Tausende Jobs bei Kaiser's Tengelmann in Gefahr

Tausende werden Job verlieren: Plan für Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann steht

, aktualisiert 18. September 2016, 17:21 Uhr
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Was passiert mit Kaiser's Tengelmann?

90 Millionen Euro Verlust macht Kaiser's Tengelmann in diesem Jahr. Nun steht der Plan für die Zerschlagung der Supermarktkette. Tausende werden dann ihren Job verlieren.

Der Plan für die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann steht. Dutzende Filialen stehen zur Schließung an, Tausende werden ihre Jobs verlieren, schreibt die „Bild am Sonntag“. Vor allem werde es Nordrhein-Westfalen hart treffen: 3000 der 4000 Mitarbeiter dort müssten wohl gehen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Sonntag auch der Deutschen Presse-Agentur. Beraten wird der Plan am kommenden Freitag vom Aufsichtsrat.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Die Hoffnungen ruhen nun auf einem Krisengipfel mit allen Beteiligten des Übernahme-Dramas um die traditionsreiche Handelskette. Neben den Vertretern Tengelmanns sollen Edeka, der Konkurrent Rewe und die Gewerkschaft Verdi mit am Tisch sitzen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, Rewe-Chef Alain Caparros habe per Brief an die Tengelmann-Eigentümer seine Gesprächsbereitschaft betont. Der genaue Termin und der Ort des Spitzentreffens sind noch unbekannt.

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Grund für die Misere ist die festgefahrene Fusion von Kaiser's Tengelmann mit dem Marktführer Edeka. Der Zusammenschluss liegt derzeit auf Eis und wird vor Gericht geklärt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte mit einer Ministererlaubnis den Weg für die vom Kartellamt untersagte Fusion zwar wieder frei gemacht. Doch das Oberlandesgericht Düsseldorf kassierte diese Erlaubnis wieder ein, nachdem Wettbewerber wie Rewe dagegen vorgegangen waren. Edeka und Gabriel sind anschließend vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen. Der will am 15. November eine erste Entscheidung treffen.

Tengelmann Mitarbeiter verlassen das Unternehmen in Scharen

Mitarbeiter der Lebensmittelkette Kaiser's Tengelmann wollen in dieser Woche mit Aktionen auf den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze aufmerksam machen. Schon jetzt verlassen sie das Unternehmen aber in Scharen.

Kaiser's Tengelmann: Mitarbeiter verlassen das Unternehmen in Scharen Quelle: dpa

Ob Tengelmann so lange warten kann, ist offen. Die Lage der Kette spitzte sich nach Informationen der dpa zuletzt weiter zu. Die Geschäftsführer der angeschlagenen Gruppe rechnen allein in diesem Jahr mit Verlusten von rund 90 Millionen Euro, wie aus einem Brief des Managements an Eigentümer Karl-Erivan Haub vom 6. September hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „ ... es bedarf keiner dezidierten Planung, dass sich dieses Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr weiter deutlich verschlechtern wird“, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

Aus Sicht des früheren Chefs der Monopolkommission, Daniel Zimmer, hat Haub die dramatische Lage selbst verschuldet. „Er hat sich von Anfang an auf Edeka versteift und hält stur daran fest“, sagte Zimmer dem Berliner „Tagesspiegel“. Zimmer kritisiert, die Tengelmann-Führung habe seit dem Übernahmeverbot durch das Kartellamt im März 2015 Zeit gehabt, Alternativen zu suchen. „Es kann sein, dass jetzt mehr Mitarbeiter ihre Jobs verlieren als das bei einer früheren Lösung nötig gewesen wäre“, sagte Zimmer, der als Kommissionschef nach Gabriels Entscheidung aus Protest zurückgetreten war.

Was den Deutschen beim Einkauf wirklich wichtig ist

  • Über die Umfrage

    Fragestellung: “Welche der folgenden Aspekte sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Leistungen des Lebensmitteleinzelhandels?”
    Quelle: Institut für Handelsforschung // repräsentative Umfrage unter 1.542 Deutschen

  • 73,9 Prozent

    Produktangebot mit dem bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis

  • 64,7 Prozent

    Große Auswahl verschiedener Produkte

  • 60,2 Prozent

    Immer hohe Qualität aller Produkte

  • 59,9 Prozent

    Immer alles was ich brauche an einem Ort

  • 59,5 Prozent

    Kundenorientierte Öffnungszeiten

  • 57,1 Prozent

    Viele gut erreichbare Geschäfte in meiner Nähe

  • 47,8 Prozent

    Angenehme Einkaufsatmosphäre

  • 23,4 Prozent

    Immer alle Informationen, die ich zu den Produkten brauche verfügbar

In dem Brief der Geschäftsführung heißt es, dass es im Oktober 2014 noch 475 Filialen gegeben habe. Die Zahl werde Ende 2016 auf 405 gesunken sein. „Besonders kritisch ist die Situation in unserer Region Nordrhein“, heißt es in dem Brief. Zudem verliere man weiter Mitarbeiter. Noch sei die Lage unter Kontrolle, aber sollte sich die Hängepartie über „weitere viele Monate“ hinziehen, wäre das anders: „Für einen solchen Fall können wir aus heutiger Sicht eine ordnungsgemäße Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr garantieren“, schreiben die Manager.

Monatelang dürfte sich das Drama aber ohnehin nicht mehr hinziehen. Am kommenden Freitag tagt der Tengelmann-Aufsichtsrat, um über den Zerschlagungs-Plan zu reden. Eigentümer Karl-Erivan Haub werde dem Aufsichtsrat demnach vorschlagen, Dutzende unrentable Filialen zu schließen. Demnach sollen in Nordrhein-Westfalen zusätzlich zu 16 bereits geschlossenen Filialen 18 weitere aufgegeben werden, weil sie wirtschaftlich schon jetzt nicht mehr zu retten seien. Die meisten sollen zum Jahresende schließen. Auch für 46 Filialen, die eigentlich Edeka übernehmen wollte, gebe es ohne den Verkauf keine Zukunft. Insgesamt beschäftigt die Kette mehr als 15.000 Menschen.

Kaiser’s Tengelmann Drei Szenarien für die Supermarktkette

Das Gezerre um Kaiser’s Tengelmann steuert auf den Showdown zu. Wie es bei dem Traditionshändler jetzt weiter geht.

Edeka, Tengelmann und das Bundekartellamt im Twister Quelle: Fotolia, Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche Online


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