Tengelmann-Chef Haub: "Das ist brutal"

Tengelmann-Chef Haub: "Das ist brutal"

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Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub

von Henryk Hielscher und Stephanie Heise

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub treibt den Handelskonzern ins Online-Geschäft und sorgt sich um die Euro-Zone.

WirtschaftsWoche: Herr Haub, Sie haben Ihr iPad zum Gespräch mitgebracht. Sind Sie der Online-Sucht verfallen?

Karl-Erivan Haub: (lacht) Das ist mittlerweile mein ständiger Begleiter. Vor ein paar Jahren habe ich mich überwunden, mich mit dem Online-Geschäft auseinander zu setzen und das Fachchinesisch von Conversion Rate bis SEO-Optimierung zu lernen. Inzwischen bin ich ganz gut dabei.

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Wie wichtig ist das Internet als Vertriebskanal für Tengelmann?

Von den Zahlen her macht das Online-Geschäft bislang bei uns noch relativ wenig aus. Aber die Wachstumsraten sind enorm. Der Umsatz, den wir beispielsweise über unser Internetportal Plus.de erzielen, steigt pro Jahr um rund 30 Prozent. Der gesamte deutsche Online-Handel wächst jährlich um 15 bis 20 Prozent.

Warum? Das Geld verdienen Sie doch im stationären Geschäft.

Als das Auto die Kutsche als Verkehrsmittel abgelöst hat, wurde das Leben vieler Menschen komplett umgekrempelt. Die Digitalisierung wird noch einen wesentlich größeren Einfluss haben und auf sämtliche Lebensbereiche durchschlagen. Ich möchte mir nicht von späteren Generationen sagen lassen: ’Habt ihr eigentlich nicht gesehen, was da passiert? Das Internetgeschäft wird nicht auf einen Schlag den traditionellen Handel ablösen. Aber er wird sich dem stellen müssen.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir investieren kräftig und betreiben etwa eine eigene Media-Agentur, die Webseiten für externe Kunden aufbaut und Unternehmen in ihrer E-Commerce-Strategie berät. Daneben haben wir inzwischen ein E-Commerce-Portfolio von fast 20 Beteiligungen aufgebaut - vom Schuhhändler Zalando bis zum Online-Maßschneider Youtailor. Und dabei wird es nicht bleiben. Momentan überlegen wir, ob wir in den Markt für Online-Spiele einsteigen. Der Markt entwickelt sich rasant.

Wachstum ist das eine, aber wie sieht es mit Gewinnen aus?

Es handelt sich um Start-up Unternehmen. Einige könnten schon Geld verdienen, wenn sie auf Werbung und Marketing verzichten würden, aber das ginge zu Lasten des Wachstums. Insofern schreibt keine unserer Online-Beteiligungen dicke schwarze Zahlen. Das heißt aber nicht, dass das auf Dauer so bleibt.

Wie wirkt sich der Online-Trend auf Ihr stationäres Geschäft aus mit Marken wie der Baumarktkette Obi, dem Bekleidungshändler Kik oder den Kaiser’s Tengelmann Supermärkten?

Unser klassisches Geschäft muss sich den Entwicklungen stellen, auch wenn unsere Geschäftsfelder nicht so angreifbar sind wie Buch- oder Plattenläden. Schwierig wird es für die Baumärkte, da sie eine große Produktpalette haben. Auch Obi ist seit einiger Zeit mit einem eigenen Online-Shop vertreten. Im Textildiscount sind die Margen sehr niedrig. Wenn Versandkosten und Retouren dazu kommen, bleibt für Internethändler keine Spanne mehr übrig. Auch der Lebensmittelhandel ist kaum bedroht, da der Onlineversand von frischen Produkten eine große Herausforderung ist. Trotzdem haben wir in München und Berlin einen Lieferservice aufgebaut, bei dem man Online und per Telefon ordern kann und der gut angenommen wird.

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