Streit zwischen Alnatura und dm-Drogeriemarkt: „dm-Entscheidung ist natürlich unerfreulich“

InterviewStreit zwischen Alnatura und dm-Drogeriemarkt: „dm-Entscheidung ist natürlich unerfreulich“

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Götz Rehn hat Alnatura 1984 gegründet.

von Henryk Hielscher

Die Drogeriemarktkette dm hat einen Großteil der Alnatura-Produkte aus ihren Regalen verbannt. Im Interview sagt Alnatura-Gründer Götz Rehn, wie es für das Bio-Unternehmen jetzt weiter geht. Ein Interview.

Der Mann, der die Bio-Branche gerade in Atem hält, gibt sich gelassen: Von Streit um die Marke Alnatura will Götz Rehn, der Chef und Gründer der Bio-Marke, nicht wissen. Viel lieber parliert der anthroposophisch geprägte Unternehmer in der Unternehmenszentrale im hessischen Bickenbach dieser Tage über die schönen Dinge des Lebens: frischen Babyspinat mit Parmesan zum Beispiel oder Hühnerbrüstchen samt Wok-Gemüse, die sich der Alnatura-Chef aus hauseigenen Zutaten just am Wochenende gebrutzelt hat.

Und die Klage seines Schwagers Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, der Ansprüche auf die Markenrechte an Alnatura erhebt? „Ach, da wird viel geschrieben“, sagt Rehn im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Auseinandersetzungen zwischen Geschäftspartnern gehörten schließlich zum Leben als Unternehmer dazu. Inzwischen hat die „Lebensmittelzeitung“ berichtet, dass neben Werner auch Wolfgang Gutberlet, Gründer der Lebensmittelkette Tegut, klagt. Höchste Zeit also, etwas mehr über den Großkonflikt in der Bio-Branche und die Folgen für Alnatura zu erfahren. 

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Nettoumsatz von Alnatura

  • Geschäftsjahr 2006/2007

    185 Millionen Euro

    Quelle: Unternehmensangaben Alnatura / Statista

  • 2007/2008

    304 Millionen Euro

  • 2008/2009

    361 Millionen Euro

  • 2009/2010

    399 Millionen Euro

  • 2010/2011

    464 Millionen Euro

  • 2011/2012

    516 Millionen Euro

  • 2012/2013

    593 Millionen Euro

  • 2013/2014

    689 Millionen Euro

  • 2014/2015

    760 Millionen Euro

WirtschaftsWoche Online: Herr Rehn, Sie haben gerade reichlich Ärger mit der Drogeriemarktkette dm...
Götz Rehn: ...das ist mir zu provokant formuliert. Wir befinden uns in einer Umbruchphase und stehen vor großen Herausforderungen.  

Wie bitte? Die Drogeriekette hat reihenweise Alnatura-Produkte ausgelistet. dm-Gründer Götz Werner, der zugleich ihr Schwager ist, macht Ihnen die Markenrechte an Alnatura streitig und sein Konzern will bei der Auswahl ihrer Vertriebspartner mitbestimmen. Das soll kein Ärger sein? 
dm hat einen Strategiewechsel bei der Sortimentsgestaltung vorgenommen, bei der rund die Hälfte der Alnatura-Produkte ausgelistet wurde. Das ist natürlich unerfreulich aber wir sind ständig mit Veränderungen konfrontiert. Meine Aufgabe als Unternehmer besteht darin, schnell und gut darauf zu reagieren und Ersatz zu finden.

Zur Person

  • Götz Rehn

    Götz Rehn, 65, hat Alnatura 1984 gegründet und verkauft unter der Biomarke heute gut 1250 Lebensmittel. 2014/15 setzte Alnatura rund 760 Millionen Euro um.

Wird dm weitere Alnatura-Artikel aus den Regalen nehmen? 
Das wissen wir noch  nicht. Die Entscheidung liegt bei dm, wir listen uns ja nicht selbst aus. Wenn bei dm Interesse besteht, werden wir weiter zusammen arbeiten. 

Trotz der Gerichtsprozesse?
Ach, da wird viel geschrieben. Richtig daran ist, dass es eine Klage  gegen uns gab, die ist in erster Instanz abgewiesen wurde. Jetzt müssen wir abwarten, was passiert. Aber rechtliche Auseinandersetzungen finden auch zwischen anderen Unternehmen statt. Interessanter ist für uns die Frage: Wie geht's jetzt weiter?

dm und Alnatura Das Ende einer besonderen Markenfreundschaft

Die Drogeriekette dm macht Ernst und wirft Alnatura-Produkte aus den Filialen. Zunächst durfte die Marke neben den neu eingeführten Eigenprodukten stehen bleiben, jetzt listet der Drogeriemarkt immer mehr Produkte aus.

Das Logo des Unternehmens Alnatura Quelle: dpa

Ihre Antwort haben Sie vor wenigen Wochen gegeben. Sie verkaufen Alnatura-Produkte jetzt auch bei Edeka, Deutschlands größtem Lebensmittelhändler. Sind Sie mit der Kooperation zufrieden?
Ich bin nie zufrieden, ein Unternehmer darf nie zufrieden sein. Was in den vergangenen Wochen entstanden ist, ist beeindruckend und ich bin auch sehr dankbar dafür. Alnatura ist mittlerweile in mehr als 3000 Edeka-Läden vertreten, das war ein großer Kraftakt. Aber das reicht noch nicht, um die Umsatzeinbußen zu kompensieren. Es gibt einzelne Edeka-Händler, die ein breites Alnatura-Sortiment führen und bei denen sich die Umsätze sehr gut entwickeln. Bei anderen muss erst Platz für unsere Marke geschaffen werden, was etwas dauert. Aber es kommen fast jeden Tag neue Kaufleute dazu. Und wir kooperieren nicht nur mit Edeka, sondern auch mit Händlern wie Budni, der Kieler Coop, Tegut, Hit und Globus. In der Schweiz arbeiten wir mit der Migros und in Österreich mit Merkur, Billa und MPreis zusammen.

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