Supermärkte: Vorbild Frankreich: Verbraucherzentralen fordern Lebensmittel-Wegwerfverbot

Supermärkte: Vorbild Frankreich: Verbraucherzentralen fordern Lebensmittel-Wegwerfverbot

Obwohl noch verzehrbar, landen viele Lebensmittel im Müll. Frankreich will dieser Nahrungsverschwendung im Handel nun per Gesetz einen Riegel vorschieben - ein Vorbild für Deutschland?

Supermärkte sollten unverkaufte Lebensmittel aus Sicht der Verbraucherzentralen nicht mehr wegwerfen dürfen. Eine gesetzliche Regelung, wie sie in Frankreich gerade beschlossen wurde, sei doch sinnvoll, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller. Viele Händler und Caterer in Deutschland spendeten bereits nicht mehr verkaufbare Lebensmittel an Tafeln. „Eine gesetzliche Pflicht würde also die schwarzen Schafe treffen, die das bisher noch nicht freiwillig machen.“

In Frankreich müssen Händler nach einem Anfang Februar beschlossenen Gesetz unverkaufte Nahrungsmittel spenden, verarbeiten, als Tierfutter verwenden oder kompostieren. Die Bundesregierung plant ein solches Wegwerf-Verbot nicht, wie das Ernährungsministerium bereits mitgeteilt hatte.

Anzeige

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Globus

    Bruttoumsatz 2015: 4,82 Milliarden Euro

  • Platz 9

    Rossmann

    Bruttoumsatz 2015: 5,75 Milliarden Euro

  • Platz 8

    dm Drogeriemarkt

    Umsatz in Deutschland: 7,03 Milliarden Euro

  • Platz 7

    Tengelmann-Gruppe

    Bruttoumsatz 2015: 7,7 Milliarden Euro ( Außenumsatz aller Vertriebsbereiche (Obi inkl. Franchisenehmer))

  • Platz 6

    Lekkerland

    Bruttoumsatz 2015: 9,08 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Bruttoumsatz 2015: 26,13 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Bruttoumsatz 2015: 27,8 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Bruttoumsatz 2015: 34,54 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Bruttoumsatz 2015: 39,61 Milliarden Euro

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Bruttoumsatz 2015: 53,28 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Die Grünen-Expertin Nicole Maisch kritisierte, Minister Christian Schmidt (CSU) richte sich „einzig und allein an die Verbraucher“. Dagegen habe die Regierung in Frankreich erkannt, dass für weniger Lebensmittelverschwendung politische Maßnahmen auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette notwendig seien. Der Bundestag fordere seit Jahren verbindliche Zielvereinbarungen mit der Wirtschaft. „Das muss der Minister endlich anpacken.“

In Deutschland landen nach einer 2012 vorgestellten Studie im Auftrag des Ministeriums pro Jahr elf Millionen Tonnen Nahrung von Verbrauchern, Handel, Industrie und Gastronomie im Müll. Davon stammen demnach 550 000 Tonnen aus dem Handel. Auf private Haushalte entfallen 6,7 Millionen Tonnen.

Werner knallhart Lebensmittel-Verschwendung: Werden Sie Kühlschrank-Manager

Wir schmeißen in Deutschland jedes Jahr pro Kopf durchschnittlich 235 Euro an Lebensmitteln in den Müll. Weil wir nicht in der Lage sind, unseren Kühlschrank unter Kontrolle zu halten. Aber Reste essen kann man lernen.

Lebensmittel liegen in einer Bio-Mülltonne Quelle: dpa

Der Handel hält ein Gesetz nach Vorbild Frankreichs für unnötig. Die Branche gehöre seit langem zu den größten Unterstützern der mehr als 900 lokalen Tafel-Organisationen, erklärte der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Die Unternehmen engagierten sich aus freien Stücken, weil sie wüssten, dass ihre Spenden überschüssiger, qualitativ einwandfreier Nahrungsmittel einem guten Zweck dienten. „Die Zwangsverpflichtung per Gesetz käme einer Geringschätzung dieses Einsatzes gleich.“

Weitere Artikel

Schon aus wirtschaftlichen Aspekten gebe es ein Eigeninteresse, Verluste so gering wie möglich zu halten. Daher investierten Unternehmen etwa in Prognosesysteme und bestellten kleinere Mengen. Aktionen und Preisreduzierungen seien Instrumente, um leichter verderbliche Produkte rechtzeitig zu verkaufen. Was sich trotz allem nicht für Verkauf oder Weiterverarbeitung eigne, werde über Biotonnen zur Kompostierung gebracht.

Verbraucherschützer Müller betonte: „Wie der Handel stehen auch Landwirte, Lebensmittelindustrie und die Verbraucher in der Pflicht.“ Nötig seien etwa auch verständlichere Angaben beim Mindesthaltbarkeitsdatum, ein Verzicht auf ausschließlich große Packungen und günstige Angebote von Lebensmitteln mit Schönheitsfehlern. „Eine Renaissance der Kochkultur, vor allem an Schulen, wäre ein weiterer wichtiger Schritt. Denn Kochen schafft Wertschätzung für Lebensmittel“, sagte der vzbv-Chef.

Anzeige

4 Kommentare zu Supermärkte: Vorbild Frankreich: Verbraucherzentralen fordern Lebensmittel-Wegwerfverbot

  • Mein Vorschlag zur Lösung dieses drängenden Progblems wäre es, unverkaufte und teilverdorbene Lebensmittel ab sofort an die Mitglieder des Verbraucherzentrale Bundesverbands sowie an die deutschen Parlamentarier, in einem ersten Schritt die der Grünen, zwangszuverfüttern.

    Dazu könnte man beispielsweise in den betreffenden Kantinen eine "neue Kochkultur" einführen.
    Damit einher gehen müssten natürlich entsprechende Änderungen der Besoldungsstruktur, beispielsweise die Ausgabe der Hälfte der Einkünfte der betreffenden Volkserzieher und -vertreter in Form von Bezugsscheinen für vergammelte Supermarktware. Die vielen wertvollen Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel wären der Intelligenz der betreffenden Personen mit Sicherheit nicht abträglich.

    Überdies wäre diese Lösung eine schöne Form der Solidarität gegenüber denjenigen in unserem Land, die sich keine "neuen" Lebensmittel leisten können und gezwungen sind, ihren Kalorienbedarf durch irgendwelche Tafeln und die dorthin ausgegebenen Almosen zu decken.

  • Das Frankreich für irgend etwas, was mit Wirtschaft zu tun hat, für uns ein Vorbild sein kann, bezweifel ich. Wenn die Verbraucherzentralen ein Wegwerfverbot fordern, sollen sie doch mal voschlagen, wie diese Lebensmittel eingesammelt und verteilt werden? Sie können das ja gern organisieren, aber bitte ohne staatliche Subvention. Ich kann mir vorstellen, dass den Supermärkten das recht wäre. Also, worauf warten Sie, meine Damen und Herren?

  • Man mag es kaum glauben: Wie kommt so ein Sinnlosbeitrag in ein Wirtschaftsjournal?

    In Handel, Lebensmittelverarbeitung und Gastronomie sind die Lebensmittel vollständig im Preis kalkuliert. Wirtschaftlich sind auch die verdorbenen bzw. ungegessenen Speisen bezahlt. Die Marktwirtschaft hat sich bestätigt, so dass kein Verlust entsteht. Das gleiche ist im privaten Haushalt erfolgt. Der Kunde hat die Lebensmittel beim Bäcker, Metzger, Supermarkt gekauft und bezahlt. Der Wirtschaftskreis ist geschlossen. Ob der Privat- oder Geschäftskunde diese Lebensmittel auch tatsächlich konsumiert, ist für die Marktwirtschaft irrelevant. Im Gegenteil: Was sagt es denn, dass 86 Kilo Lebensmittel pro Kopf und Jahr ungegessen weggeworfen werden, auch wenn sie nicht verdorben sind? Sollten diese Mengen doch noch zusätzlich verzehrt werden? Das sind über 235 Gramm täglich mehr Brot, Fett, Zucker, Alkohol usw.? Wären dann die Deutschen nur noch korpulenter? Wären sie auch gesünder? Nein! Sie wären kränker, mehr Stoffwechselerkrankungen. mehr Diabetes, mehr Leberschäden, mehr Magen- und Darmerkrankungen, mehr Neurosen usw.
    Was hätten die Bauern und die Lebensmittelindustrie davon, wenn auch nur ein Drittel oder die Hälfte dieser ungegessenen Lebensmittel verzehrt würde? Könnten die mehr oder weniger erzeugen oder produzieren? Wie würde sich das auf die Erzeugerpreise und die Verkaufspreise auswirken?
    Welche Preissignale wären erforderlich, damit weniger Lebensmittel im Müll landen? Wer wird denn so viel Marktwirtschaft wollen?
    Nachsatz: Wenn Privathaushalte 6,7 Mio. Tonnen Lebensmittel weg werfen und 550.000 Tonnen vom Handel und Gastronomie, dann können es keine 11 Mio. Tonnen zusammen sein. Mindestens eine der Zahlen ist falsch.

Alle Kommentare lesen
Unternehmer stellen sich vor
WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: Rödl & Partner
  • Branchenführer: Flick Gocke Schaumburg
  • Branchenführer: Luther Rechtsanwaltgesellschaft
WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%