Thomas Middelhoff über Roland Berger: "Herr Berger will Cash"

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Thomas Middelhoff über Roland Berger: "Herr Berger will Cash"

von Henryk Hielscher

Im Untreueprozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff traf der ehemalige Spitzen-Manager auf seinen hartnäckigsten Gläubiger - Roland Berger. Doch der konnte wenig Erhellendes beisteuern.

Eigentlich sollte es vor dem Essener Landgericht um die kostspielige Flugreisen des früheren Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff gehen. Die Staatsanwaltschaft wirft Middelhoff vor, Arcandor mit Privatflügen auf Firmenkosten einen Schaden von rund 945.000 Euro zugefügt zu haben. So sei er mehrfach mit dem Hubschrauber von seinem Wohnort Bielefeld zur Konzernzentrale nach Essen geflogen. Doch heute geriet der eigentliche Prozessanlass fast schon in der Hintergrund: Der Zeuge Roland Berger war geladen, um über das Flugverhalten seines früheren Geschäftspartners Aussagen zu treffen.

Ein brisanter Auftritt: Berger hatte Middelhoff vor wenigen Wochen gezwungen, vor einem Gerichtsvollzieher Auskunft über seine Vermögensverhältnisse zu geben, sprich: einen Offenbarungseid abzulegen. Um bei dem Termin nicht fotografiert zu werden, flüchtete Middelhoff in Actionfilm-Manier. "Ich bin wie die Katze übers Dach", berichtete er anschließend. "Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße."

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Die Prozesse rund um Thomas Middelhoff

  • Flüge auf Firmenkosten

    In dem am 6. Mai 2014 begonnenen Strafprozess geht es um Untreue in 49 Fällen. Middelhoff soll auf Firmenkosten Flugzeuge für private Zwecke gechartert haben. Middelhoff bestreitet das. Es habe stets einen dienstlichen Anlass gegeben.

  • Klage gegen Sal. Oppenheim

    Das Ehepaar Middelhoff hat das Bankhaus Sal. Oppenheim auf einen dreistelligen Millionen betrag verklagt. Sie fordern die Rückabwicklung ihrer Beteiligungen au Investmentfonds und die Freigabe von rund 23 Millionen Euro Festgeld, die das Geldinstitut eingefroren hat.

  • Schadenersatzklagen

    Der Insolvenzverwalter des Arcandor-Konzerns klagt vor dem Oberlandesgericht Hamm gegen Middelhoff und andere ehemalige Arcandor-Vorstände auf Schadenersatz. Das Landgericht Essen hatte 2012 bescheinigt, dass die Manager beim Verkauf eines Warenhauses ihre Pflichten verletzt hatten. Middelhoff fordert im Gegenzug vom Insolvenzverwalter 120 Millionen Euro wegen geschäftsschädigender Handlungen.

  • Verdacht auf Insolvenzverschleppung und weitere Strafverfahren

    Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt neben dem Verdacht auf Insolvenzverschleppung gegen Middelhoff auch wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften des Arcandor-Konzerns. Außerdem sollen die damaligen Spitzenmanager zu unrecht Millionenboni bekommen haben. Ermittler aus Köln werfen Middelhoff zudem Beihilfe zur Untreue beim Zusammenbruch des Bankhauses Sal. Oppenheim vor. Middelhoff weist alle Vorwürfe zurück.

Nun trafen die beiden vor Gericht aufeinander. Mehr als ein kurzes Zunicken zur Begrüßung hatten der Gläubiger und sein Schuldner dabei nicht füreinander übrig. Zum eigentlich Thema – den Flugreisen – konnte Berger wenig Erhellendes beisteuern. Anfang 2009 hatte er Middelhoff in Berlin getroffen. Middelhoff war damals per Chartermaschine angereist und hatte die Flugkosten von rund 17.000 Euro an Arcandor weitergereicht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Middelhoff vor allem wegen privater geschäftlicher Angelegenheiten in der Stadt war.

6,6 Millionen Euro Schulden

An genaue Gesprächsinhalte könne er sich nicht mehr erinnern, sagte Berger dazu. "Das ist alles sehr lange her." Umso besser konnte sich Berger indes an Middelhoffs Außenstände bei ihm erinnern.

Auf Fragen des Richters sagte Berger, er fordere von Middelhoff in der Folge einer "geschäftlichen Zusammenarbeit" aus dem Jahre 2008 rund 6,6 Millionen Euro plus Zinsen. "Leider ist nichts davon gezahlt worden", beklagte er.

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Vor Gericht räumte Middelhoff nun zwar ein, dass er Berger Geld schulde – doch komme er wegen anderer Rechtsstreitigkeiten nicht an sein Vermögen. Sein "gesamtes liquides Vermögen" sei blockiert: "Ich komme seit 2009 nicht an mein Geld", sagte Middelhoff. Er habe Berger zwar Sicherheiten abgetreten, doch: "Herr Berger will Cash".

Middelhoffs Verteidiger betonte zudem, dass Bergers Forderungen angezweifelt würden, da Middelhoff seinerseits Forderungen an Berger habe. Zudem habe Berger seine Pflichten bei dem Aktiengeschäft "sträflich vernachlässigt" und dadurch einen erheblichen Schaden verursacht.

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