Tengelmann und Edeka: Showdown im Übernahmekampf

Tengelmann und Edeka: Showdown im Übernahmekampf

Bild vergrößern

Eine Ministeriumsanhörung wird zur Bühne für den Übernahmekampf der Ladenkette durch Edeka.

von Henryk Hielscher und Stephan Happel

Das Endspiel um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann hat begonnen. Eine große Ministeriumsanhörung soll in wenigen Tagen die Weichen für eine Übernahme durch Edeka stellen. Befürworter und Gegner des Deals im Überblick.

Der Showdown findet vor gediegener Kulisse statt – und mit großer Besetzung. Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Patron Karl-Erivan Haub wollen am 16. November im stuckverzierten Eichensaal des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin für eine Ministererlaubnis werben und so die Übernahme von mehr als 450 Kaiser's-Tengelmann-Läden durch Edeka doch noch sichern.

Den Deal hatte das Bundeskartellamt im April untersagt. Eine Sondergenehmigung durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist Haubs und Mosas letzte Chance, das Veto auszuhebeln. Doch auch die Gegner der Übernahme wollen den Termin nutzen. Allen voran Rewe und Norma.

Anzeige

Was die Wettbewerber stört, ist nicht nur der Zuschlag für Edeka, sondern auch die Art der Verhandlungen. Denn die, so behaupten zumindest die Vertreter von Rewe wie Norma, fanden bisher gar nicht statt. Norma habe „nachweislich mehrmals das Gespräch mit Tengelmann“ gesucht, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ eine Unternehmenssprecherin. „Von deren Seite wurde auf unsere Gesprächsangebote nicht eingegangen.“ Auch Rewe-Chef Alain Caparros ist nach eigenen Angaben bei Tengelmann abgeblitzt, ohne dass es überhaupt konkrete Verhandlungen gegeben habe. „Auf der anderen Seite gab es daran kein ernsthaftes Interesse“, sagte Caparros vor wenigen Wochen der WirtschaftsWoche.

Die Vorwürfe der Konkurrenz werfen brisante Fragen auf: Hat sich Tengelmann von Anfang an auf Edeka als Käufer festgelegt? Auf den ersten Blick wäre das kein rationales Verhalten. Schließlich sollte ein Eigentümer das größte Interesse daran haben, mehrere Angebote einzuholen. Erst recht, wenn absehbar ist, dass das Bundeskartellamt Vorbehalte äußern dürfte. Beim Rivalen Rewe interpretiert man das Vorgehen als Konsequenz einer früheren Übernahme: „Vor Jahren hat Tengelmann bereits den Discounter Plus an Edeka verkauft“, sagt Caparros. „Damals waren wir auch im Rennen. Hätten wir den Zuschlag erhalten, hätten wir versucht, ein Vorkaufsrecht für Kaiser's Tengelmann durchzusetzen. Ob das jetzt bei Edeka der Fall ist, weiß ich nicht“, so Caparros. „Aber es wäre eine Erklärung.“

Haben die Tengelmann-Granden also gar nicht erst nach Lösungen gesucht, die wettbewerbsrechtlich weniger bedenklich sind, weil Edeka über ein Vorkaufsrecht verfügt? Tengelmann schweigt dazu. Im laufenden Verfahren wolle man sich nicht äußern, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

Bei der Anhörung in Berlin werden Edeka-Boss Mosa und Tengelmann-Chef Haub allerdings Farbe bekennen müssen, oder sie riskieren, dass Vertreter von Norma oder Rewe das Thema auf die Agenda setzen.  Neben den beiden Wettbewerbern werden nach Informationen der WirtschaftsWoche weitere Unternehmen wie Kaufland, Coop und Markant Gelegenheit bekommen, ihre Sicht auf die seit Jahren größte Übernahme im deutschen Lebensmittelhandel darzulegen. Auch Markenverband und Deutscher Bauernverband sowie die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten sind am Verfahren beteiligt. Zudem nehmen gleich vier Arbeitnehmergremien an der Anhörung teil. Die Rollen sind damit klar verteilt:

Edeka und Tengelmann:

Die wollen den Deal auf jeden Fall. Ihre Gründe sind verständlich: Edeka, die Nummer 1 im deutschen Lebensmittelhandel, steht vor einem Wachstumsproblem. Knapp 12.000 Märkte hat die Verbundgruppe derzeit, rechnet man Netto Marken-Discount hinzu. Viel Platz sich auszudehnen bleibt da nicht: Jeder neue Markt könnte einem bereits bestehenden die Kunden abjagen. Wachstumschancen gibt es aber in den Gebieten, in denen die Kaiser's Tengelmann-Filialen stehen.

Ihrem derzeitigen Chef Karl-Erivan Haub bringen die Lebensmittel-Läden insgesamt nur ein dickes Minus ein – mehr als 532 Millionen Euro seit 2000. Deswegen steht Haubs Entschluss fest: Kaiser's Tengelmann werde „definitiv aus dem Markt ausscheiden“ betont er.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%