiharbeitern bei Amazon einzuklinken und ihre Vorstellungen im vergangenen Jahr geballt durchzusetzen. Doch dafür kämpft Verdi gleichzeitig an zu vielen anderen Fronten und musste sich im Einzelhandel mit tatsächlichen Problemfällen befassen: Karstadt im Krisenmodus, Praktiker in der Abwicklung, die Warenhausgruppe Globus stieg aus dem Flächentarif aus. Zugleich liefen 2013 die Tarifverhandlungen im Einzelhandel begleitet von Warnstreiks. Das alles band Kräfte, die bei der Attacke auf Amazon fehlten.

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3 Kommentare zu Streiks: Vier Gründe, warum die Verdi-Kampagne gegen Amazon floppt

  • Das ist aber mangelhaft recherchiert. Als Redakteur für Wirtschaft sollte man wissen wie ein Tarifvertrag aussieht. Punkt 1 ist fast wortwörtlich aus Amazon-Pressemeldungen kopiert und falsch.

    Es gibt im Tarifvertrag Einzel- und Versandhandel eine Lohngruppe für Lagerarbeiter. Die lässt sich selbstverständlich anwenden.

  • So ein schlechter Artikel, wird hier der Redakteur geschmiert? Warum wird nicht über die Vorkommnisse bei der Unterschriftensammlung berichtet, Qualitätsjournalismus ist hier wohl nicht...

  • Frost schrieb am 2. Juni 2014 10:37

    > wieso geht verdi nur gegen Amazon vor, die
    >von allen hier aufgezählten die besten Arbeitsbedingung bieten und am
    > meisten zahlen?

    Weil sich ver.di gar nichts um die Arbeitnehmer kümmert,
    sonst wären sie längst an den Friseuren, in der Gastronomie und bei den Transporteuren dran.
    Nein, Amazon ist ein schön grossern Konzern
    und dort will man einen Fuss in der Tür haben, d.h. Die eigenen
    Gewerkschaftsfunktionäre an die Fleischtöpfe setzen und sich
    vollfressen lassen.
    Der vorgeschickte Arbeitnehmer ist nur Mittel zum Zweck und wird nach Erreichen des Zieles wie eine heisse Kartoffel fallengelassen.

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